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Doha - Konstanze Klosterhalfen gelang in Doha Historisches. SPORT1 unterhielt sich am Tag nach ihrem Bronze-Coup mit ihr über das Rennen und die Folgen des Salazar-Skandals.

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Mit einem beherzten Lauf über die 5000 Meter hat Konstanze Klosterhalfen bei der Leichtathletik-WM in Doha Geschichte geschrieben. Als erste deutsche Athletin gewann die 22-Jährige eine WM-Medaille über diese Strecke. 

SPORT1 sprach mit dem deutschen Ausnahmetalent am Tag nach dem Bronze-Coup über das Rennen und die Folgen des Salazar-Skandals. (Letzter Tag der Leichtathletik-WM ab 18 Uhr im LIVETICKER)

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SPORT1: Frau Klosterhalfen, konnten Sie nach so einem aufregenden Abend überhaupt schlafen?

Konstanze Klosterhalfen: Nein, ich habe nicht viel geschlafen, dazu war ich noch viel zu aufgeregt. Wir waren erst spät zurück im Hotel. Aber ich habe auch nicht viel Schlaf gebraucht. In den Tagen vor dem Rennen habe ich genug vorgeschlafen, weil ich mir alle Energie aufbewahren wollte.

Klosterhalfen: "Das sah schlimmer aus, als es ist"

SPORT1: Konnten Sie das Rennen schon etwas verarbeiten?

Klosterhalfen: Nein, ich glaube, dafür muss ich dann doch noch ein bisschen mehr schlafen (lacht). Es ist noch immer nicht ganz angekommen. Aber dafür habe ich ja die nächsten Tage Zeit, das alles zu realisieren.

SPORT1: Im Rennen haben Sie sich eine blutende Wunde am Knie zugezogen, weil eine Konkurrentin Sie mit ihren Spikes erwischt hat. Hat Sie das in irgendeiner Form beeinträchtigt?

Klosterhalfen: Ich glaube, das sah schlimmer aus, als es wirklich ist. Im Rennen nimmt man das sowieso nicht wahr, das ist man so fokussiert. Und ich habe auch keine Schäden davongetragen.

SPORT1: Von der Taktik her schien das Rennen wie maßgeschneidert für Sie, oder?

Klosterhalfen: Mir kam es schon entgegen, dass es nicht zu langsam war. Dann wurde es aber doch ein Spurtrennen hinten raus. Es wäre mir vielleicht noch mehr zugute gekommen, wenn es schon vorher richtig losgegangen wäre. Aber letztlich kann ich stolz sein, dass ich auch in so einem Rennen mitlaufen konnte.

SPORT1: Sind Sie erleichtert, dass es am Ende die Bronzemedaille wurde - und nicht wieder der undankbare Platz 4 wie bei der EM in Berlin?

WM-Medaille macht Klosterhalfen stolz

Klosterhalfen: Ich war schon froh, dass die Vierte noch ein Stückchen weg war. Dass ich jetzt eine Medaille habe, ist natürlich cool und darüber bin ich total glücklich.

SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort
SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1

SPORT1: Bei den letzten internationalen Wettkämpfen sind Sie schon mal zu früh losgestürmt. Mussten Sie sich bremsen, dass Sie nicht wieder zu früh angreifen? 

Klosterhalfen: Ja, das war meine Hauptaufgabe fürs Rennen, vor allem in den letzten drei Runden. Da habe ich immer wieder zu mir gesagt 'bleib ruhig'.

SPORT1: Hätte es sonst Ärger mit Ihrem Coach Pete Julian gegeben?

Klosterhalfen: Ja, denn ich hatte die klare Ansage, nicht wegzulaufen. Ich war aber auch überzeugt von dem Rennplan und wollte auf ihn hören. Es ist ja dann auch gut ausgegangen.

SPORT1: Freuen Sie sich schon auf die Siegerehrung?

Klosterhalfen: Auf jeden Fall! Es ist auch cool, dass es nicht nach dem Rennen, sondern am nächsten Tag ist. Ich bin dann zum ersten Mal als Zuschauerin im Stadion und werde mir auch die Wettkämpfe anschauen.

Gespräch mit DLV wegen Salazar geplant

SPORT1: Das hatten Sie an den ersten Tagen gar nicht gemacht, oder?

Klosterhalfen: Nein, ich habe mir nicht einmal den Livestream oder die Ergebnislisten angeschaut, weil ich mich komplett auf mein Rennen konzentrieren wollte. Deswegen ist es jetzt umso schöner, wenn man fertig ist und es genießen kann.

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SPORT1: Über allem schwebt noch die Dopingsperre von Alberto Salazar. Von Seiten des DLV wurde ein Gespräch nach der WM angesetzt. Ist schon klar, wann das stattfinden wird?

Klosterhalfen: Nein, dazu kann ich noch nichts sagen. Ich muss jetzt erst einmal regenerieren und ein bisschen runterkommen. Dann freue ich mich, in den Urlaub zu fahren. Und wenn dann hoffentlich alles geklärt ist, geht die Olympiavorbereitung schon wieder los.

"Weiß nicht, wie sich das entwickelt"

SPORT1: Nicht nur von Seiten der Medien, sondern auch von einigen Konkurrentinnen gab es Kritik an Ihrem Schritt, sich dem Nike Oregon Project anzuschließen - allen voran von Jenny Simpson. Was sagen Sie dazu?

Klosterhalfen: Natürlich ist so etwas nicht besonders schön zu hören, aber ich empfinde es fast wie ein Kompliment. Wir sind die beste Trainingsgruppe der Welt, klar dass dann immer negative Schlagzeilen kommen. Sollen sie machen, mich stärkt das nur.

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SPORT1: War es denn wirklich nicht schwer, sich voll auf das Rennen zu konzentrieren und die Nebengeräusche auszublenden?

Klosterhalfen: Nein, das hat mich wirklich gar nicht gestört. Ich habe mich nur auf mich konzentriert und ich weiß ja, dass es mich und meine Teamkollegen nicht betrifft. Für andere ist das ein größeres Thema als für uns.

SPORT1: Sind Sie sich denn zu hundert Prozent sicher, im nächsten Jahr noch im Nike Oregon Project zu trainieren?

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Klosterhalfen: Wir werden natürlich Gespräche führen, und ich weiß nicht, wie sich das hinsichtlich der Struktur weiterentwickelt. Aber ich werde in jedem Fall in diesem Team und Umfeld bleiben und freue mich schon sehr, wenn ich dann wieder zurückfliege.