Angeführt von Usain Bolt blieb die Staffel Jamaikas bei den Olympischen Spielen 2012 als erste jemals unter 37 Sekunden
Angeführt von Usain Bolt blieb die Staffel Jamaikas bei den Olympischen Spielen 2012 als erste jemals unter 37 Sekunden © Getty Images
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Die 4x100m-Staffel ist das Rennen mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit der Leichtathletik. SPORT1 präsentiert den Weltrekord und weitere Informationen.

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Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von bis zu 39 Kilometern pro Stunde ist die 4x100-Meter-Staffel das schnellste Rennen der Leichtathletik.

Die Ursprünge des Wettbewerbs gehen zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als um 1880 oder 1890 die ersten Staffelläufe in den USA nach dem Vorbild von Wettbewerben von Feuerwehrleuten ausgetragen wurden. Anfangs wurden jeweils 300 Meter pro Läufer zurückgelegt, als Staffelstab diente damals noch ein Wimpel.

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Erstmals in Deutschland wurden Staffelläufe 1895/1896 über vier- und fünfmal 100 Meter veranstaltet, wobei bis 1922 noch auf den fliegenden Wechsel verzichtet wurde und die Übergabe durch Handschlag erfolgte.

Bereits bei Olympia 1908 in London wurde die Olympische Staffel ins Programm der Spiele aufgenommen, bei der zweimal 200 Meter sowie jeweils einmal 400 Meter und 800 Meter absolviert wurden. Die heute üblichen 4x100 und 4x400-Meter-Staffeln feierten schließlich vier Jahre später in Stockholm ihre Premiere.

Dort liefen im Finale lediglich drei Nationen mit, wobei nach der Disqualifikation Deutschlands keine Bronzemedaille vergeben wurde.

Die aktuellen Weltrekorde in der 4x100-Meter-Staffel

Frauen: 40,82 Sekunden, USA, aufgestellt am 10. August 2012 in London

Die Staffel der USA knackte bei den Olympischen Spielen 2012 in London den 27 Jahre alten Weltrekord der DDR
Die Staffel der USA knackte bei den Olympischen Spielen 2012 in London den 27 Jahre alten Weltrekord der DDR © Getty Images

Männer: 36,84 Sekunden, Jamaika, aufgestellt am 11. August 2012 in London

Meilensteine in der Entwicklung des Weltrekords

Den ersten offiziell von der IAAF (International Association of Athletics Federations) anerkannten Weltrekord stellte das deutsche Quartett Otto Röhr, Max Herrmann, Erwin Kern und Richard Rau im Jahr 1912 mit einer Zeit von 42,3 Sekunden auf und hatte bis zum Jahr 1920 Bestand. 

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Zwei Jahre später wurde der Weltrekord gleich dreimal an einem Tag verbessert und eingestellt. Zunächst gelang den Teams aus Großbritannien und der Niederlande eine Zeit von 42,0 Sekunden. Diese wurde im Finale von den USA noch einmal um eine ganze Sekunde verbessert.

Erster Lauf unter 41 Sekunden: Nachdem über die Jahre hinweg immer wieder Staffeln an der 41-Sekunden-Marke gekratzt hatten, gelang dies der deutschen Staffel mit Arthur Jonath, Richard Corts, Hubert Houben und Helmuth König schließlich am 2. September 1928 in Berlin. Vier Jahre später konnte erneut ein deutsches Quartett den Weltrekord um 0,2 Sekunden verbessern.

Erster Lauf unter 39 Sekunden: Im Jahr 1967 gelang es den USA erstmals, eine Zeit von unter 39 Sekunden (38,6) aufzustellen. Bemerkenswert ist dabei, dass der neue Weltrekord seinerzeit sogar in einem 4x-110-Yards-Lauf (402,34 Meter) erzielt wurde. In den darauffolgenden zehn Jahren wurde der Rekord mehrfach durch die Staffeln aus Jamaika und den USA weiter verbessert.

Erster Lauf unter 38 Sekunden: Die USA waren es schließlich auch, die am 10. August 1983 im finnischen Helsinki erstmalig unter 38 Sekunden (37,86) blieben. Lange Zeit schien es danach praktisch undenkbar, dass eines Tages auch die 37-Sekunden-Marke fallen würde.

