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München - Nach seinem gescheiterten Engagement für die Olympia-Bewerbung Hamburgs schlägt Hockey-Legende Moritz Fürste einen neuen Weg ein - und verändert damit die Sportwelt.

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Moritz Fürste hat große Visionen.

Die deutsche Hockey-Legende will mit "Hyrox" die Sportwelt verändern - und es vielleicht sogar zu Olympia schaffen.

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Das Projekt des 35-Jährigen ist Thema einer Reportage, die SPORT1 an diesem Samstag zeigt (ab 14 Uhr: Die Highlights der Hyrox World Championship im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Was hat es mit Hyrox auf sich?

Fitness-Wettbewerb für Jedermann

Hyrox ist ein Fitness-Wettbewerb, den Fürste mit seinem Sportmarketing-Unternehmen Upsolut Sports 2017 ins Leben gerufen hat.

Es verbindet funktionelles Krafttraining, hochintensives Intervalltraining und klassischen Ausdauersport. Dazu kommt der Wettbewerbscharakter, jeder Starter erhält eine eigene Finisher-Zeit, seinen Platz in der Gesamtwertung und ein Ranking in seiner entsprechenden Altersklasse, von denen es elf gibt.

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"Wir sind die einzige World Series of Fitness, an der jeder teilnehmen und um seine persönliche Bestleistung kämpfen kann", erklärt Fürste SPORT1: "Wir passen nicht in eine schon bestehende Kategorie. Wir sind ein Fitness-Wettkampf - das gab es bisher nicht." Das sei "wie, wenn ich sage: Ich bin Fußballer, kann aber nie spielen. Wir wollten dieses Spiel für diese Leute kreieren."

Hyrox hebe sich auch deshalb von Fitness-Events wie Cross Fit ab, weil wirklich jeder mitmachen könne.

"In Dallas wurde der Weltrekord geknackt - und gleichzeitig hatte ein Teilnehmer die langsamste Zeit, die wir je hatten", berichtete Fürste, der sich die Events live vor Ort anschaut: "Ich kann gar nicht sagen, was ich geiler fand. Denn wie der sich durchgekämpft hat, das war großartig."

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Die Elite brauche "unter einer Stunde", andere mehr als drei Stunden. Zuletzt wurde gar unter besonderen Bedingungen - nur sechs Starter und sechs Starterinnen, die vor dem Wettkampf gemeinsam im Hotel wohnten und getestet wurden - der Hyrox World Champion of Fitness gekrönt.

SPORT1-Moderatorin schwärmt

Auch Lisa Ramuschkat, die bei SPORT1 für das beliebte Interview-Format Split It! verantwortlich ist, nahm sowohl als Athletin als auch Moderatorin bereits an Hyrox-Events teil.

"Für mich ist Hyrox deshalb so cool, weil es wirklich das Konzept geschafft hat, jeden Menschen anzusprechen. Jeder Mensch, der mitmacht, schafft es, über sich hinauszuwachsen, und zwar unabhängig davon, auf welchem Level man sich befindet", sagte die frühere Hockeyspielerin: "Das schafft eine ganz besondere Stimmung und Atmosphäre, auch an den Wettkampftagen."

Dieses "Gefühl und die Freude in den Augen anderer Menschen zu sehen, die das wirklich geschafft haben - das ist einfach so ehrlich, so schön."

Lisa Ramuschkat moderiert bei SPORT1 Split It!
Lisa Ramuschkat moderiert bei SPORT1 Split It! ©

Gleichzeitig kristallisiere sich allerdings ein Profibereich heraus, wie Fürste erklärt. "Die besten Zehn der Welt bei Männer und Frauen trainieren inzwischen nichts anderes mehr. Sie sagen: 'Das ist jetzt unser Sport. Und sie hoffen darauf, dass der Sport, in dem sie gut sind, immer erfolgreicher wird."

Fürste vergleicht seine Sportart mit dem Marathon, bei dem grundsätzlich jeder mitmachen kann, sich aber natürlich starke Leistungsunterschiede entwickeln.

Home Competition während Corona

Normalerweise finden die Hyrox-Events in Hallen in Städten wie Hamburg oder München statt, zudem ist die Serie inzwischen in die USA expandiert. Eine Entwicklung, die normalerweise umgekehrt verläuft.

"Das war immer unsere große Motivation. Wir wollen der erste richtige Sporttrend sein, der in die USA schwappt und nicht andersrum", betonte Fürste.

Die Coronakrise brachte Fürste und seine Kollegen dazu, eine Variante für die heimischen vier Wände zu gestalten. Über fünf Wochen wurden Athleten jeden Sonntag neue Herausforderungen in Form eines Workouts gestellt, die innerhalb einer Woche absolviert werden mussten.

"Es gibt viele Home Workouts bei Youtube. Wir wollten das aber nicht machen, wir haben auch nie so ein Training herausgegeben. Denn wir haben gesagt: Wir sind ein Competition-Format", erklärte Fürste, der für die Organisation und Vermarktung des Projekts zuständig war und von der Resonanz (5000 Teilnehmer) überwältig war.

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Die Ausdauerkomponente fiel bei der Hyrox Home Series weg, die Finalisten maßen sich in verschiedenen Workouts - wer die meisten Wiederholungen schaffte, gewann.

Fürste ist "Feuer und Flamme"

Das Niveau erstaunte Fürste: "Diese Besten sind so viel besser als der Durchschnitt der Leute, die Videos eingereicht haben. Das ist ein krasser Unterschied. Das ist verrückt."

