Lesedauer: 7 Minuten

München - Bis Ende Oktober bleiben Fans in den deutschen Stadien außen vor. Wie gehen Sportarten abseits des Fußballs mit der Entscheidung um? SPORT1 hat nachgefragt.

Anzeige

Am Donnerstag hat die deutsche Politik Klarheit geschaffen – und doch auch wieder nicht.

Bei einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der einzelnen Bundesländer wurde beschlossen, dass der Profisport bis mindestens Ende Oktober als Folge der Coronakrise ohne Besucher auskommen muss. In der Zwischenzeit soll eine Arbeitsgruppe Konzepte für eine Rückkehr der Fans ausarbeiten.

Anzeige

Ob und wie viele Zuschauer dann ab November in den einzelnen Arenen zugegen sein dürfen, ließ die Politik am Donnerstag offen. "Wir müssen erst schauen, dass Schulen, Kitas und der Wirtschaftsbetrieb laufen, das hat Priorität", sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Doch während im finanziell vergleichsweise gut gestellten Fußball ein Saisonbeginn ohne Fans zu verkraften sein dürfte, sieht die Situation in anderen Sportarten mitunter ganz anders aus. Wie geht man also im Eishockey, Handball und Basketball mit dem Beschluss um?

SPORT1 hat nachgefragt.

HANDBALL

Als erste Sportart will die Handball-Bundesliga am 1. Oktober in ihre neue Saison starten. Dass dabei noch keine Fanmassen erlaubt sind, kann DHB-Vizepräsident Bob Hanning gut nachvollziehen. "Ich habe Verständnis für diese Situation. Wir gehen aber davon aus, dass das was bisher erlaubt ist, auch erlaubt bleibt", erklärt der Geschäftsführer der Füchse Berlin im SPORT1-Interview.

Konkret bedeutet das, dass in der Hauptstadt 1.000 Zuschauer in der Halle erlaubt wären. "Dafür bereiten wir gerade das Hygienekonzept vor. Wir sind aber der Hoffnung, dass wir dann Schritt für Schritt weiterkommen."

DAZN gratis testen und Sport-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE 

Dass die fehlenden Einnahmen ein großes Problem darstellen, bestreitet Hanning indes nicht. Gerade für die bekannten Klubs, die große Hallen zu bespielen haben, ist nach Meinung des 52-Jährigen ein Wechsel in eine kleinere und kostengünstigere Arena denkbar. "Die Situation wird nicht besser. Wir müssen wieder spielen, um unseren Verträgen gerecht zu werden." Staatliche Hilfen können dabei aber zumindest bis Jahresende Abhilfe schaffen.

Eine Verlegung des Saisonstarts in den November, um dann eventuell mehr Fans in die Arenen lassen zu können, kommt für den DHB-Vize aber nicht in Frage. "Wenn wir der Meinung sind, dass unsere Sportart weiter durch Nicht-Sichtbarkeit glänzen sollte, dann muss man solche Entscheidungen treffen. Wenn wir in die Höhle gehen, kommen hinterher heraus und wundern uns, dass alles verbrannt ist, dann wird das Problem nicht mehr lösbar. Wir müssen uns rantrauen, mutig sein und starten."

EISHOCKEY

Bei der Deutschen Eishockey-Liga heißt es erst einmal: abwarten.

"Wir lesen den gestrigen Beschluss nicht so, dass Zuschauer grundsätzlich ausgeschlossen sind. Zunächst müssen wir aus Erfahrung abwarten, wie dieser Beschluss nun in den Ländern umgesetzt wird. Unsere 14 Clubs haben bzw. sind weiterhin dabei, sinnvolle Hygienekonzepte zu erarbeiten, sodass wir aus unserer Sicht unter die genannte Ausnahme des Verbots fallen. Es ist für uns nicht ersichtlich, warum für Sport andere Vorgaben gelten sollten als für andere Bereiche.", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke bei SPORT1.

Probleme bereitet vor allem die für einen Saisonstart nötige Vorlaufzeit von sechs bis acht Wochen. "Wir müssen im Laufe des Septembers entscheiden, ob wir im November spielen. Wir werden und können nicht ohne Zuschauer bzw. ohne finanzielle Hilfen in den Spielbetrieb gehen und hierfür brauchen wir sechs bis acht Wochen Vorlauf. Um zu überleben, wären die meisten Klubs anderenfalls gezwungen, nicht zu spielen."

