Richard Schmidt steht zur Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres". Im Interview spricht Deutschlands bester Degenfechter über seine sportlichen und beruflichen Ziele.

Richard, Du hast zuletzt bei der Fecht-EM Bronze gewonnen, wie schon bei der WM letztes Jahr. Wie bewertest Du den aktuellen Erfolg?

Schmidt: Beim Fechten ist die EM nicht viel schwächer besetzt als die WM. Ich bin super zufrieden, dass ich meinen WM-Erfolg wiederholen konnte und bin froh, dass ich zeigen konnte, dass das bei der WM letztes Jahr keine Eintagsfliege war.

Besteht jetzt für Dich umgekehrt das Risiko, dass Dich ein vermeintlicher Underdog schlägt?

Schmidt: Bei der diesjährigen EM und der WM im letzten Jahr hatte ich noch den Vorteil, dass ich vielleicht unterschätzt worden bin. Das passiert mir jetzt nicht mehr. Andersrum kann man im Gefecht aber auch sehr schnell zeigen, wer der Chef ist. Wenn es gut läuft, haben die anderen jetzt Respekt. Diesen Vorteil muss ich versuchen zu nutzen.

Was hat sich für Dich seit der WM-Medaille geändert?

Schmidt: Ich bekomme mehr Förderung von der Sporthilfe, das erleichtert mir das Leben sehr. Ansonsten nicht viel. Klar werde ich jetzt in der Fechtwelt mehr wahrgenommen, aber auf der Straße erkennt mich natürlich trotzdem niemand. Es gibt mir einfach mehr Ruhe zum Arbeiten.

Sind die Olympischen Spiele 2020 schon Dein nächstes großes Ziel?

Schmidt: Der Fokus liegt ab 2019 ganz klar auf der Olympia-Quali. Die Olympia-Qualifikation ist bei uns besonders hart, da es keine nationale Norm gibt, sondern selbst als Neunter auf der Weltrangliste, der ich momentan bin, kann es sein, dass man sich nicht qualifiziert, weil wir ein System haben, dass man sich über Mannschaften qualifizieren muss und pro Kontinent dann nur einer nachrutscht. Aber durch die letzten Turniere fühle ich mich immer sicherer.

Richard Schmidt (l.) verlor im Halbfinale gegen Yannick Borel
Richard Schmidt im Halbfinale der Fecht-EM © Getty Images

Du studierst derzeit Jura, wie steht es mit Deinen beruflichen Zielen?

Schmidt: Ich möchte irgendwann Notar werden. Das ist ein sehr hochgestecktes Ziel, weil nur die allerbesten Notar werden können, aber wie beim Fechten bin ich da sehr ehrgeizig. Bis 2020 werde ich meinen Fokus mehr aufs Fechten legen und danach mein erstes Staatsexamen machen. Ich bin kein Mensch, der sich nur aufs Fechten oder nur aufs Studium konzentriert, ich brauche immer beides. Den ganzen Tag am Schreibtisch kann ich mir genauso wenig vorstellen wie in der Halle.

Im Studium brauchst Du vor allem Ausdauer und Disziplin. Hilft Dir der Sport dennoch, den studentischen Herausforderungen gerecht zu werden?

Schmidt: Der Sport lehrt einen extrem viel, vor allem Organisation. Sowohl beim Fechten als auch in der Uni und in der Kombination aus beidem muss man sich gut organisieren können, Disziplin und einen genauen Zeitplan haben. Im Sport gehören Einheiten, die einem nicht so gefallen, genauso dazu, wie das regelmäßige Lernen im Studium.

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Was sind für Dich als Leistungssportler die größten Hürden im Studium und wie meisterst Du sie?

Schmidt: Das sind ehrlicherweise die Prüfungstermine. Ich kriege es gut hin, zu lernen und gut vorbereitet zu sein, sodass ich Spitzennoten schreiben kann. Aber eine staatliche Klausur lässt sich ebenso wenig verschieben wie eine WM. Da ist Organisation extrem wichtig und man kann halt nicht einfach so in den Tag hinein leben.

Was bedeuten die Sporthilfe-Förderung und das Deutsche Bank Sport-Stipendium für Dich?

Schmidt: Das bedeutet mir sehr viel, weil ich meinen Sport und mein Studium sonst nicht so ausüben könnte, wie ich es jetzt mache. Durch das Deutsche Bank Sport-Stipendium und die Sporthilfe habe ich überhaupt erst die Möglichkeit, nur diese zwei Baustellen zu haben. Das Stipendium gibt mir die perfekten Rahmenbedingungen, dass ich mich voll auf diese beiden Sachen konzentrieren kann. Das ist ja so schon schwierig genug.

Mit der Auszeichnung zum Sport-Stipendiat des Jahres ehren Deutsche Sporthilfe und Deutsche Bank auch in diesem Jahr wieder einen Athleten, dem die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Art und Weise gelingt. Fünf Top-Sportlerinnen und -Sportler stehen bis zum 19. August 2018 online unter www.sportstipendiat.de zur Wahl:

Malte Jakschik, Weltmeister mit dem Deutschlandachter und Maschinenbaustudent
Clara Klug, zweifache Paralympics-Dritte im Biathlon und Studentin der Computerlinguistik
Thomas Röhler, Olympiasieger 2016 und WM-Vierter 2017 im Speerwurf und MBA-Student für Strategy, Management and Marketing
Anna Schaffelhuber, 7-fache paralympische Goldmedaillengewinnerin im Para Ski alpin und Lehramtsstudentin
Richard Schmidt, WM-Dritter im Fechten und Rechtswissenschaftsstudent

Unter allen Teilnehmern, die ihre Stimme für einen der Kandidaten abgeben, wird eine Reise für zwei Personen zum Sporthilfe Club der Besten im Aldiana Club Costa del Sol in Spanien verlost. (Die Deutsche Sporthilfe auf YouTube)