Sechs in Serie: Rene Rast scheiterte an der Titelverteidigung, holte den Rekord
Sechs in Serie: Rene Rast scheiterte an der Titelverteidigung, holte den Rekord © Audi
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Audi-Fahrer Rene Rast tat mit seinem sechsten Sieg in Folge alles, um 2018 noch DTM-Champion zu werden, muss sich aber mit diesem Rekord begnügen

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"An einem Tag wie heute hat man natürlich gemischte Gefühle", sagt Rene Rast. Das ist verständlich: Mit seinem sechsten Sieg in Folge sorgte der Audi-Pilot für einen neuen Rekord und machte das Finale der DTM-Saison 2018 in Hockenheim noch einmal richtig spannend. Doch am Ende fehlten ihm vier Punkte zum Gesamtsieg in der Fahrerwertung . Deshalb räumt Rast ein: "Im Moment bin ich ein bisschen enttäuscht."

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Dabei hat Rast allen Grund dazu, stolz zu sein auf seine Leistung in diesem Jahr: Nach seinem schweren Unfall am Lausitzring und der Audi-Form zu Saisonbeginn schien eine Rolle im Titelkampf für den DTM-Champion von 2017 nicht sehr wahrscheinlich zu sein. Auch Audi-Sportchef Dieter Gass hatte Zweifel und gesteht: "Wir hatten selbst nicht daran geglaubt, dass es möglich sein würde." Doch dann startete Rast mit einem Doppelschlag am Nürburgring eine beeindruckende Aufholjagd und holte sich alle verbleibenden Rennsiege der Saison.

Das bezeichnet Rast selbst als einen "unglaublichen Lauf" und meint: "Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Da steckt so viel Arbeit drin. Die Jungs bei Audi, beim Team Rosberg, meine Fahrerkollegen - wir haben an den vergangenen drei, vier Wochenenden alle an einem Strang gezogen. Wir haben diesen Traum nie aufgeben, immer weiter gepusht und uns in jedem Rennen verbessert, sogar noch von gestern auf heute. Da hat wirklich keiner den Kopf in den Sand gesteckt."

Siegesserie: Mercedes war gewarnt ...

Explizit erwähnt Rast dabei auch seine Audi-Fahrerkollegen, die ihm mit Teamwork "unter die Arme gegriffen" hätten. "Es hat einfach alles zusammengepasst", sagt Rast. "Und wenn man sich wohlfühlt und einen guten Teamgeist in seiner Mannschaft hat, dann ist so etwas möglich."

Etwas, das Mercedes in der letzten Saison vor dem DTM-Ausstieg ziemlich in Bedrängnis brachte. Denn Rast hätte der Sternmarke beinahe das große Finale verdorben. Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz macht keinen Hehl aus seinen Sorgen: "In den letzten sechs Rennen sind wir etwas unter Druck geraten, es hat knapp gereicht. Klar hätten wir gestern gerne schon den Sack zugemacht, aber es hat nicht sollen sein." Dafür war Rast zu stark und zum dritten Mal in Folge an einem Rennwochenende in bestechender Form.

"Rene", sagt Fritz, "ist immer eine Gefahr. Darüber waren wir uns schon früh in der Saison bewusst, spätestens ab Brands Hatch. Aber dass es noch einmal so eng wird, das war sicher nicht geplant oder gewünscht. Aber für die Fans war es toll, dass es noch einmal so spannend wurde. Und natürlich: Sechs Siege in Folge gab es noch nie. Das ist unglaublich!"

Bestleistung auf ewig?

Audi-Sportchef Gass spart angesichts des neuen DTM-Rekords ebenfalls nicht mit Superlativen: "Man sollte sowas nie sagen, aber es sieht ein bisschen nach einem Rekord für die Ewigkeit aus. Die DTM gibt es ja schon ein paar Jahre, doch so etwas hat es bisher noch nicht gegeben." Rast habe einerseits vom Teamwork der Audi-Piloten profitiert, aber andererseits sich selbst in die Position gebracht. "Man muss da sein, darf keine Fehler machen und muss überall profitieren, wo man profitieren kann. Genau das hat Rene getan", erklärt Gass. "Er und sein Team haben einfach keine Fehler gemacht. Wirklich fantastisch!"

Aber warum mischte außer Rast kein anderer Audi-Pilot an der Tabellenspitze mit? Gass' erste Analyse deutet darauf hin, dass Rast mit dem DTM-Reglement 2018 deutlich schneller warm wurde als die anderen Audi-Fahrer. "Rene war der Erste, der die Set-up-Änderungen, die wir nach Saisonbeginn eingeführt hatten, erfolgreich umgesetzt hat", sagt Gass. "Seine Markenkollegen taten sich da schwerer."

Ein Blick auf den DTM-Gesamtstand zeigt, wie groß der Abstand zwischen Rast und den weiteren Audi-Piloten wirklich war: Mit 251 Punkten erzielte Rast den zweiten Platz hinter Mercedes-Fahrer Gary Paffett. Nico Müller als nächstbester Audi-Vertreter erreichte mit 96 Punkten gerade noch die Top 10.

Mit Lob überschüttet, aber ohne 2019er-Vertrag

Umso höher ist die Leistung des Ex-Champions einzuschätzen, meint DTM-Boss Gerhard Berger. "Rene gebührt großer Respekt", so der ehemalige Grand-Prix-Pilot. "Er ist einer der Fahrer in diesem Feld, der mich am meisten beindruckt. Er ist ein ganz ausgeschlafener Kerl. Vor allem ist er nicht nur talentiert, er ist auch sehr fleißig - und das führt dazu, dass er einfach immer vorn dabei ist."

So wie im Endspurt der Saison 2018, als Rast binnen sechs Rennen 150 Punkte sammelte und beinahe den Titelkampf völlig auf den Kopf gestellt hätte. Trotz dieser herausragenden Leistung und trotz des neuen DTM-Siegrekords ist aber noch unklar, ob Rast auch 2019 wieder in der Rennserie fährt. "Ich kann es nicht offiziell bestätigen, aber wir sind natürlich in Gesprächen und es sieht nicht schlecht aus", sagt er selbst - und warnt die Konkurrenz schon mal vor: "Ich habe jetzt natürlich ganz, ganz viel Lust auf nächstes Jahr ..."

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