Alex Zanardi gibt an diesem Wochenende sein DTM-Debüt
Alex Zanardi gibt an diesem Wochenende sein DTM-Debüt © LAT

Alex Zanardi ist sich seiner Rolle als Vorbild bewusst und er ist stolz darauf, was er trotz Handicap erreicht hat und dennoch glaubt er: "Ich bin ich nichts Besonderes"

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"Alex Zanardi ist eine lebende Legende": So wurde und wird der Italiener von vielen DTM-Fahrern bezeichnet. Zanardi verlor bei einem Unfall in der amerikanischen IndyCar-Serie beide Beine. Und trotz seiner Einschränkung betreibt er weiter Hochleistungssport und absolviert an diesem Wochenende in Misano sein DTM-Debüt im Rahmen eines Gaststarts mit BMW. Sobald er in den Raum kommt, herrscht eine besondere Atmosphäre. Denn mit seinem Lebenswillen und Kampfgeist hat er viele Menschen beeindruckt und ist für viele ein Vorbild.

Zanardi ist sich dessen bewusst und fühlt sich geschmeichelt. Dennoch möchte sich der 51-Jährige nicht verstellen müssen, um alle Erwartungen zu erfüllen. "Ich weiß, dass ich - vielleicht keine Inspiration - aber ein Vorbild für viele Menschen, die ähnliche Verletzungen haben oder Erlebnisse in ihrem Leben, die ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht. Dann denken sie vielleicht: Wow, wenn dieser Kerl das tut, was er tut, vielleicht kann ich es auch versuchen. Ich glaube, dass, egal was in deinem Leben passiert, du immer von vorne anfangen und daraus einen Vorteil ziehen kannst", ist Zanardi überzeugt.

Man müsse sich mit den Gegebenheiten abfinden und das Beste daraus machen. "Vielleicht sagst du dann: Hey, ja! Nach allem was passiert ist, ich war in der Lage zu sagen, das war eine Chance für mich. Das ist bei mir der Fall. Denn alles was ich mache, hängt mit meiner Situation zusammen. Ich wäre nie bei den olympischen Spielen gelandet, wenn ich nicht meinen Unfall gehabt hätte. Wenn mir jemand das gesagt hätte, dann hätte ich ihn gefragt: Was hast du genommen? Ich bin Rennfahrer und hab mit den olympischen Spielen nichts am Hut!", sagt er.

Nach seinem schweren Unfall kämpfte sich der Mann aus Bologna eindrucksvoll zurück und gewann mehrere paralympische Goldmedaillen im Paracycling. Aufgeben war für Zanardi nach seinem schlimmen Unfall keine Option. "Das Leben ist eine Chance für alles, was auch passiert. Aber das musst du erkennen. Wenn die Leute mich als Vorbild nehmen, dann macht mich das sehr stolz. Aber ich möchte nicht verantwortlich dafür sein, jeden Tag so zu handeln, dass ich diese Art von Inspiration bin. Ich bin einfach ich und kann nur die Dinge machen, die ich will."

Er ergänzt: "Außerdem bin ich nichts Besonderes. Ich habe viele Leute getroffen in der Reha-Zeit, die die gleiche Stärke - wenn nicht sogar noch mehr - haben wie ich."

Bei seinem DTM-Debüt in Misano weiß Zanardi, dass er womöglich am Ende des Feldes landen wird. Doch das macht ihm nichts aus, denn mit der Teilnahme an der deutschen Tourenwagenserie geht für ihn ein großer Traum in Erfüllung. Doch die italienischen Fans würden ihren Landsmann gerne auf dem Podium sehen, glaubt er. "Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, nur um die Leute glücklich zu machen. Es gibt Zeiten, da ist das unmöglich."

"Besonders an diesem Wochenende. Wenn ich das erste Rennen auf dem Podium beende - was sehr hypothetisch ist, weil es unmöglich ist - dann würde es immer noch Menschen geben, die glauben: Das ist ein guter Start. Morgen wird er gewinnen. Du kannst nicht die Erwartungen von jedermann erfüllen."

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