Gesa Krause trainiert auch nach der Olympia-Verschiebung weiter in den USA
Gesa Krause trainiert auch nach der Olympia-Verschiebung weiter in den USA © dpa Picture-Alliance
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München - Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause spricht bei SPORT1 über die Olympia-Verschiebung - und warum sie trotz Wettkampfpause nicht die Füße hochlegen kann.

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Gesa Krause hatte in diesem Jahr ein klares Ziel vor Augen: die Olympischen Spiele in Tokio, Training, das Leben in den USA, Urlaub, Freizeit - quasi alles war darauf ausgerichtet.

Doch nun ist der Traum vorerst geplatzt für die Hindernis-Europameisterin aus dem hessischen Dillenburg. Die Verschiebung der Spiele trifft Krause hart, wie sie im SPORT1-Interview einräumt.

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Neben der Frage, wie es weitergeht, spricht die 27-Jährige auch über den Corona-Lockdown in den Vereinigten Staaten.

SPORT1: Frau Krause, wie geht es Ihnen nach der Olympia-Verschiebung?

Gesa Krause: Ich habe bereits am Tag zuvor die Info gehabt, da war es noch nicht offiziell. Aber wenn man dann wach wird und es schwarz auf weiß hat, ist es erst einmal ein großer Tiefschlag. Wenn man so lange für ein Ziel brennt, wäre es gelogen zu behaupten: Ich nehme das einfach so hin. Mit Sicherheit ist es aber auch die richtige Entscheidung.

SPORT1: Den meisten Athleten geht es wohl ähnlich ...

Krause: Ich war noch nie in meinem Leben ziellos, seit anderthalb Jahren arbeite ich akribisch diesem Ziel entgegen. Ich habe kaum Pausen gemacht, weil ich meine gute Form nutzen und weiter aufbauen wollte. Es kostet Kraft und Energie, sich vorzustellen, noch ein weiteres Jahr darauf hinarbeiten zu müssen. Gerade ist das für mich noch unvorstellbar. Das wird sich aber ändern, wenn wieder Normalität eintritt - ich bin da gar nicht so negativ eingestellt. Momentan ist es jedoch einfach schwierig, weil man noch nicht weiß, wie es weitergeht.

Krause: Werde auf keinen Fall aufhören

SPORT1: Glauben Sie, es könnten nächstes Jahr sogar Ihre letzten Spiele sein?

Krause: Nein, auf keinen Fall. Ich werde weitermachen. Allerdings hatte ich mir vorgenommen, im Herbst eine etwas längere Pause einzulegen, um durchzuatmen und das zu tun, was ich jahrelang aufgeschoben habe. Sich vorzustellen, dass es jetzt noch ein weiteres Jahr warten muss, fällt mir momentan schwer.

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SPORT1: Könnten Sie dafür nicht jetzt noch die Zeit nutzen?

Krause: Im Prinzip ist das nicht möglich. Ich kann weder irgendwo hinreisen, noch Freunde treffen. Weder in Deutschland, noch in einem anderen Land kann ich mich derzeit frei bewegen. Dazu kommen Verträge, die ich einhalten muss. Irgendwann in diesem Jahr werde ich Leistung bringen müssen. Dazu muss ich mich - wann auch immer das sein wird - in Wettkämpfen zeigen. Ich könnte mir ein, zwei Wochen Urlaub gönnen, aber selbst anderthalb Jahre vor Olympia sollte man nicht komplett aus dem Training rausgehen und nur Erhaltungstraining machen. Auch diese Woche kam ich wieder auf 180 Trainingskilometer. Das Training ist gerade das einzige, das mir Halt und Struktur gibt. Auch deshalb werde ich das weitermachen.

SPORT1: Sie bleiben also erst einmal in den USA?

Krause: Meine Unterkunft habe ich noch für drei weitere Wochen gebucht. Natürlich muss ich die Entwicklungen abwarten. In Deutschland hört man viele Horror-News über die Zustände in Amerika. Ich bin aber nicht in New York, sondern in einer relativ ländlichen Region. Dementsprechend glaube ich nicht, dass ich mich in einer Gefahrensituation befinde. Aber möglich ist es auf jeden Fall, nach Deutschland zu kommen.

SPORT1: Warten Sie mit der Trainingsplanung, bis die Spiele neu terminiert sind?

Krause:  Normalerweise beginnt der Trainingsaufbau für die Sommersaison im Oktober. Meist macht man einen Monat Pause, in dem man ein bisschen ruhiger tritt. Danach beginnt die Vorbereitung auf das nächste Jahr. Wann ich dieses Jahr die Möglichkeit habe, einen Wettkampf zu laufen, weiß ich noch nicht. Das aktuelle Training ist nicht unmittelbar ausschlaggebend für die Spiele im nächsten Jahr.

Finanzielle Verluste durch ausfallende Wettkämpfe

SPORT1: Müssen Sie bereits mit finanziellen Verlusten rechnen?

Krause: Auf jeden Fall, weil natürlich Wettkämpfe wegfallen. Es fehlen Antrittsgelder und Prämien. Wie das aufzufangen ist, muss man sehen. Vielleicht hat man Ende des Sommers noch Optionen, Wettkämpfe zu veranstalten. Es ist ja auch noch eine Europameisterschaft terminiert. Falls die dieses Jahr stattfindet, haben wir definitiv noch ein Highlight in diesem Sommer. Wichtig ist, gesund zu bleiben und aus den Tagen das Beste zu machen.

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SPORT1: Hätten Sie sich so eine Situation vorher jemals ausgemalt?

Krause: Nein. Ich habe mit meinem Trainer für alles einen Plan B. Wo sind alternative Trainingsstandorte, wo kann man bei schlechtem Wetter sonst noch trainieren? Welchen Wettkampf kann man anstatt eines anderen absolvieren? Aber dass die Olympischen Spiele ausfallen beziehungsweise um ein Jahr verschoben werden, daran hätte wohl niemand gedacht.