Fabian Heinle sprang am Mittwoch bei der Leichtathletik-EM zu einer Medaille
Fabian Heinle sprang am Mittwoch bei der Leichtathletik-EM zu einer Medaille © Getty Images

Berlin - Fabian Heinle gelingt im Weitsprung ein Coup. Doch der Wettbewerb versinkt im Chaos. Bundestrainer Florczak erklärt die fehlerhaften Messungen.

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Der dritte Abend der Leichtathletik-EM 2018 im Berliner Olympiastadion ist in Teilen zur Farce geworden.

Besonders der Weitsprung-Wettbewerb, in dem der Deutsche Fabian Heinle Silber gewann, versank im Chaos - denn es gab mehrere Verwirrungen um die Weitenmessung.

Heinle ließ sich nach einem chaotischen Wettkampf und einem Satz auf 8,13 m mit der deutschen Fahne feiern, wusste aber zunächst noch nicht genau, welche Farbe seine Medaille hat. Denn das offizielle Ergebnis stand erst etwa eine Stunde später fest (SERVICE: Medaillenspiegel).

Deutsches Team legt Protest ein

Trotz des zweiten Platzes hatte das deutsche Team offiziell Protest wegen der Weitenmessung im vierten Versuch eingelegt. Heinle war deutlich über die angezeigten 7,77 Meter gekommen. 

"Ich bin gesprungen und habe gedacht: 7,77m? Das kann nicht sein. Mein Trainer hat gemeint, ich soll Protest einlegen, weil der Sprung weiter war", sagte Heinle zu SPORT1.

Dem Protest wurde zwar stattgegeben, an Heinles Silber änderte dies aber nichts. Denn die Jury entschied, dass der Sprung weniger weit als die 8,25 m des griechischen Siegers Miltiadis Tentoglou war. Auf der offiziellen Seite der EM wird der Sprung inzwischen mit 8,02 Metern gewertet.

Auch bei anderen Sprüngen hatte es im Finale lange Diskussionen zwischen den Athleten und den Kampfrichtern gegeben. Der Schwede Thobias Nilsson Montler schien in seinem letzten Versuch weiter gewesen zu sein als 8,02 Meter und legte deswegen ebenfalls Protest ein. Laut des endgültigen Resultats wurde die Weite auf 8,10 Meter korrigiert, was eine Verbesserung auf Platz vier bedeutete. (SERVICE: Der Zeitplan).

Bundestrainer Florczak klärt auf

Uwe Florczak, Leitender Bundestrainer für den Bereich Sprung, hat nach dem Chaos bei der Weitenmessung die Rückkehr zu längst ausgemusterten Methoden ins Spiel gebracht.

"Ganz ehrlich, ein einfaches Bandmaß wäre mir lieber", sagte er der Tageszeitung Die Welt: "Aber zumindest das Stecken des Abdrucks wie beim Speerwurf oder Diskus wäre schon ein Fortschritt."

Florczak erklärte zudem, wie es zu den fehlerhaften Messungen kommen konnte. "Es wurden in einigen Fällen einfach Schatten gemessen und nicht der wirkliche Abdruck. Da spricht man von klassischem menschlichen Versagen", sagte Florczak.

Dass es im Finale so viele Probleme gegeben hatte, sei "fatal" und "ein unsäglicher Zustand", ergänzte Florczak: "Wir sind ohnehin misstrauisch. Schon zuletzt bei den Meetings in Zürich und London gab es bei der Messung Ungereimtheiten."

Heinle festigt Medaille mit letztem Sprung

"Ich kann mich noch nicht so wirklich freuen, weil ich noch nicht wirklich weiß, welcher Platz es ist", hatte Heinle nach dem Wettkampf zu SPORT1 gesagt: "Aber es ist auf jeden Fall eine Medaille. Die habe ich mit meinem letzten Versuch gerettet."

Denn Bronzemedaillengewinner Sergej Nikiforow (Ukraine) sprang wie Heinle ebenfalls 8,13 m, hatte allerdings einen schlechteren zweiten Versuch als der deutsche Konkurrent, der seinen 8,13m aus dem zweiten Versuch im letzten Durchgang einen identischen Satz folgen ließ. Letztmals hatte 2012 ein deutscher Weitspringer eine EM-Medaille gewonnen, Sebastian Bayer holte damals Gold.

"Ich bin sehr zufrieden. Ich hätte es mir nie erträumen lassen, dass ich in Berlin eine Medaille hole", meinte Heinle. Titelverteidiger Greg Rutherford war allerdings nicht am Start. Der Brite will sich demnächst vom Leistungssport zurückziehen. Und Ex-Weltmeister Alexander Menkow hatte im Zuge der Suspendierung des russischen Verbandes kein Startrecht erhalten.

Es sei laut Heinle nicht das erste Mal gewesen, dass er einen chaotischen Wettkampf erlebt habe. Bei der digitalen Weitenmessung müsse man "echt aufpassen, wenn man aus der Grube rausgeht, dass man schaut, wie weit er war."

Auch Probleme bei weiteren Wettbewerben

Auch beim Diskuswerfen und beim Zehnkampf gab es Verwirrung. So hatte Schweden-Star Daniel Stahl im zweiten Versuch einen weiten Wurf hingelegt, der zunächst auch gewertet wurde. Doch wenige Minuten später wurde der Versuch als ungültig erkannt. Stahl gewann schließlich Silber.

Und nachdem der neue Zehnkampf-König Arthur Abele ins Ziel gekommen war, wurden laut ARD zunächst falsche Punktzahlen eingeblendet.

Verwirrungen gab es auch bei der Deutschen Alina Reh über 10.000 Meter. Die 21-Jährige war zunächst auf Rang fünf vermeldet worden, nach einer Korrektur wurde sie Vierte.