Philip Köster wurde bereits fünf Mal Weltmeister in der Disziplin Waveriding
Philip Köster surft im Weltcup mit der Segelnummer G44 © Picture Alliance
Lesedauer: 8 Minuten

München - 2019 gewann Philip Köster seinen fünften WM-Titel im Waveriding. Im SPORT1-Interview erklärt der 26-Jährige, welche Ziele er hat und wie Windsurfer unter Corona leiden.

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Seit Wochen kann Philip Köster seinem liebsten Hobby, seinem Beruf, seiner Leidenschaft nicht nachgehen: dem Windsurfen. Und ein Ende der Leidenszeit ist nicht wirklich in Sicht.

Auf Gran Canaria ist es wie in ganz Spanien verboten, für nicht lebensnotwendige Aktivitäten das Haus zu verlassen. Selbst alleine Sport machen ist im Freien untersagt.

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Trotz allem klingt der fünfmalige Weltmeister in der Königsdisziplin Waveriding bestens gelaunt, als SPORT1 ihn am vergangenen Dienstag zum Interview am Hörer begrüßt. "Endlich habe ich mal wieder was zu tun", freut sich der 26-Jährige.

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Köster hat auch kaum Grund, Trübsal zu blasen. Im Herbst 2019 machte der Sohn deutscher Auswanderer nach Gran Canaria seinen fünften WM-Titel perfekt, im Februar kam sein erstes Kind, Tochter Malia zur Welt.

Im Gespräch mit SPORT1 berichtet Köster von seinem neuen Leben als Vater, spricht über die Auswirkungen des Coronavirus auf seinen Sport, seine Ziele und ein prägendes Erlebnis.

SPORT1: Die wichtigste Frage, um die man aktuell nicht herumkommt: Wie geht es Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem neugeborenen Kind?

Philip Köster: Uns geht es eigentlich sehr gut. Es ist anstrengend und nachts schläft man ein bisschen weniger (lacht). Und klar ist es etwas langweilig, wenn man den ganzen Tag nur zu Hause ist. Aber man sollte zurzeit unbedingt drin bleiben. Das Wetter ist sehr schön, die Bedingungen zum Surfen wären auch super. Es ist schade, solche Bedingungen würde ich mir sonst nie entgehen lassen.

SPORT1: Dürfen Sie aktuell surfen gehen oder ist auch das verboten?

Köster: Nein, im Moment ist beinahe alles verboten. Man darf einkaufen, zur Apotheke oder ins Krankenhaus. Wenn man sich ansonsten ohne einen triftigen Grund draußen befindet, gibt es eine hohe Geldstrafe von etwa 800 Euro oder bei mehrfachen Verstößen ist eine mehrmonatige Gefängnisstrafe möglich. Das wird sehr strikt gehandhabt. Ich habe meine Eltern schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Sie wohnen etwa zehn Kilometer entfernt von mir.

Heim-Weltcup auf Gran Canaria steht auf der Kippe

SPORT1: Wie sieht Ihr Trainingsalltag momentan aus, wie versuchen Sie sich fit zu halten?

Köster: Am liebsten wäre ich natürlich draußen am Windsurfen, Wellenreiten oder auf dem Fahrrad. (lacht) Ich habe ein Indoor-Bike, das ich morgens benutze. Meistens mache ich Stretching und Training mit Gewichten. Ende der Woche bekomme ich ein Rudergerät. Da ich sonst immer draußen trainiere, besitze ich dafür kaum Material. Aber ich halte mein Gewicht, wiege mit 94 Kilo genauso viel wie vorher. (lacht)

SPORT1: Gab es schon Informationen von der PWA (Professional Windsurf Association (Windsurf-Weltverband), Anm. d. Red.), ob der erste Wave-Weltcup im Juli auf Gran Canaria normal stattfindet?

Köster: Noch gibt es dazu keine Informationen. Andere Events in der Disziplin Slalom wurden abgesagt. Ich denke, dass es sehr schlecht aussieht, da ich nicht weiß, ob die Sponsoren das Event unterstützen können. Ich würde die Tour dieses Jahr sehr gerne haben, aber das könnte schwierig werden. Zwar hatte der Weltcup auf Gran Canaria in den letzten Jahren gute Sponsoren, im Moment ist die Situation schon sehr kritisch. Die Events auf Sylt und Hawaii könnten noch stattfinden, aber auf den Kanaren ist es schwierig.

SPORT1: Ist möglicherweise die ganze Saison in Gefahr?

Köster: Aus meiner Sicht schon. Ein großes Problem könnte das Reisen darstellen. Ich weiß nicht, wie sicher es sein wird, ob jeder zu den Events kommen kann. Die meisten Hersteller von Windsurfmaterial sind in Thailand und China ansässig, das heißt, die Produktion verschiebt sich ebenfalls nach hinten. Es kommen schon viele Dinge zusammen, die für die PWA schieflaufen.

Rekord von Dunkerbeck ein Ziel von Philip Köster

SPORT1: Kommen wir nun zu sportlichen Themen: Letzte Saison haben Sie zum fünften Mal die WM im Waveriding gewonnen. Wie viele Weltmeistertitel möchten Sie noch gewinnen in Ihrer Karriere?

