Doping-Affäre in Russland: WADA-Boss verteidigt Wiederaufnahme  , Craig Reedie ist Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA)
Craig Reedie ist Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) © Getty Images

Die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur sorgt weltweit für Kritik. WADA-Boss Craig Reedie nennt Gründe.

Craig Reedie, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hat die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA verteidigt. Den Entschluss hatte die Exekutive der Agentur in der vergangenen Woche nach einer Sitzung auf den Seychellen verkündet.

Man habe einen "langen Stillstand" überwinden wollen, schrieb Reedie in einem Offenen Brief für die Times, der darauf abzielte, "das Labormaterial zu sichern, das wir seit Langem benötigen, um die Schuld von mutmaßlichen Dopingtätern zu beweisen", meinte der 77-Jährige.

Reedie habe dem russischen Sportministerium zwei Definitionen der noch offenen Kriterien vorgeschlagen, "und am 13. September haben wir endlich eine Antwort erhalten", die sowohl eine Bestätigung des russischen Fehlverhaltens beinhaltete als auch einen Zeitrahmen für den Zugang zu den Dopingproben vorsah. "Die unabhängigen Experten haben dies als ausreichend eingestuft", schrieb der Schotte.

Bezüglich des russischen Fehlverhaltens hatte die WADA aber im Vorfeld Zugeständnisse gemacht. Offenbar mussten die Russen nicht mehr den McLaren-Report, sondern nur noch den weniger strikt formulierten IOC-Report des Schweizers Samuel Schmid akzeptieren.

Reedie zeigt Verständnis für Kritik 

Reedie äußerste Verständnis für die breite Kritik, die die Entscheidung der WADA ausgelöst hatte. Aber vor allem der neue Zeitrahmen für den Zugang zu den Dopingproben versetze die WADA "in eine viel stärkere Position als je zuvor", so Reedie. Für die laufenden Disziplinarverfahren sei es wichtig, die Daten rasch zu erhalten.

Auch die Vorwürfe, der WADA sei Geld wichtiger als der saubere Sport, seien falsch. Die Entscheidung habe allein darauf beruht, dass die RUSADA die Kriterien erfüllt habe. Ein nun regelmäßig überwachtes Anti-Doping-System in Russland sei der beste Weg, um einen sauberen Sport zu garantieren.

Reedie räumte aber auch ein, dass der Sport und dessen Platz in der Welt durch die Enthüllungen um den russischen Dopingskandal seit Dezember 2014 "vergiftet" worden seien. "Das Vertrauen der Öffentlichkeit ist verloren gegangen", meinte der Brite: "Eltern wurde ein weiterer Grund geliefert, ihre Kinder nicht zum Sport zu bringen."