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München - Vor sechs Jahren verunglückte Michael Schumacher beim Skifahren. Auch für Sohn Mick ein riesiger Einschnitt. Inzwischen steht er kurz vor dem Sprung in die Formel 1.

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Der Versuch ist zwecklos. Denn er wird dem Schicksal nicht gerecht. Nicht einmal ansatzweise. Keine Chance.

Genau sechs Jahre ist es inzwischen her, dass sich das Leben von Michael Schumacher und seiner Familie verändert hat. Komplett. Und das von einer Sekunde auf die andere.

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Der tragische Skiunfall am 29. Dezember 2013 und die Folgen trafen die Schumachers unvorbereitet und mit der unbarmherzigen Härte, die das Leben manchmal bereithält, verbunden mit der Frage nach dem Warum, auf die es keine befriedigende Antwort gibt.

Auch Schumachers Sohn Mick war bei dem Urlaub in dem französischen Skigebiet Meribel dabei. An jenem sonnigen Tag als Augenzeuge, so heißt es, er soll zu der Gruppe, mit der Schumacher unterwegs war, gehört haben. Selbst wenn er nicht dabei gewesen wäre: Man kann sich lediglich grob vorstellen, wie diese Momente für den damals 14-Jährigen gewesen sein müssen. Wie es bis heute für ihn ist. Der Umgang damit, die gesamte Aufarbeitung, einfach alles.

Tragweite kaum zu greifen

Von außen, ohne so etwas selbst mitgemacht zu haben, ist es erst einmal vermessen, ein genaues emotionales Bild zu zeichnen. Selbst wenn man versucht, sich in den heranwachsenden Teenager hineinzuversetzen, dürfte man an der Tragweite und dem emotionalen Einschnitt und Ausmaß scheitern.

Es kann im besten Fall nur eine Annäherung sein. Auch, weil die Familie mit Informationen zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher sehr sorgsam umgeht. Der Grat hin zu Spekulationen ist dann sehr schmal.

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Es ist eben nur schwer greifbar, wenn man von dem Betroffenen selbst keinen Einblick in die Gefühlswelt erhält. Diese Bandbreite, die bei jedem Menschen unterschiedlich ist, bleibt bei Mick verschlossen.

Auch als er eineinhalb Jahre später in die Öffentlichkeit des Motorsports tritt: Im Frühjahr 2015 feiert er sein Debüt in der Formel 4, nachdem er im Kartsport noch unter dem Mädchennamen seiner Mutter fuhr.

Der Hype ist unter der Einwirkung des Unfalls unfassbar groß, doch Mick wird behutsam herangeführt, Interviews sind eine Seltenheit, Fragen zu seinem Vater anfangs nicht erwünscht. Die zum Unfall sowieso, aber auch wenn es um scheinbar harmlose geht, wie die Rolle des siebenmaligen Champions als Vorbild oder Erinnerungen an früher.

Während Mick auf der Rennstrecke in zwei Jahren Formel 4 als Rennfahrer reift, tut er dies auch als Mensch. Die Interviews werden zahlreicher, Fragen und Antworten detailreicher, der Junge öffnet sich mehr. Immer noch schüchtern, immer noch hört man den Rheinländer heraus.

Medien schlachten Schicksal teilweise aus

Man darf nicht vergessen: Er hat in den Monaten nach dem Unfall aus nächster Nähe miterlebt, wie abgrundtief skrupellos manche Medien vorgegangen sind, um an Informationen (und in Einzelfällen auch an Bilder) zu gelangen. Diverse Medien schlachten das Schicksal heute noch aus, die Familie geht rigoros dagegen vor.

Es sind Erlebnisse und Erfahrungen, die prägen. Und die Mick darin bestärken, mit seinem Privatleben so umzugehen, wie es sein Vater immer getan hat, auch als er noch im Rampenlicht der Formel 1 stand.

"Mir ist das Privatleben auch sehr wichtig. Das Private wirklich privat zu halten, darin ist mein Vater sehr gut, das stand für ihn immer an oberster Stelle", sagte Schumacher im Interview der Süddeutschen Zeitung: "Für mich ist das auch so, das ist der Ort, wo ich mich fallen lassen und Energie zurückgewinnen kann."