Erster Lauf unter 37 Sekunden: Bis 2008 hatten die USA über 15 Jahre hinweg mit 37,40 Sekunden den Weltrekord inne, bis Jamaika um den damals aufstrebenden Usain Bolt diese Zeit um 0,3 Sekunden verbesserte. Drei Jahre später bei der WM in Südkorea kratzte die Karibik-Staffel in 37,04 Sekunden dann bereits ernsthaft an der Marke von 37 Sekunden, ehe es ein knappes Jahr später bei Olympia in London (36,84) schließlich soweit war.

Weltrekord-Entwicklung bei den Frauen: Der erste offiziell durch die Frauensportorganisation FSFI anerkannte Weltrekord datiert aus dem Jahr 1922 und wurde von den USA in einer Zeit von 52,8 Sekunden aufgestellt. Beim Weltcup in Canberra/Australien 1985 erzielte die Staffel der DDR mit Silke Gladisch, Sabine Günther, Ingrid Auerswald und Marlies Göhr in 41,37 Sekunden eine Rekordzeit, die erst knapp 27 Jahre später von den USA (40,82) gebrochen wurde.

Die Übergabe des Stabs

Seit 1922 wird in der 4x100-Meter-Staffel der "fliegende Wechsel" praktiziert. Dabei übergibt der Läufer den Staffelstab im Laufen an den bereits gestarteten Teamkollegen. 

In der Regel bewegt der übernehmende Athlet beim Anlaufen die Arme mit und streckt diese erst auf Zuruf des übergebenden Läufers, ca. zwei bis drei Meter vor der tatsächlichen Übergabe, nach hinten. Dabei wird der Arm mit abgespreiztem Daumen so gerade und parallel wie möglich zum Boden gestreckt und der Stab nur noch von oben in die Hand gelegt.

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Insgesamt gibt es drei verschiedene Übergabetechniken: 

Außenwechsel: Hierbei trägt der übergebende Läufer den Stab in der linken Hand. Er läuft rechts an den aufnehmenden Läufe heran und übergibt den Stab in dessen rechte (äußere) Hand.

Innenwechsel: Hierbei trägt der übergebende Läufer den Stab in der rechten Hand. Er läuft links an den aufnehmenden Läufer heran und übergibt den Stab in dessen linke (innere) Hand.

Frankfurter Wechsel: Die erstmals von einer Staffel von Eintracht Frankfurt praktizierte Technik ist eine Kombination zwischen Innen- und Außenwechsel und kommt vor allem in Sprintstaffeln zum Einsatz. In diesem Fall wird der Stab vom jeweiligen Läufer während seines Laufabschnitts nicht in die andere Hand gewechselt. Folglich sind der erste und dritte Wechsel ein Innenwechsel, der zweite hingegen ein Außenwechsel. 

Allgemein Wissenswertes zur 4x100-Meter-Staffel

  • Der erste Läufer startet im Tiefstart von Startblöcken, die Startlinien der einzelnen Bahnen sind zum Ausgleich der Kurvenlänge versetzt
  • Während des Laufs dürfen die Athleten ihre eigene Bahn nicht verlassen
  • Der Staffelstab ist 28 bis 30 Zentimeter lang, hat einen Umfang von 12 bis 13 Zentimetern und muss mindestens 50 Gramm schwer sein
  • Falls ein Läufer den Stab unterwegs verliert, darf nur er selbst ihn wieder aufheben. Dazu ist es ihm auch gestattet, die eigene Bahn zu verlassen. Er muss aber so auf seine Bahn zurückkehren, dass er seine Laufstrecke auf diese Weise nicht verkürzt
  • Die erzielten Durchschnittszeiten sind durch den "fliegenden Wechsel" erheblich schneller als im Einzelrennen
  • Der Wechselraum der Stabübergabe beginnt 20 Meter vor und 10 Meter hinter dem jeweiligen 100-Meter-Abschnitt
  • Der Start wird vom Schiedsrichter per Schuss ausgelöst, für die Zeitnahme an der Ziellinie ist der Rumpf des Athleten ausschlaggebend