Und auch die örtlich mit den Behörden abzustimmenden Hygienekonzepte machen es der DEL schwer. "Entscheidend sind die jeweiligen Gesundheitsämter. Die Clubs sind bestrebt, in einen aktiven Dialog zu kommen. Das ist manchmal nicht so einfach, da doch einige Gesundheitsämter sehr fokussiert auf die Bundespolitik sind", so Tripcke.

Um doch noch eine frühere Entscheidung herbeizuführen, wird sich die DEL nun bemühen, in die Arbeitsgruppe der Bundesregierung aufgenommen- und dort angehört zu werden.

Sollten aber auch im November keine größeren Zuschauermengen erlaubt sein, dürfte es für die Eishockey-Klubs schwierig werden. "Unser oberstes Ziel ist, dass wir spielen! Dafür tun wir alles, was nötig ist. Man kann eine Profiliga nicht einfach aus- und dann wieder anknipsen."

Jetzt die Spielewelt von SPORT1 entdecken - hier entlang! 

BASKETBALL

Deutlich gelassener geht man bei der easycredit BBL an die Thematik heran. Überraschend sei die Entscheidung der Politik ohnehin nicht gewesen und an der Ausgangslage ändere sich auch nichts, erklärte Jens Staudenmayer, kaufmännischer und sportlicher Leiter der BBL im Gespräch mit SPORT1.

"Wenn man sich das Konzept genau durchliest, dann gibt es ab November einen Hoffnungsschimmer. Unser Pokalwettbewerb, mit dem wir im Oktober starten wollen, den hatten wir ohnehin nicht vor großem Publikum geplant", so der Verantwortliche.

ALBA Berlin durfte sich beim Finalturnier über den Titel freuen
ALBA Berlin durfte sich beim Finalturnier über den Titel freuen © Imago

Dass es für die Vereine der BBL dennoch enorm hart ist, verschwieg Staudenmayer nicht. "Jeder Tag ohne Zuschauer tut wirtschaftlich enorm weh. Abgesehen davon geht die Bindung zu den Zuschauern komplett verloren. Insofern sind wir aufgerufen, die von der Politik genannten Bedingungen zu erfüllen, und Gewehr bei Fuß zu stehen, sobald die Politik Lockerungen möglich macht. Aktuell ist noch keine Gefahr in Verzug."

Auch in Sachen Hygienekonzept gibt man sich bei der Basketball-Bundesliga locker. "Da wir am Ende der vergangenen Saison beim Finalturnier bereits üben durften, und nicht die Saison abgebrochen haben, sind wir auf alle Konstellationen gut vorbereitet", freut sich der Prokurist.

Und dennoch: "Wir werden sicherlich nicht auf die Ergebnisse der von der Politik eingesetzten Arbeitsgruppe warten. Denn es ist auch immer eine wirtschaftliche Frage. Untersuchungen von Experten haben jedenfalls ergeben, dass es in den meisten Hallen machbar ist, mit 50 Prozent der Zuschauer zu spielen."

Die BBL plant ihren Saisonstart für den 6. November.

Volleyball

Die Volleyball Bundesliga (VBL) geht weiterhin davon aus, zu Saisonbeginn Spiele vor Zuschauern austragen zu können – vorausgesetzt, die regionale Infektionslage lässt es zu und alle von den Behörden geforderten Auflagen können umgesetzt werden.

"Die Entscheidung der Bundesregierung und der Länderchefs hat an den Voraussetzungen für einen Spielbetrieb mit Zuschauern in der Volleyball Bundesliga nichts geändert", sagte VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung. "Wir gehen davon aus, dass – je nach Hallenkapazität und aktuellem Infektionsgeschehen – Spiele bis zu einer Zuschauerzahl von 1.000 möglich sind."

Die von der Politik geforderte Nachverfolgbarkeit der Kontakte sowie die Einhaltung von Mindestabständen und allgemeinen Hygieneregeln sind in den individuellen Konzepten der 77 VBL-Teams geregelt. Viele dieser Papiere liegen von den zuständigen Behörden bereits zur Prüfung vor.

Ein unnötiges Risiko werden die Teams der Volleyball Bundesliga nicht eingehen, um Zuschauer in die Hallen zu bekommen. "Wir fahren weiter auf Sicht", betonte Jung. "Die Gesundheit der Spielerinnen und Spieler und das Wohlergehen der Bevölkerung haben weiterhin oberste Priorität. Auf der anderen Seite bekommen wir große Probleme, wenn unsere Vereine eine komplette Saison lang ohne Zuschauer auskommen müssten. Daher arbeiten wir eng mit unseren Vereinen zusammen, um für jeden Standort die bestmögliche Lösung zu finden."