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München - Alica Schmidt ist bei den Fans nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistungen beliebt. Bei SPORT1 spricht sie über ihr Image als 400-m-Beauty, Olympia und Mats Hummels.

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Noch bevor sie auf der Tartanbahn mit Top-Leistungen von sich reden machte, stand Alica Schmidt schon im Rampenlicht.

Vor gut drei Jahren, zu Beginn ihrer Karriere, war sie von einem US-Portal zur "World's Sexiest Athlete" gekürt worden. Anschließend explodierte ihr Instagram-Account und sie hatte im Nu über eine Million Follower.

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Während die 22-Jährige die Bestzeit über ihre Paradestrecke 400 Meter mittlerweile unter 53 Sekunden drückte, verdiente sie sich nebenbei als Influencerin gutes Geld (Alle News zur Leichtathletik).

Vor einigen Wochen duellierte sich die gebürtige Ingolstädterin in einem 400-Meter-Lauf mit Mats Hummels und landete klar vor dem BVB-Star. Zudem absolvierte sie mit den Dortmunder Fußballprofis eine Fitness-Einheit.

Bei SPORT1 erklärt Schmidt, warum sie von Olympia in Tokio träumen darf, warum sie auf der Bahn nichts über ihr Aussehen hören will - und was sie an Hummels so schätzt.

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SPORT1: Frau Schmidt, trotz der wegen Corona abgespeckten Saison haben Sie über die 400 Meter eine neue Bestmarke gesetzt. Die Pandemie hat Sie - im Gegensatz zu anderen Athleten - offenbar nicht blockiert, oder? 

Alica Schmidt: Nein, ich war selbst überrascht, dass ich schon in diesem Jahr eine tiefe 52er Zeit gelaufen bin. Das war das Ziel, das ich mit meinem Trainer vereinbart hatte, aber es kam schneller als gedacht. Ich hatte natürlich das Glück, dass ich im Gegensatz zu Schwimmern oder Turnern während der ersten Phase des Lockdowns im Wald trainieren konnte und so kaum auf Trainingseinheiten verzichten musste. Außerdem hatten wir ja wenigstens eine Mini-Saison mit einer Deutschen Meisterschaft und ein paar Meetings, auch das hat für die Motivation gutgetan.

Alica Schmidt: "Ich hatte immer die Staffel im Blick"

SPORT1: Hätte Olympia wie geplant 2020 stattgefunden, hätten Sie wahrscheinlich die Spiele nur am TV verfolgen können. Dank Ihrer Leistungssteigerung ist Tokio 2021 aber auf einmal real. Kann man sagen, dass Sie in diesem Punkt von der Verschiebung profitiert haben? 

Schmidt: Mit meiner Zeit bei der DM hätte ich eigentlich eine gute Chance auf einen Olympia-Startplatz gehabt, aber das ist theoretisch. Profitiert habe ich erst, falls ich mich 2021 qualifizieren sollte (lacht). Aber im Ernst: Klar, die Leistungssteigerung in diesem Jahr gibt Selbstvertrauen für das nächste Jahr. Und weil ich gerade erst 22 geworden bin, habe ich natürlich eine ganz andere Situation als Sportler am Ende ihrer Karriere. Meine Einstellung ist sowieso: Man kann nur seine Haltung beeinflussen und nicht die Situation selbst, deshalb versuche ich natürlich die Verschiebung nur positiv zu sehen.

SPORT1: Wie groß würden Sie aktuell Ihre Olympiachancen im Einzel und mit der Staffel beschreiben?  

Schmidt: Einzel war nie auf meinem Plan. Ich hatte immer die Staffel im Blick und konzentriere mich dabei auf meine Zeit. Darüber möchte ich mich empfehlen. Die Entscheidung liegt dann am Ende beim DLV.

SPORT1: Wie sieht Ihr Zeitplan für die kommenden Monate aus? Gibt es eine Hallensaison für Sie - falls diese überhaupt stattfindet?

Schmidt: Stand jetzt ist, dass es eine kurze Hallensaison geben soll. Darüber bin ich sehr dankbar, dass Veranstalter und Gesundheitsbehörden sich in dieser Ausnahmesituation flexibel zeigen, denn Training ohne Ziel und ohne Wettkämpfe ist nicht das Gleiche.