Köster: So viele, wie es geht. Björn Dunkerbeck hat sieben Wave-Titel, ich möchte schon ein paar mehr haben. (lacht)

SPORT1: Dieses Ziel ist ja nicht ganz unrealistisch …

Köster: Wer weiß, ich bin noch relativ jung. Ich bin gerade 26 geworden, aber man weiß nie. Ich werde es versuchen.

Philip Köster gewann 2011 seinen ersten WM-Titel im Windsurfen
Philip Köster gewann 2011 seinen ersten WM-Titel im Windsurfen © Getty Images

SPORT1: Kommt es für Sie in Frage, irgendwann auch mal die Disziplin zu wechseln, beispielsweise zum Freestyle?

Köster: Freestyle ist nicht unbedingt mein Ding. Wenn weniger Wellen sind, probiere ich das schon ein bisschen. Aber für Wettkämpfe bin ich schon ein bisschen zu alt. Das mache ich mehr zum Spaß. Aber das Slalom-Fahren würde ich gerne mal machen. Das ist auch möglich, wenn man ein bisschen älter ist. Dabei geht es mehr um Taktik. Das macht mir sehr viel Spaß, allerdings muss man sehr viel testen: Finnen, Segel, Boards. Alles muss sehr gut eingestellt sein, also das Feintuning muss stimmen. Bisher hat mir dafür die Zeit gefehlt, aber in Zukunft will ich das vermehrt angehen.

Köster wünscht sich mehr Weltcups

SPORT1: Die Anzahl der Weltcups der Waveriding-Tour variiert von Jahr zu Jahr, diese Saison sind es beispielsweise fünf Stationen, zwischenzeitlich waren es nur drei. Woran liegt das?

Köster: Das liegt an Sponsoren. Wenn die fehlen und das Event nicht unterstützen, ist es schwierig, einen Weltcup zu organisieren. Ich glaube auch, dass es an den besten Spots an Organisatoren fehlt, an Leuten, die motiviert sind, ein Event dorthin zu bringen. Auf Hawaii gibt es nun wieder einen Wettbewerb, davor gab es zehn oder 15 Jahre keinen. Das war sehr schade. Ich denke aber, dass in den nächsten Jahren mehr passieren wird, hoffentlich. Ich hätte gerne eine Tour, auf der man sieben bis acht Events hat. Dann hat man auch die Chance, ein schlechtes Event auszugleichen. Wenn einmal alles schiefläuft, hat man die Möglichkeit, ein Ergebnis zu streichen, aber das gibt es im Moment nicht.

SPORT1: Haben Sie inzwischen den Triple Forward Loop (Dreifacher Vorwärtssalto inklusive Segel und Board, Anm. d. Red.) schon mal gestanden?

Köster: Komplett rotiert ja, richtig gestanden würde ich jetzt nicht sagen. Ich sage das auch nicht zu laut, weil ich es nicht auf Video habe, dann glaubt das auch niemand. (lacht) Nach einem guten Versuch hat es auch ein paar Minuten gedauert, bis ich wieder aus dem Wasser gekommen bin, weil es so weh getan hat. Ich hoffe, dass ich ihn diesen Sommer wieder ausprobieren kann. Den Move zu stehen, ist seit langer Zeit ein Ziel von mir. Einige Jahre hatte ich keine Chance, ihn zu trainieren, weil entweder Wind oder Wellen nicht gepasst haben.

"Geringe Chancen" für Waveriding bei Olympia

SPORT1: Würden Sie die Aufnahme anderer Windsurf-Disziplinen – bislang wird nur RS:X (Form des Regatta-Wettfahrens, Anm. d. Red.) ausgetragen – ins Olympische Programm befürworten?

Köster: Es wäre natürlich toll, wenn man einen Waveriding-Wettkampf bei Olympia hätte. Im Moment sehe ich dafür aber geringe Chancen. Nun ist zum ersten Mal Wellenreiten dabei. Das ist auch eine coole Sache. RS:X ist allerdings nicht mein Ding. Einen Dreieckskurs zu fahren, ist für mich nicht attraktiv, zumal man bei wenig Wind fast nur am Pumpen ist.

Bei der olympischen Form des Windsurfens fahren alle Teilnehmer mit dem gleichen, stark genormten Material
Bei der olympischen Form des Windsurfens fahren alle Teilnehmer mit dem gleichen, stark genormten Material © Getty Images

SPORT1: Was war das einschneidendste Erlebnis in Ihrer Windsurf-Karriere?

Köster: Das war der erste Weltcup, den ich jemals gewonnen habe, mit 15 Jahren. Das war ein sehr tolles, unerwartetes Erlebnis. Es war eine sehr coole Sache, im Finale gegen Victor Fernandez zu surfen und dann auch noch zu gewinnen. Das hat mir auch die Motivation gegeben, weiter zu machen. Und ich konnte meinen Eltern sagen, dass ich die Schule ein bisschen beiseiteschieben und mehr surfen gehe. (lacht)