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München - Peter Kohl nimmt in seiner SPORT1-Kolumne die anstehende Formel-1-Saison genau unter die Lupe. Vor allem das Duell für Mick Schumacher bei Haas verspricht Spannung.

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Hallo liebe Motorsport-Freunde,

der Countdown läuft - nur noch wenige Tage bis zum Start in die neue Formel-1-Saison mit dem Grand Prix von Bahrain (28. März): Die Technik ändert sich in 2021 kaum, wesentliche Verschiebungen in der F1-Hierarchie unter den Teams wird es also daher nicht geben. (ANALYSE: Erkenntnisse der Testtage - wer glänzt, bei wem hakt es)

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Dafür hat sich das Fahrerkarussell gewaltig gedreht, nur drei von zehn Teams haben ihre Pilotenpaarungen behalten.

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Dadurch sind spannende, hochinteressante und unterhaltsame neue Konstellationen entstanden - die dafür sorgen werden, dass die Saison gewaltig rockt, wie der SPORT1-Check erklärt.

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Haas: Heißes Schumacher-Duell mit Mazepin 

Das Spannendste aus deutscher Sicht ist natürlich das Team Haas: Dass die Amerikaner zwei Youngster geholt haben, ergibt Sinn - dieses Jahr ist schließlich der Übergang zum neuen Reglement.

Nikita Mazepin und Mick Schumacher können sich dabei die Hörner abstoßen, Erfahrungen sammeln und in der Formel 1 Fuß fassen. Das Auto indes ist zu schlecht, als dass es allzu  hohe Erwartungen geben könnte. Druck gibt es dennoch für beide Fahrer reichlich.

Der Russe Mazepin hat sich die Sympathien durch seine Busengrabscher-Affäre versaut. Wäre sein Milliardärs-Papa nicht der Big Spender, hätte den 22-Jährigen schon vor den ersten Test-Kilometern das Aus ereilt.

Heißt auch: Mazepin braucht schnell gute Ergebnisse und Siege gegen Mick, um aus dem Schlamassel rauszukommen und als Fahrer anerkannt zu werden. Sonst wird das Ganze - trotz aller Kohle im Hintergrund - zum Kurzgastspiel. (SERVICE: Die Autos der Formel 1 2021: Termine und Zeitplan der Präsentationen)

Für Schumacher, der in den Nachwuchsserien Formel 2 und Formel 3 jeweils ein Eingewöhnungsjahr benötigte, bevor er durchstartete, ist der talentierte Teamkollege also brandgefährlich. Mick muss das Duell für sich entscheiden, wenn er in Zukunft gar zu Ferrari aufsteigen will.

Zumal: Der prominente Namen beschert dem Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher weltweite Aufmerksamkeit und Schlagzeilen.

Bislang ist er damit gut zurecht gekommen. Doch das Haifischbecken Formel 1 ist ein anderes Kaliber: So heiß, dass sich daran jeder verbrennen kann. Beliebtheit bei den Fans und ein guter Namen allein schützen davor nicht.

Vettel wird Aston Martin vorantreiben

Bei Aston Martin dagegen ruhen alle Hoffnungen auf den Schultern von Neuzugang Sebastian Vettel. Die Verpflichtung des viermaligen Weltmeisters rückt das Team in eine ganz andere Wahrnehmungsebene - wie der neue Name, der nach Tradition klingt. Für die Marketing-Abteilung ist all das Gold wert.

Aston Martin ist kein Austragsstüberl für Vettel. Der Heppenheimer will allen beweisen, dass er es noch drauf hat. Mit gewohnter Akribie und Leidenschaft wird Vettel das Team vorantreiben.

Lance Stroll kann teamintern jedenfalls nicht den Druck auf ihn ausüben, wie einst Daniel Ricciardo oder bei Ferrari zuletzt Charles Leclerc. Dazu fehlen ihm Talent und Konstanz. Vettel braucht das Gefühl, dass sich alles um ihn dreht, das seine Wünsche gehört und umgesetzt werden. Aston Martin bietet ihm diese Chance.

Stroll ist als Sohn des Teambesitzers dennoch ungefährdet. Er weiß, dass er von Vettel nur profitieren kann, auch bei einer klaren teaminternen Niederlage. Da ist Ruhe im Karton angesagt. 