Die Begeisterung bei Fürste ist zu spüren - ob am Telefon oder bei den Events vor Ort.

"Mo brennt richtig dafür und macht es mit vollem Herzen", meint Ramuschkat, die Fürste aus dem Hockeysport kennt, und erinnert an die erste Weltmeisterschaft 2019 in Oberhausen.

Alles zum SPORT1-Podcast "Split It!"

"Er war Feuer und Flamme. Das merkt man in der Mimik und Gestik, er hat sich richtig gefreut. Nicht nur Mo, sondern das gesamte Team. Die haben richtig gemerkt, wie krass es ist, was sie eigentlich geschafft haben. Das ist ein total ehrlicher Einsatz, super authentisch."

"Das ist Wahnsinn": Corona-Verbot nervt Fürste

Die Coronakrise trifft Fürste aber trotz der erfolgreichen Home Series schwer. "Mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass wir (in der Veranstaltungsbranche, Anm. d. Red.) eine vergessene Branche sind. Wir haben seit neun Monaten Berufsverbot", erklärte Fürste im SPORT1-Podcast "Sag Mal".

Er sei zwar "total davon überzeugt, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen und mussten, um diese Pandemie einzudämmen", gerade auch jetzt im Angesicht der jüngsten Verschärfung der Krise. Doch "wir müssen auch bereit sein [...], in einer gewissen Form differenzierter über gewisse Dinge zu sprechen. Wenn ich an meine Branche denke, ist das zum Teil Wahnsinn - und da gehören Kultur und Sport ganz eng zusammen".

Alles zum SPORT1-Podcast "Sag Mal" mit Daniel Höhr

Fürste betont: "Wenn es die großen kulturellen und gesellschaftlichen Attraktionen nicht mehr gibt - und ich sehe das um mich herum, wie viele da 'wegsterben' - hat das eine unglaubliche Tragweite."

Schließlich gehe es auch um eine gewisse Vorlaufzeit für Sponsoren und Teilnehmer. "Wir können nicht innerhalb einer Woche ein Event einfach auf die Beine stellen", meinte Fürste: "Wenn wir jetzt anfangen zu planen, sprechen wir über Events im Sommer - das wären dann eineinhalb Jahre Berufsverbot."

Das zu schaffen, sei eine "riesen Herausforderung", erklärte Fürste, der sich aber optimistisch zeigt: "Wir werden sie meistern."

Abkehr von der olympischen Vison

2015 kämpfte Fürste vergeblich um die Olympia-Bewerbung Hamburgs für die Spiele 2024, die von den Einwohnern der Stadt abgeschmettert wurde.

Im Zuge des (erfolgreichen) Pitches für eine mögliche Vermarktung von Hamburgs Bewerbung lernte der Welthockeyspieler von 2012 seine heutigen Mitstreiter Christian Toetzke und Michael Trautmann kennen. Die fruchtbare Zusammenarbeit wurde trotz "NOlympia" neun Monate später mit der Gründung von "Upsolut Sports" fortgesetzt.

Im November 2019 äußerte Fürste im Abendblatt die Vision, mit Hyrox olympisch zu werden. "Ich hatte immer einen sehr guten Draht zum IOC und auch zu Thomas Bach und habe mit ihm bereits zwei mal persönlich darüber gesprochen", sagte er nun: "Wenn wir das komplett drauf anlegen würden, wäre das gar nicht so unwahrscheinlich, dass wir das schaffen."

Aber "dafür müsste man sich in Verbandsstrukturen geben. Man müsste einen Hyrox-Verband gründen, einen nationalen Verband gründen, einen Weltverband gründen. Und das wollen wir gar nicht. Denn wir sind ein Unternehmen. Daraus machen wir keinen Hehl."

Lukrativer als Hockey

Und das funktioniert besser, als Fürste es erwartet hat. Im Dezember 2019 stieg das im Sportbusiness bestens vernetzte Unternehmen Infront als Investor ein, im nächsten Jahr wird Hyrox in die professionelle Produktion gehen, was weitere Sponsoren anlocken soll.

"Für mich persönlich ist Hyrox nach drei Jahren finanziell lukrativer als meine gesamte Hockey-Karriere", erklärt Fürste, der neben drei Olympia-Medaillen auch zwölf Mal Edelmetall bei Welt- und Europameisterschaften absahnte und auch mit dem Uhlenhorster HC einige Erfolge feierte.

Moritz Fürste (l.) nach dem Olympiasieg 2012 in London
Moritz Fürste (l.) nach dem Olympiasieg 2012 in London © Getty Images

Und den finanziellen Anreiz gibt es in Form von Preisgeld auch für die Athleten.

"Die Besten bei uns haben 20000-30000 Euro Preisgeld eingesammelt. Das ist ja auch nicht wenig für Leute, die sonst Sport nur in der Freizeit machen und ins Gym gehen."

Verändert Hyrox die Sportwelt?

Aus dem Nichts gebe es mit Hyrox "eine Sportart, in der sie gut sind und mit der sie Preisgeld absahnen können. Das ist schon spektakulär." Ein Top-Hyrox-Athlet verdiene im Durchschnitt inzwischen so viel ein guter Hockey-Spieler.

"Ich finde schon, dass wir dabei sind, die Sportwelt ein Stück weit zu verändern", meinte Fürste bereits im Mai: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell gibt."

"Wir haben im letzten Jahr über 25.000 Teilnehmer gehabt, die an einem völlig neuen Sport mitgemacht haben. Wir haben ein nicht bekanntes Need für die Leute gefunden und gestillt. Wir haben einer ganzen Bewegung ein Zuhause gegeben."