Lesedauer: 3 Minuten

Morro Jable - Die querschnittsgelähmte zweimalige Olympiasiegerin genießt den Aufenthalt in ihrer Sportfamilie. Im Gegenzug geht eine große Kraft von Kristina Vogel aus.

Anzeige

So recht wollte Kristina Vogel den Pokal gar nicht hergeben. Diese schwarz-rot-goldene Trophäe, die sie im so schicksalsträchtigen Jahr 2018 erhalten hatte. Als Beste unter Deutschlands Top-Athleten. Auch als große Wertschätzung der anderen Sportler.

Doch der Pokal wandert weiter, zum Ende der Woche wird eine neuer Sieger gekürt im Club der Besten der Sporthilfe auf Fuerteventura. Kristina Vogel steht nicht mehr zur Wahl, aber – und das ist ein anderer, persönlicher Triumph – sie ist dabei auf der Kanareninsel.

Anzeige

Selfie mit Symbolcharakter

Es war ein sehr emotionaler Moment auf der Bühne des Aldiana Clubs am späten Dienstagabend, als Vogel ein Gruppen-Selfie schoss. Sie, im Rollstuhl, im Vordergrund, all die anderen deutschen Spitzenathleten um sie versammelt. Ein symbolträchtiges Foto, Kristina Vogel zurück im Schoß der Sportfamilie.

"Häufig war mein zweiter Gedanke nach Erfolgen, dass ich wieder in den Club der Besten darf. Dass ich nun wieder hier bin, bedeutet mir sehr viel", sagte Vogel, die seit ihrem schweren Trainingsunfall am 26. Juni 2018 querschnittsgelähmt ist.

Meistgelesene Artikel

Diese Beschwörung des Zusammenhalts ist keine hohle Phrase, das merkt man deutlich in diesen Tagen auf Fuerteventura. Als am Mittag eine Pool-Challenge anstand, wurde die zweimalige Bahnrad-Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin von ihrem Lebensgefährten und weiteren Sportlern auf den "Tower" gezogen. Vogel, die durch den Spendenfonds #STAYSTRONGKRISTINA weiter von der Sporthilfe unterstützt wird, kann sich auf ihre Sportfamilie verlassen.

"...weil ich so bin wie ich bin"

Im Gegenzug, auch das ist zu spüren, geht von Kristina Vogel eine schier unglaubliche Kraft aus. "Ich will gar kein Vorbild sein. Aber ich bin es wohl für viele, weil ich so bin wie ich bin", sagt sie. Eine Kämpferin, die ihr Schicksal vom ersten Tag ihrer Verletzung angenommen hat. Eine Botschafterin, der sogar eine eigene Barbie-Puppe gewidmet wurde.

Ihre Energie fließt inzwischen in andere Dinge als den Leistungssport. In den Umgang mit ihrer Querschnittslähmung. In die alltägliche Bewältigung. Sie hält Vorträge. Sie sitzt inzwischen im Erfurter Stadtrat, ihre Schwerpunkte: Sicherheit, Sport und barrierefreie Inklusion. "Früher bestand mein Tag hauptsächlich aus Training", sagt sie: "Jetzt könnte er 30 Stunden haben."

Aufruf für Miriam Welte

Bei ihrem Wunsch auf Fuerteventura ging es nicht um sie, sondern um ihre langjährige Teamkollegin Miriam Welte, die am Montag überraschend ihren Rücktritt erklärt hatte. "Ich habe Miri noch nie Alkohol trinken sehen", sagte Vogel und ließ einen Aufruf an alle Athleten folgen: "Ich möchte, dass alle mit ihr anstoßen."