Berlin - Gina Lückenkemper ist das neue Gesicht der deutschen Leichtathletik. Vor dem Staffel-Finale erklären Kollegin Lisa Mayer und DLV-Chef Idriss Gonschinska bei SPORT1 den Hype.

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Seit sie am vergangenen Dienstagabend die 100 Meter auf die blaue Tartanbahn in Berlin trommelte, hat sich im Leben der Gina Lückenkemper einiges verändert.

Der Auftritt beim 100-Meter-Finale, vor allem aber ihre Show nach dem Rennen, haben zu einem echten Hype um die 21-jährige Sprinterin geführt.

Zwar war sie schon vorher vielen deutschen Sportfans bekannt - nun aber nutzte sie die große Bühne einer Heim-EM und greift mit der 4x100-Meter-Staffel (ab 19.20 Uhr im LIVETICKER) nach dem Titel.

Die Kombination aus sportlichem Erfolg, jugendlicher Unverkrampftheit und fast schon vulkanartigem Temperament hat aus der 1,70 großen Leichtathletin in Windeseile einen echten Medienstar gemacht.

"Gina ist eine Persönlichkeit, die hat Charakter. Sie sticht aus der Menge heraus. Solche Leute braucht unsere Sportart", freut sich Lisa Mayer im Gespräch mit SPORT1.

Die 22-jährige gehört ebenfalls zu den aufstrebenden Frauen im DLV und wäre mit Lückenkemper in der Staffel um Gold gelaufen -  wegen einer Oberschenkelverletzung kann sie aber nicht an den Wettkämpfen teilnehmen.

Legitime Nachfolgerin von Harting

"Eine Sportart braucht immer Gesichter. Wenn man so ein junges Gesicht hat, das vielleicht auch eine etwas jüngere Zielgruppe anspricht, kann das nur von Vorteil für alle sein", meint Mayer.

Dass bei ihrer Sprintkollegin nichts gespielt ist, kann Mayer nur bestätigen. "So wie sie in der Öffentlichkeit ist, erlebe ich sie auch im Trainingslager. Sie ist dieser offene, witzige und fröhliche Typ und verstellt sich nicht."

Genau diese Attribute vereinigte sie an besagtem Dienstag und wuselte sich damit in die Herzen eines Millionenpublikums. Nach dem Gewinn der Silbermedaille hatte sie vor der Kamera erst Freudentränen vergossen, um im nächsten Augenblick förmilch zu eskalieren.

Als sie dann mit sensationeller Ruhrpott-Schnoddrigkeit ihre Gefühlswelt in die Mikrofone jubilierte, wurde auch dem Letzten klar: Hier zeigt sich nach dem Abgang von Diskusheld Robert Harting gerade das neue Gesicht der deutschen Leichtathletik.

"Gina hat zwar schon einmal gesagt, dass es für sie als potenzielle Nachfolgerin von Harting noch ein bisschen zu früh ist. Aber ich kann es schon verstehen, dass da so ein Hype entstanden ist", urteilt Mayer.

Gonschinska: "Man braucht Verrücktheit"

Der Rummel ist für den Deutschen Leichtathletik-Verband ein wahrer Segen - das weiß natürlich auch der Leitender Direktor Idriss Gonschinska.

"Gina hat hohe Ziele definiert, ist damit offensiv nach Außen gegangen und hat dann performed, als es darauf ankam", unterstreicht Gonschinska bei SPORT1.

© Instagram/ginalueckenkemper

Für den DLV-Chef ist Lückenkempers Mix aus schnellen Beinen, großer Klappe und sportlichem Erfolg genau das Rezept, um die etwas angestaubte Sportart wieder auf Hochglanz zu bringen. "Das ist schon sehr gut für die Leichtathletik, weil sie noch sehr jung und dennoch schon ein Zugpferd ist."

Unter den vielem jungen Athleten sei Lückenkemper noch mal 'very special'", sagt Gonschinska: "Das braucht man aber, um wirklich erfolgreich zu sein. Die Athleten, die nicht Normen und Muster brechen, die setzen sich häufig dann doch nicht durch. Es braucht besondere Charaktere - auch die Verrücktheit - um international erfolgreich zu sein."

Jetzt soll Staffel-Gold her

Und tatsächlich: Der Hype um die blonde Sprinterin hat die Social-Kanäle der gebürtigen Hammerin innerhalb vier Tagen zum Glühen gebracht. So schnellten ihre Follower-Zahlen bei Instagram von 85.000 auf 108.00 nach oben.

© Instagram/ginalueckenkemper

"Dass ihre Social-Kanäle explodiert sind, kann ich mir gut vorstellen. Sie war ja in allen Medien präsent", sagt Kollegin Mayer.

Nun also macht sich Lückenkemper mit der Silbermedaille in der Tasche am Sonntagabend auf, sogar noch einen draufzusetzen: Im vorletzten Wettbewerb von Berlin könnte Deutschlands neuer Leichtathletik-Liebling mit der Staffel sogar um Gold kämpfen.

"Die Mädels haben nach meinem Silber mit mir eine Runde im Stadion geweint, die sind bereit für Sonntag", sagt der selbst ernannte kleine Hulk mit der großen Klappe. "Da werden wir noch einmal ordentlich die Bahn rocken."