Christoph Harting muss in Doha bereits in der Qualifikation die Segel streichen
Der gut gelaunte Riese mit dem © Getty Images
Lesedauer: 3 Minuten

Doha - Bei der Leichtathletik-WM ist für Christoph Harting bereits nach der Qualifikation Schluss. Der Rio-Olympiasieger will nun bis Tokio keine Interviews mehr geben.

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Freundlich lächelnd schritt Christoph Harting in die Interviewzone, wo bereits ein Pulk deutscher Journalisten auf ihn wartete.

Mit seinem struppigen roten Bart wirkte der 2,07-Meter-Hüne ein bisschen wie ein gutmütiger Riese aus einem alten Märchen.

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Christoph, jüngerer Bruder des im Vorjahr zurückgetretenen Robert Harting, stellte sich dann vor die Presseleute – nur um zu sagen, dass er nichts sagt.

Keine Interviews mehr bis Olympia

"Ich gebe bis zum Ende der Olympischen Spiele keine Interviews. Ich bedanke mich für ihr Verständnis", diktierte der Olympiasieger von Rio 2016 in die Mikrofone. Dann wünschte er noch einen schönen Feierabend. Immer noch mit einem Strahlen im Gesicht.

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Einer breiten Öffentlichkeit wurde Harting just bei den Spielen von Rio bekannt – weniger durch seine überraschende Goldmedaille, als vielmehr durch die Mätzchen, die er während der Siegerehrung veranstaltete.

Danach hatte er seinen Ruf als sonderlicher Hampelmann weg, was ihn jedoch nicht zu stören schien.

Weit hinter der Saisonbestleistung

Nun aber war er im Diskuswurf mit 63,08 Metern in der Qualifikation gescheitert und dabei knapp drei Meter unter seiner Saisonbestleistung (66,01) geblieben - was ihn offenbar jedoch genauso wenig juckte.

"Soweit ich es mitbekommen habe, ist ihm nach dem Einwerfen der Kreislauf abgesackt", gab sein Trainer Torsten Lönnfors im ZDF zumindest einen Erklärungsversuch ab "Wir wissen nicht, woher das kommt. Jetzt hatten wir es zum ungünstigsten Zeitpunkt."

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Lönnfors' Schützling hatte dagegen schon im Vorfeld klar kommuniziert, dass er die Titelkämpfe in Doha allenfalls als Durchgangsstation Richtung Olympia 2020 in Tokio betrachte.

Krach mit dem DLV im Vorfeld

Mehr noch: Es gab mächtig Knatsch zwischen ihm und dem deutschen Leichtathletik-Verband, weil der streitbare Harting in der Berliner Zeitung vor den Deutschen Meisterschaften von der "letzten Erpressungsmöglichkeit" des DLV gesprochen hatte.

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Weil der 29-Jährige alles der olympischen Titelverteidigung unterordnet, hätte er sich die nationalen Titelkämpfe gerne erspart - doch der Verband beharrte auf einen Start als Voraussetzung für die Olympia-Teilnahme.

SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort
SPORT1-Redakteur Johannes Fischer ist bei der Leichtathletik-WM in Doha vor Ort © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1

"Es gibt wenig Unbedeutenderes als einen deutschen Meistertitel", sagte er noch – danach verpasste er sich einen Maulkorb. Im Vorfeld der WM hatte es zumindest eine Aussprache zwischen ihm und dem DLV gegeben.

Klärendes Gespräch

"Wir haben uns intensiv mit ihm auseinandergesetzt, seine Reaktion auch im Zusammenhang mit dem bisherigen Saisonverlauf analysiert", hatte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska im SPORT1-Interview vor dem Wettkampf am Samstag erklärt.

Er habe die Kritikpunkte des Verbandes "absolut nachvollzogen", beschrieb Gonschinska das Treffen. Und, dass sich Harting "vollumfänglich" an die Vereinbarungen gehalten habe.

Die Details des Gesprächs blieben unter Verschluss - möglicherweise wurde ihm nahegelegt, seine harsche Kritik an den DLV keinesfalls mehr zu wiederholen. Da dürfte dem Verband Hartings selbst auferlegtes Redeverbot nicht unrecht gewesen sein.

Und so trottete der rotbärtige Riese aus der Interviewzone hinaus, immer noch mit der ins Gesicht geschriebenen guten Laune.