Sebastien Ogier wurde als Gaststarter in Spielberg nicht verschont
Sebastien Ogier wurde als Gaststarter in Spielberg nicht verschont © LAT

Rallye-Ass Sebastien Ogier hat bei seinem Gaststart für Mercedes in Spielberg einen realistischen Eindruck von der DTM bekommen können

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Eine neue Herausforderung und die Gelegenheit, eine so umkämpfte Meisterschaft wie die DTM kennenzulernen: Mit diesem Vorhaben ist der fünfmalige Rallye-Weltmeister Sebastien Ogier am Wochenende in Spielberg als Gaststarter für Mercedes angetreten. Wie realistisch sein Eindruck von der hart umkämpften Meisterschaft werden würde, damit hat er wohl nicht gerechnet. Als 19. Mann außer Konkurrenz wurde er von Strafen, besonderen Schwierigkeiten und Strategie-Pokern nicht verschont.

"Es wäre so oder so ein schwieriges Wochenende geworden", sagt er hinterher. "Das war von Anfang an klar. Allerdings war es auch eine großartige Gelegenheit, in einer sehr konkurrenzfähigen Rennserie mit guten Autos zu fahren. Das Wetter hat es an diesem Wochenende noch schwieriger gemacht. Es gab einfach keine konstanten Werte. Weil sich die Bedingungen ständig veränderten, war es für mich ohne Erfahrung mit dem Auto besonders schwierig. Selbst für die anderen war es nicht einfach."

Mit dem neunten Saisonlauf der DTM-Saison 2018 hatte sich Ogier tatsächlich nicht das einfachste Wochenende ausgesucht. In der Steiermark brachten die Wetterkapriolen die Ordnung durcheinander. Von sommerlich warmen, bis herbstlich kühl-nassen Bedingungen war alles dabei. Da lässt es sich schwer in ein DTM-Auto einleben. Der erste Kulturschock kam dann bereits nach dem ersten Qualifying am Samstag.

Strafen-Register auch für Gaststarter

Denn nach dieser ersten offiziellen Session versäumte er es, sich Wiegen zu lassen - ein Verstoß gegen das sportliche Reglement, dass auch für Gaststarter keine Gnade kennt. Die Konsequenz: Ausschluss aus der Qualifying-Wertung. Zwar hatte Ogier ohnehin die langsamste Zeit gesetzt - über eine halbe Sekunde hatte ihm im durch starken Regen unterbrochenen Qualifying auf den Rest des Feldes gefehlt. Durch eine Strafversetzung von Pascal Wehrlein wäre er aber eigentlich einen Platz nach vorne gerückt. So musste er im Endeffekt doch von hinten startet, weil ihm die Rennleitung die Teilnahme am Rennen noch erlaubte.

Im Samstagsrennen konnte Ogier von einer Ereignisflut auf abtrocknender Strecke profitieren. Positiv fiel er dabei auf, als er sich ein paar Kurven lang einen Zweikampf mit Titelkandidat Gary Paffett leistete, obwohl man von ihm als Mercedes-Gaststarter erwartet hätte, er würde die Tür weit offen lassen. Negativ trat er in er Erscheinung, als es ihn auf kalten Reifen nach dem Boxenstopp wegdrehte.

"Der Anfang meines Rennens war ein bisschen langweilig", erklärt er. "Meine Pace war nicht gut. Nach meinem Boxenstopp hatte ich bessere Reifen. Und endlich hatte ich dann jemanden vor mir. Ich dachte mir: Jetzt kannst du endlich mal kämpfen. Meine Reifen waren aber noch etwas zu kühl und ich habe zu früh gepusht. Da unterlief mir ein kleiner Fehler."

"Von Runde zu Runde" gesteigert

"Dank der Safety-Car-Phase waren die letzten drei, vier Runden sehr spannend für mich. Schwierig war, dass Paffett neben mir war. Was soll ich machen? Er kämpft um den Titel. Ich konnte da nichts machen. Aber okay, ich bin zumindest zufrieden mit dem letzten Abschnitt des Rennens." Er schaffte es als 13. über die Ziellinie.