Mercedes: Bottas keine Herausforderung für Hamilton

Lewis Hamiltons späte Unterschrift ist Bottas Schwanengesang. Der Finne hatte vier Jahre lang seine Chance, sich an Rekordhamster Hamilton ein ums andere Mal die Zähne ausgebissen, sich aufgerieben und zermürbt.

Und George Russell, Zögling von Mercedes Motorsportdirektor Toto Wolff, hat im vergangenen Jahr in Bahrain mit seinem Einsatz im schwarzen Pfeil mit dem Stern Begehrlichkeiten geweckt. Der Emporkömmling könnte Hamilton zum Weiterzumachen reizen, denn der Dominator liebt Herausforderungen.

Bottas ist keine mehr für ihn, Russell viel eher. Der 23-Jährige muss bei Williams nichts mehr beweisen. Bestätigt er dort seine bisherigen Leistungen, steht einer Beförderung ins Topteam 2022 nichts mehr im Wege.

Nicholas Latifi ist außerstand, Russell das Wasser zu reichen, der Kanadier ist ein Paydriver, spült Kohle in die klammen Kassen des Traditionsteams.

Nur mit teaminternen Siegen gegen Russell kann er sein Image aufpolieren - was ihm nicht gelingen wird. Der Nimbus und Schutz, den er als Neuling noch in der vergangenen Saison genossen hat, sind weg - seine Tage in der Köngisklasse daher gezählt. 

Alfa Romeo: Räikkönen hat Biss verloren

Was auch für die beiden Jockeys bei Alfa Romeo gilt. Kimi Räikkönens 19. F1-Saison wird wohl seine letzte sein. Der Alterspräsident hat seinen Biss verloren, die Erfahrung aus 330 Grands Prix macht das nicht wett.

Kommende Saison gibt es eine Regel-Revolution. Alle fangen dann wieder bei Null an. Es ergibt keinen Sinn, einen neuen Entwicklungszyklus mit einem Silberlöwen zu beginnen, der keinen Bock mehr hat zu jagen. (SERVICE: Der Rennkalender der Formel 1 2021)

Dass Antonio Giovinnazi überhaupt noch mal ran darf, ist völlig unverständlich. Er hat in seinen bisherigen 40 Grand Prix nicht gezeigt, dass er in die Eliteklasse gehört, kann Räikkönen nicht herausfordern und zu besseren Leistungen zwingen.

Ferrari und Alfa Romeo verschenken somit ein Cockpit - und die Chance, rechtzeitig einen Youngster aufzubauen. 

Red Bull: Marko fehlen Alternativen für Alpha Tauri

Bei Alpha Tauri sind die Karten ebenfalls eindeutig verteilt. Pierre Gasly hat mit seinem Sieg und etlichen Topleistungen im vergangenen Jahr sein Selbstbewusstsein aufgemöbelt. Er ist der Platzhirsch, wird Neuling Yuki Tsunoda deutlich in die Schranken weisen.

Der Franzose fühlt sich pudelwohl beim Team von Franz Tost. Der japanische Kontrahent muss erst mal beweisen, dass er nicht nur dank Motorenlieferant Honda eine Daseinsberechtigung hat. Wäre der Red Bull-Talentschuppen nicht so ausgeräumt und leer wie derzeit, gäbe es das Tsunoda-Debut wohl kaum.

Helmut Marko nimmt seine Fahrer zwar gerne an die kurzen Leine, hat sich in der Vergangenheit nicht gescheut, sie auch mitten in der Saison auszutauschen. Diesmal fehlen dem Motorsportkonsulent für ein solches Szenario schlichtweg die Alternativen. (SERVICE: Alles zur Formel 1)

Die Zukunft von Ferrari heißt Leclerc

Bei Ferrari wird nach dem Chaos der vergangenen Saison mehr Ruhe einkehren. Dass das Auto keine Rakete ist, haben derweil alle kapiert und akzeptiert. Die Scuderia wird auf technischem Gebiet 2021 keine Volten schlagen und ihre Gegner überraschen.

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Die Konzentration gilt jetzt schon komplett der Entwicklung des Boliden für den neuen Technikzyklus ab 2022. Die anstehende Saison ist nur ein Übergang. Mit Carlos Sainz junior als Nachfolger für Vettel hat man sich zudem einen Fahrer geholt, der unpolitisch ist.

