Ein Aussteiger hat nun über Doping-Kontrollen ausgepackt
Die IAAF verschärft die Anti-Doping-Regeln © imago

Der Leichtathletik-Weltverband verschärft die Anti-Doping-Regeln und nimmt die nationalen Verbände in die Pflicht. Die Nationenwechsel sollen erschwert werden.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat seine Anti-Doping-Regeln deutlich verschärft. Demnach müssen Verbände aus "Hochrisiko-Ländern" sicherstellen, dass ihre Athleten in den zehn Monaten vor Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen mindestens dreimal außerhalb von Wettkämpfen getestet wurden.

Sollten Sportler diese Tests nicht vorweisen können, seien sie bei dem Großereignis nicht startberechtigt, teilte die IAAF mit. Die unabhängige Integritätskommission (AIU) des Weltverbandes hatte die Neuregelungen vorgeschlagen.

Ab dem kommenden Jahr werden die nationalen Verbände auf Grundlage des sportlichen Erfolgs und des Dopingrisikos in drei Klassen eingeordnet. Für die Athleten aus Ländern in der Kategorie A werden die verpflichtenden Trainingskontrollen eingeführt. Sicher Bestandteil dieser Klasse mit dem vermeintlich höchsten Dopingrisiko werden Kenia, Äthiopien, Weißrussland und die Ukraine sein.

Diese vier Nationen stehen derzeit auf der Beobachtungsliste der IAAF. Verbände der Kategorie A und B müssen der IAAF zudem die Testpläne ihrer Leichtathleten vor den Großereignissen zur Verfügung stellen.

Verbände in der Pflicht 

Mit den neuen Regeln sollen die einzelnen Verbände im Kampf gegen Doping stärker in die Pflicht genommen werden. So müssen Verbände zudem zukünftig eine Prüfung des Betreuerstabs von Athleten gewährleisten und Aufzeichnungen von medizinischen Behandlungen der Sportler bereithalten. Auch darf die AIU künftig Untersuchungen gegen Mitgliedsverbände direkt durchführen.

"Viel zu lange fielen die strikten Anforderungen der Anti-Doping-Regeln zumeist nur auf die Athleten zurück", sagte der AIU-Vorsitzende David Howman.

Bereits in der vergangenen Woche hatten IAAF und AIU eine Transparenz-Offensive gestartet und Einzelheiten in mehr als 100 derzeit laufenden Dopingverfahren veröffentlicht. Bisher wurden lediglich abgeschlossene Fälle veröffentlicht, nun sollen transparent alle Schritte der jeweiligen Disziplinarverfahren nachvollziehbar sein.

Nationenwechsel werden erschwert 

Zudem beschloss die IAAF neue Regeln beim umstrittenen Nationenwechsel. Athleten werden vor ihrem Start für ein anderes Land zukünftig mindestens drei Jahre international gesperrt, zudem prüft vorher ein Gremium die "Glaubwürdigkeit" des Antrags. Die IAAF hatte im Februar 2017 nach Protesten von Sportlern und Funktionären die Nationenwechsel eingeschränkt.

Bereits am Freitag hatte die IAAF die Sperre des russischen Verbandes RUSAF aufrechterhalten. Damit können bei der EM in Berlin (6. bis 12. August) nur die russischen Athleten unter neutraler Flagge starten, die nachweisen können, nicht Teil des russischen Dopingsystems zu sein beziehungsweise gewesen zu sein.

Zwar seien Fortschritte erkennbar, für eine Wiederaufnahme müssten allerdings noch drei Forderungen erfüllt werden, heißt es in der Begründung. Der russische Verband müsse die Kosten tragen, die die IAAF bei der Untersuchung zu stemmen habe. Zudem sei es zwingend notwendig, dass die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wieder von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) aufgenommen werde. Darüber hinaus müssten die russischen Behörden die Dopingtests der Jahre 2011 bis 2015 zugänglich machen.