Ogier betont, dass er sich "von Runde zu Runde" steigern konnte. Im Sonntags-Qualifying kam er dann schon auf zweieinhalb Zehntel an die Stammpiloten heran. Doch auch dieses Rennen sollte einige besondere DTM-Überraschungen für ihn bereithalten.

"Anfangs hatte man mir gesagt, ich würde Funk bekommen", verrät er zum Beispiel. "Kurz vor dem Start zum ersten Rennen erfuhr ich aber: Auch ich würde keinen Funk erhalten, genau wie die anderen Piloten. Unterm Strich fuhr ich also unter gleichen Bedingungen wie die anderen. Es war eine gute Gelegenheit, die Konkurrenzfähigkeit dieser Rennserie zu sehen."

Rundenlang im Blindflug

"Ich wollte keine harten Kämpfe ausfechten", betont er. Und doch verstrickte er sich im Kampf um Platz 15. in ein Rad-An-Rad-Duell mit dem BMW von Augusto Farfus. Dem ließ er nach Meinung der Rennleitung zu wenig Platz. Die Szene war durchaus haarig: Farfus kam neben die Strecke und hob über die dem Red-Bull-Ring eigenen gelben Zusatz-Randsteinen sogar kurz ab. Es setzte eine Verwarnung für Ogier, die ihn als Gaststarter zwar nicht weiter belastet, für die Rennleitung aber ein Exempel statuiert.

Bestraft wurde Ogier aber auch vom Renngott, der ihm einen weiteren Stein in den Weg legte: "Ich überholte Farfus, der wohl ein Problem hatte und Öl verlor. Meine Windschutzscheibe war voll davon. Ich konnte überhaupt nichts sehen. Das war gefährlich. Ich habe nur darauf gewartet, dass das Signal zum Boxenstopp kommt."

Der verzweifelte Einsatz des in der DTM, anders als im Straßenauto, nur dürftigen Scheibenwischers, verschlimmerte die Situation nur. Ogier fuhr rundenlang im Blindflug. "Ich wusste nicht, ob wir Wasser mitführen, um die Scheibe zu reinigen. [Jetzt weiß ich:] Wir haben kein Wasser an Bord. Das Problem ist: Hätte mich das Team hereingeholt, wäre es okay gewesen. Doch alle anderen Fahrer des Teams hatten Priorität. Deshalb wurde ich geopfert und musste warten, bis ich meinen Stopp einlegen konnte." Schließlich konnte das Problem mit dem Abziehen der Windschutzscheiben-Folie behoben werden.

Eine Zukunft in der DTM?

"Die zweite Rennphase war dann besser", so Ogier. "Ich lag hinter [Mike Rockenfeller]. Ich wollte ihn nicht überholen, aber ihm für 20 Runden zu folgen, das war gut." Er blieb am Ende Letzter, aber um einige Erfahrungen Reicher. "Positiv war: Ich habe meinen Rhythmus über beide Rennen hinweg gesteigert. Damit bin ich zufrieden. Ich habe nicht geglaubt, hier ein gutes Ergebnis abzustauben. Das war klar. Aber dass ich mich kontinuierlich gesteigert habe, war schön. Meine Leistungskurve zeigte immerzu nach oben."

Und er hat Blut geleckt: "Man weiß nie, was die Zukunft bereithält. Derzeit würde ich gerne noch weiter Rallyesport betreiben. Wenn du als Gast in eine so konkurrenzfähige Meisterschaft kommst, ist es immer schwierig. Ich habe mir jetzt einen ersten Eindruck davon verschafft. Ich habe ein gewisses Potenzial gezeigt. Natürlich wäre es noch ein weiter Weg, bis ich hier konkurrenzfähig sein könnte. Vielleicht wechsle ich eines Tages in die DTM und starte eine neue Karriere auf der Rundstrecke."

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