Malaika Mihambo setzte in der Qualifikation den weitesten Satz
Malaika Mihambo setzte in der Qualifikation den weitesten Satz © Getty Images
Lesedauer: 6 Minuten

Doha - Malaika Mihambo geht als Favoritin ins Weitsprung-Finale. Bei SPORT1 erklärt sie ihr Erfolgsgeheimnis und warum sie sich bei Olympia einen Doppelstart vorstellen kann.

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Mit einem einzigen Sprung hat sich Malaika Mihambo am Samstag souverän für das Finale im Weitsprung qualifiziert.

6,98 Meter standen auf der Anzeigetafel - es war der mit Abstand weiteste Satz der Qualifikation. Die 25 Jahre alte Europameisterin wird als große Favoritin ins Finale gehen - und macht überhaupt keinen Hehl daraus. (Leichtathletik-WM ab 18 Uhr im LIVETICKER

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Bei SPORT1 erklärt Mihambo den Grund für ihre Leistungsexplosion in dieser Saison, wen sie im Finale auf dem Zettel hat und warum sie sich bei den Olympischen Spielen in Tokio einen Doppelstart vorstellen kann.

SPORT1: Frau Mihambo, nach den 6,98 Meter gehen sie mit einem guten Gefühl ins Finale, oder?

Mailaika Mihambo: Definitiv. Ich weiß, dass ich noch Puffer zum Brett habe. Und wenn man dann sicher im Finale ist, kann man dann auch zum Brett hin alles ausreizen.

SPORT1: Haben Sie während der Qualifikation einen Blick auf ihre Konkurrentinnen werfen können?

Mihambo: Ja, die Nigerianerin (Ese Brume, 6,89 Meter, Anm. d. R.) war stark, aber bei ihren Leistungen in dieser Saison war das zu erwarten. Sie ist ja schon 7,05 Meter gesprungen. Sie ist eine sehr starke Konkurrentin. Aber im Finale werden die Karten eh neu gemischt, da kann dann jede nochmal aus der Ecke kommen.

SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort
SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1

SPORT1: Hätten sie vor der Saison gedacht, dass Sie so eine Saison hinlegen können? 

Mihambo: Ich habe mir im Vorhinein wenig Gedanken gemacht, wie die Saison ablaufen könnte. Ich habe es auf mich zukommen lassen. Wenn ich zurückblicke, bin ich sehr zufrieden und glücklich und auch ein Stück überrascht von der eigenen Konstanz, die ich an den Tag gelegt habe.  

Mihambo erklärt ihr Erfolgsgeheimnis

SPORT1: Wie kam es zu diesem Leistungssprung, vor allem in dieser Konstanz?  

Mihambo: Ich konnte durchtrainieren. Ich hatte keine größeren Verletzungen. 2016 und 2017 hatte ich zwei Jahre, in denen ich kaum trainieren konnte, oder nur sehr eingeschränkt. 2018 war das erste Jahr, wo ich wieder durchtrainieren konnte. Jetzt bin ich dabei, die Defizite, die ich aufgebaut hatte, abzubauen. Das ist ein wichtiger Faktor. Außerdem habe ich mich mental weiterentwickelt und eine neue Art von Wettkampfstärke gewonnen.  

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SPORT1: Man hat den Eindruck, dass jeder Sieg Ihr Selbstvertrauen wachsen lässt. Täuscht dieser Eindruck? 

Mihambo: Ich finde es interessant, über den Wettkampf selbst, sein Innenleben zu reflektieren. Ich habe in dieser Saison draußen zwar jeden Wettkampf gewonnen, aber nicht jeder war einfach. Von daher finde ich das einen spannenden Prozess und natürlich gibt einem das Selbstvertrauen zu gewinnen. Dann noch mit so viel Vorsprung. Das ist eine gute Vorbereitung auf den letzten und wichtigsten Wettkampf in dieser Saison. 

SPORT1: Wie schaffen Sie es, sich so zu fokussieren? Arbeiten Sie mit einem Psychologen zusammen? 

Mihambo: Ich habe einen Mentalcoach. Mit Mediation und anderem arbeite ich aber auch viel an mir selbst. Ich versuche, mich zu ergründen. Ich versuche, meine Schalter kennenzulernen. Wenn man das schafft, kann man auch im Wettkampf mehr rausholen.

"Ich bin gespannt, wie weit es noch gehen kann"

SPORT1: Wie sieht es innerhalb eines Wettkampfes aus, sind Sie dann im Tunnel? 

Mihambo: Auf gewisse Art und Weise ja. Bei einem normalen Wettkampf mache ich schon mein Ding. Ich kriege am Rande schon mit, wenn einer mal sehr weit springt, aber ich konzentriere mich eigentlich nur auf mich selbst. Trotzdem versuche ich das Pendeln zwischen Abschalten und Konzentration im Wettkampf zu haben. Ich setze mich auch einfach mal hin und lasse den Blick schweifen, damit ich mich sammeln kann. Man kann nicht über eineinhalb Stunden angespannt sein.  

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SPORT1: Mittlerweile sind sie bei 7,16 Metern angelangt. Man hat das Gefühl, dass da noch etwas drin ist. Was ist bei perfekten Bedingungen möglich? 

Mihambo: Wenn man sieht, dass ich in Brüssel vor dem Brett war, und trotzdem noch an die sieben Meter gesprungen bin, dann waren da zwischen 20 und 25 Zentimeter verschenkt. Die kann man schon mal draufrechnen. Von daher kann ich mir vorstellen, dass man noch mehr rausholen kann. Ich bin gespannt, wie weit es noch gehen kann, aber es muss auch alles stimmen. 

Favoritenrolle bei der WM in Doha? "Das ist ein Ansporn"

SPORT1: Die Favoritenrolle scheint keine große Last für Sie zu sein, oder? 

Mihambo: Nein, eigentlich nicht. Für mich ist es eher ein Ansporn, dem ich auch gerecht werden will. Von daher versuche ich, den Schwung mitzunehmen. Ich habe den Ehrgeiz, das Beste aus dem Wettbewerb rauszuholen. Das ist mein Anspruch.

SPORT1: Sie wurden nicht für die 100 Meter oder die Staffel nominiert. War das ihre eigene Entscheidung? 

Mihambo: Ja, das war meine Entscheidung. Das war natürlich alles mit dem Verband abgesprochen. In der Situation mit den Bedingungen, Klimaanlagen und dem Heiß-Kalt-Wechsel, sollte man die Gefahr einer Erkältung reduzieren. Es ist natürlich schade, aber man muss einfach schauen, dass man da mehr trainiert hat, wenn man über die 100 Meter antritt.  

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SPORT1: Ist das dann für Olympia ein Thema? 

Mihambo: Aufgrund der Zeitpläne wird ein Einzelstart über 100 Meter nicht möglich sein, da das parallel zum Weitsprung stattfindet. Ein Staffelstart ist aber auf jeden Fall möglich, oder auch ein Start über die 200m.

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SPORT1: Ist Siebenkampf auch mal was für Sie? 

Mihambo: Für mich ist das abgeschlossen, ich komme ja aus dem Siebenkampf. Es macht Spaß und ist anstrengend. Man muss für alle Disziplinen gut trainieren. Aber ich bleibe mal bei den Einzeldisziplinen, die auch sehr interessant sind.