Robert Harting ist Olympiasieger und dreifacher Weltmeister
Robert Harting ist Olympiasieger und dreifacher Weltmeister © Getty Images

Robert Harting steht vor einem radikalen Schnitt in seinem Leben. Aber auch nach seiner Karriere will sich der Diskus-Olympiasieger in die Gesellschaft einbringen.

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Für den Tag nach der großen Abschiedsfete hatte Robert Harting nur einen Punkt auf der To-do-Liste stehen: Ausnüchtern. Doch was folgt danach? In den nächsten Monaten? So ein neuer Lebensabschnitt bringt selbst einen hochdekorierten Spitzenathleten ins Grübeln. Und Harting wäre nicht Harting, wenn er alle anderen nicht daran teilhaben lassen würde.

"Ich bin gestern von zu Hause weggefahren und war etwas wehmütig, weil ich wusste: Wenn ich zurückkomme, bin ich kein Leistungssportler mehr", berichtete der Diskus-Riese nach seinem letzten Wurf und Platz zwei beim ISTAF am Sonntag im Berliner Olympiastadion. Nun habe er ein mulmiges Gefühl: "Mal gucken, wie das wird, wenn ich nach Hause komme und die Tür hinter mir zumache."

Harting gab auch zu, dass ihn die vielen Jahre als Leistungssportler mit außergewöhnlichen Erfolgen (Olympiasieger, dreimaliger Weltmeister, zweimaliger Europameister) geprägt hätten. Einiges davon wolle er in sein neues Leben mitnehmen. "Ein bisschen Fleiß und Härte. Und psychische Energie, auch mal länger durchzuhalten", sagte Harting der ARD.

Neues Leben für Harting

Zunächst warten aber gravierende Veränderungen auf den 2,01-Meter-Hünen. Kein tägliches Training mehr, kein Kampf gegen die Schmerzen mehr, die Welt von Harting wird sich radikal ändern. Viele Dinge, die lange nebenher liefen, sollen in den Mittelpunkt rücken. Der 33-Jährige will sein Studium für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin beenden und im Anschluss einen Job beginnen.

"Ich mag Projekte, die die Gesellschaft verändern. Ich würde gerne Produkte entwickeln, die unser Leben verbessern", verriet der scheidende Diskus-Star der BZ. Einen Job als Trainer schloss er kategorisch aus: "Für einen Trainer bin ich zu ungeduldig. Dazu werden die leider abartig schlecht bezahlt", erklärte der streitbare Athlet.

Comeback kommt nicht infrage

Definitiv ausschließen wollte Harting auch ein mögliches Comeback als Aktiver. "Das kommt nicht infrage", betonte der gebürtige Cottbuser in den Tagen um seine große Abschiedsparty immer wieder. Den Sport behalte er aber natürlich weiterhin im Auge. "Meine Frau wirft ja noch, mein Bruder ist auch dabei und die Jungs, die sind jetzt auch nicht weg. Ich gucke natürlich zu", sagte Harting.

Richtig glücklich war Harting am Ende, dass er bei seiner Abschiedsparty vor 45.500 Zuschauern in seinem Wohnzimmer noch einmal richtig einen raushauen konnte. Mit 64,96 gelang ihm ein achtbarer Wurf, nachdem er in den letzten Jahren immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde.

"Es war die ganze Zeit super, ich hatte immer gute Laune, wenn ich zum Bus rübergeschaut habe", verriet Harting. Vom Doppeldeckerbus aus verfolgten Freunde und Bekannte den letzten Wettkampf. Die Harting-Gemeinde wurde extra bis an den Diskusring chauffiert, um alles aus nächster Nähe zu verfolgen. Anschließend ging es dann noch zur Feier in die Berliner Nacht, schließlich stand am Montag nur Ausnüchterung auf dem Programm.