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Immer wieder betont er inzwischen auch, wie wichtig sein Vater auch als Vorbild ist. Er verriet zum Beispiel, wie die Entscheidung fiel, Papas Weg zu gehen: natürlich auf der Kartbahn.

"Es hat riesigen Spaß gemacht, das mit ihm zu teilen, und ich erinnere mich daran, wie er einmal fragte, ob das für mich ein Hobby wäre oder ob ich das als Profi machen wollte. Ich habe ihm ohne Umschweife gesagt, dass ich das beruflich machen wollte. Ich wollte nie etwas anderes machen", sagte Mick im Magazin des Motorsport-Weltverbandes FIA.

Riesige Fußstapfen des Vaters

Natürlich sind die Fußstapfen riesig und im Normalfall gar nicht auszufüllen, doch Mick scheut die nachvollziehbare Suche nach den Parallelen nicht mehr. In den beiden Jahren Formel 3 inklusive Titelgewinn 2018 wurden die Übereinstimmungen offensichtlicher. Als er die Meisterschaft gewann, hieß es sofort: zwei Jahre früher, als es der Vater schaffte. Immer der Begleiter: der Papa, die besonderen Emotionen, die Erinnerungen, die Erwartungen.

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Denn klar: Natürlich eifert der Junior dem Senior nach. "Da gibt es viele Aspekte, wo ich sage: 'Wow, das war einfach speziell, wie er das gemacht hat'", sagte Schumacher: "Ich achte zum Beispiel darauf, wie er bestimmte Situationen gelöst hat."

Schumacher hat sich jedoch auch vorgenommen, eigene Wege zu gehen. "Ich glaube, es ist wichtig, eigene Fehler zu machen. Aber wenn ich in manchen Situationen schon weiß, wie ich reagieren könnte und so große Fehler vermeiden kann, ist das natürlich besser", sagte Schumacher: "Ich glaube, da gibt es einiges von ihm zu lernen für mich. Wir haben ein ähnliches Temperament."

Mick Schumacher: "Er ist mein Hero"

Er betont, dass er glücklich sei, der Sohn des größten F1-Fahrers aller Zeiten zu sein: "Ich bin glücklich, dass er der beste Formel-1-Pilot aller Zeiten ist und dafür bewundere ich ihn. Und selbst, wenn es manchmal etwas schwierig sein kann, ist es eben, wie es ist. Es hat gute und es hat schlechte Seiten", sagte er. Dem ZDF verriet er: "Ich himmle ihn genauso an wie viele andere. Er ist mein Hero."

Inzwischen ist Mick in der Formel 2 unterwegs, hat ein durchschnittliches Rookie-Jahr mit einem Sieg, Höhen und Tiefen und Gesamtplatz zwölf hinter sich und ist Ferrari-Junior. 2020 will er in der obersten Nachwuchsklasse vorne angreifen, nachdem er zeitweise mit einem vorzeitigen Aufstieg in die Formel 1 in Verbindung gebracht wurde.

Ein weiteres Jahr kann positiv sein

"Natürlich wäre es schön gewesen, in die Formel 1 zu gehen, es kann aber positiv sein, noch ein Jahr zusätzlich in einer Junior-Kategorie zu fahren, um mehr Erfahrung zu sammeln", sagte er.

Er bedient nicht nur die Wünsche, Träume und Sehnsüchte der deutschen Fans, die bald wieder einen Schumacher in der Formel 1 sehen wollen, sondern auch seine eigenen.

"Die Unterstützung von vielen Menschen auf der ganzen Welt zu haben kann nichts Schlechtes sein. Dafür bin ich dankbar", sagte er.

Schumacher spürt sie regelmäßig, zum Beispiel in diesem Jahr beim Formel-1-Rennen in Hockenheim, als er den Ferrari F2004 seines Vaters fahren durfte. Oder beim Ferrari-Event in Mailand vor dem Rennen in Monza. Die Bilder von ihm bei den Tests im Ferrari im April sorgten bereits für Gänsehaut-Momente. Für einen Vorgeschmack, wie es sein könnte. Wie besonders es werden kann.

Und wenn er darüber spricht, wenn seine Augen leuchten und er lächelt und grinst, dann kann man sich zumindest in etwa vorstellen, was dann in ihm vorgehen wird. An der kompletten Tragweite und dem emotionalen Ausmaß scheitert man aber wohl immer noch.