Der Spanier zaubert nicht mit Tricks und Psychospielchen hinter den Kulissen, zeigt dafür konstant gute und verlässliche Leistungen. Die Rollen sind klar verteilt: Charles Leclerc ist die definierte Zukunft der Roten, Sainz eine sinnvolle Ergänzung.

Das ist gut für das von Krisen geschüttelte Team und den entscheidungsschwachen Kapitän auf der schwankenden Brücke. Erspart bleibt Mattia Binotto wenigstens ein teaminterner Alpha-Tier-Clash wie zwischen Leclerc und Vettel, den er schlecht moderiert hat

Spannung bei McLaren mit Ricciardo

Richtig spannend wird es bei McLaren. Für Teamchef Andreas Seidl brechen stressigere Zeiten an, denn das Team ist auf der Überholspur.

Neuzugang Daniel Ricciardo ist ein wesentlicher Baustein bei der Entwicklungsbeschleunigung hin zu einem Topteam. Der Australier ist ein charmanter Killer, der mit einem Lächeln auf dem Lippen seine Teamkollegen über die Klinge springen lassen kann.

Das hatten in der Vergangenheit auch Vettel und Nico Hülkenberg zu spüren bekommen. Für Top-Talent Lando Norris ist Ricciardo bei McLaren nun Chance und Risiko zugleich: Der 31-Jährige ist für ihn ein echter Maßstab.

Duelliert er sich mit Ricciardo auf Augenhöhe, wird das seine Zukunft in der Formel 1 zementieren. Zieht er klar den Kürzeren, könnte er als Sternschnuppe am Fahrerhimmel verglühen. In diesem Duell ist richtig Zug drin. (Alle Rennen der Formel 1 im LIVETICKER)

Alonso kehrt in die Formel 1 zurück

Das gilt auch für Alpine: Mit der Rückkehr von Altmeister Alonso haben die Franzosen nach einer durchwachsenen Saison viel Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Doch wie wird der zweimalige Weltmeister nach seiner langen Formel-1-Pause performen?

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Wer sich einen Alonso holt, weiß, worauf er sich einlässt. Der Ehrgeiz des Spaniers ist ungebrochen, sein herausragendes Talent hat noch keine Dellen oder Abnutzungserscheinungen. Alonso ist einer, der viel einfordert, allen alles abverlangt. Und er will behandelt werden wie ein König. Das ist auch kräftezehrend für alle Beteiligten, manchmal gar zermürbend.

Teamkollege Ocon wird das permanent hautnah zu spüren bekommen. Mit Alonso als Partner im Team ist nicht gut Kirschen essen. Vor allem dann nicht, wenn man an seinem Thron wackelt.

Ocon wird deshalb Nerven aus Stahl brauchen, will er nicht den Weg eines Stoffel Vandoorne gehen. Die hat er aber nicht. Er wird am ausgestrecken Arm des Asturiers verhungern und aus Frust die Fetzen fliegen lassen. Ein Funken schlagendes Duell, garantiert!

Sergio Perez verstärkt Red Bull

Red Bull hat mit der Verpflichtung von Sergio Perez dagegen in die Schatztruhe gegriffen. Der Mexikaner hat über viele Jahre mit unterlegenem Material überraschend gute Ergebnisse eingefahren.

Er ist krisenerprobt, hat die innere Stabilität, um an der Seite von Max Verstappen zu überleben. Der Niederländer ist keiner, der hintenrum agiert . Seine Kampfansagen kommen geradeheraus. Klar und deutlich vertritt Mad Max seinen Anspruch, die Nummer 1 sein zu wollen. Nicht nur teamintern.

Bügelt er Pérez (vorher Force India/Racing Point) wie die Youngster Pierre Gasly (AlphaTauri) und Alexander Albon (Reservefahrer bei Red Bull), steigt sein Marktwert in schwindelerregende Höhen.

Kann Pérez sich wiederum bei Red Bull auf vergleichbarem Niveau wie Max Verstappen behaupten, ist die Zukunft des Mexikaners in der Formel 1 auf Jahre gesichert.

Der Mexikaner muss jetzt beweisen, dass er auch aus Top-Material das Maximum herausholen kann. Gelingt ihm das, wird Red Bull zumindest in der Konstrukteurswertung endlich der ernsthafte Herausforderer von Mercedes.

Lasst die Rennen beginnen! 

Pedal To The Metal - Ihr Peter Kohl