Hummels? "Er ist einfach ein toller Sportler"

SPORT1: Für die absolute Weltspitze muss man die 400 Meter unter 50 Sekunden laufen. Können Sie sich vorstellen, solche Zeiten irgendwann einmal zu schaffen? 

Schmidt: Im Moment ist das noch in weiter Ferne. Ich habe jetzt mein Trainingspensum erhöht und muss erst einmal schauen, wie mein Körper darauf reagiert, deshalb bin ich auch sehr gespannt auf die Wettkämpfe. Mein Ziel für 2021 ist zunächst konstant eine tiefe 52er Zeit zu laufen, wenn das erreicht ist, kann ich den nächsten Schritt definieren.

SPORT1: Sie hatten kürzlich ein Video gepostet, indem Sie sich mit Mats Hummels über 400 Meter duellieren. Wie kam es dazu? 

Schmidt: Es war eigentlich ganz einfach: Idee gehabt, Mats gefragt und gelaufen. Ich finde es sehr souverän, dass Mats sich dem Duell gestellt hat. Er ist einfach ein sehr bodenständiger Typ. Mats hat schon gegen die Basketballer von Bayern München gespielt und gegen Sascha Zverev Tennis. Er fand die Idee gut und hat spontan mitgemacht. Seine Wettschuld hat er übrigens auch schon eingelöst. Er ist einfach ein toller Sportler, der die Leistungen von anderen Athleten anerkennt.

SPORT1: Hatten Sie Befürchtungen, dass Sie das Duell verlieren könnten? 

Schmidt: Ich war vor dem Duell schon nervös, denn ich konnte gar nicht einschätzen, wie er das angehen würde. Als ich lief, habe ich auch immer seine Schritte hinter mir gehört und dachte, er sei sehr nah dran.

SPORT1: Mats Hummels stöhnte nach dem Lauf, dass er solch einen Schmerz noch nie verspürt habe wie am Ende des Laufes. Gewöhnt man sich mit der Zeit daran, wenn einem das Laktat in den Körper schießt? 

Schmidt: Es ist eine Hassliebe, aber daran kann ich mich nur bedingt gewöhnen, es bleibt immer sehr anstrengend. Trotzdem liebe ich das harte Training und es macht mir unglaublich viel Spaß, mich immer wieder an meine Grenzen zu bringen. Das macht gerade den Reiz der 400 Meter aus. 

Schmidt: "Es gab Situationen, die ich unnötig fand"

SPORT1: Noch bevor Sie mit Ihren Leistungen auf der Bahn öffentlich Aufmerksamkeit erregten, wurden Sie wegen Ihres Aussehens bekannt. Ist da nicht ein Zwiespalt, weil man als Sportlerin ja nicht auf seine Schönheit reduziert werden will? 

Schmidt: Es gab Situationen, die ich unnötig fand. Beispielsweise wenn bei der Vorstellung eines Rennens nicht meine Bestzeit, sondern mein Instagram-Account Thema war. Auf der Bahn bin ich Sportlerin und alles andere sollte in diesem Moment unwichtig sein. Außerhalb der Bahn bin ich meinen Followern dankbar, denn Instagram ermöglicht es mir, meinen Sport auszuüben, ohne einen Nebenjob haben zu müssen. Von der Leichtathletik allein kann man schwer leben.

SPORT1: Vor allem dank Ihres Aussehens verdienen sie als Influencerin gutes Geld. Spürt man von der ein oder anderen Konkurrentin auch ein bisschen Neid?

Schmidt: Konkret kann ich keine einzige Situation sagen, in der ich Neid gespürt habe oder eine neidische Bemerkung. Ich bin froh, dass Instagram in meiner Trainingsgruppe kein Thema ist. Viele meiner Freundinnen machen sich nichts aus Social Media und das ist ein schöner Ausgleich.

SPORT1: Gerade in der Weihnachtszeit lockt die Versuchung in Form von Süßigkeiten. Müssen Sie sich hin und wieder zügeln oder ist das kein Problem? 

Schmidt: Eigentlich trainiere ich so viel, dass ich nicht auf mein Gewicht achten muss. Ich liebe die Plätzchen meiner Mama und genieße sie auch. Also, nein, kein Problem, es ist ja glücklicherweise nur einmal im Jahr Weihnachten (lacht).