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ATHLETICS-JAM-RACERS-GRAND-PRIX-BOLT © Getty Images
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Usain Bolt enttäuscht bei seinem Jahres-Debüt in Europa. In Ostrau braucht der Superstar über die 100 Meter sogar länger als bei einem Jux-Rennen. Thomas Röhler siegt.

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Sprint-Superstar Usain Bolt (Jamaika) hat seine Abschiedstournee durch Europa nur mit einer mäßigen Leistung eingeläutet.

Beim Meeting im tschechischen Ostrau blieb der achtmalige Olympiasieger in 10,06 Sekunden hinter den Erwartungen zurück. Gut fünf Wochen vor dem Ende seiner Karriere bei der WM in London (4. bis 13. August) schürte der 30-Jährige damit Zweifel an seiner Form und an einem gebührenden Abgang von den Tartanbahnen der Welt.

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Bolt schwankte nach seinem Erfolg vor dem Kubaner Yunier Perez (10,09 Sekunden) und seinem für die Türkei startenden Landsmann Jak Ali Harvey (10,26) zwischen Unzufriedenheit und Zuversicht. "Mit der Zeit bin ich nicht glücklich, aber ich komme langsam rein", sagte der schnellste Mann der Welt.

Abstand zur Spitze bedenklich

Bolts Kommentar bestand zu großen Teilen sicherlich auch aus Zweckoptimismus. Denn bei seinem neunten Start in der Industriemetropole an der Oder war der elfmalige Weltmeister noch drei Hundertstelsekunden langsamer als zur Monatsmitte beim Abschied von seinen heimischen Fans in Kingston (10,03).

Andererseits ist eine solche Situation für Bolt, der das Ergebnis von Kingston im Vorfeld des Meetings in Ostrau nicht zuletzt wegen der Feier-Atmosphäre bei seinem Heimspiel als eine Art "Betriebsunfall" bezeichnet hatte, nichts Neues: Schon mehrfach schien der Topsprinter der vergangenen zehn Jahre vor Saisonhöhepunkten außer Form, ehe Bolt bei WM-Rennen oder bei Olympia doch über sämtliche Konkurrenten triumphierte.

Momentan allerdings ist sein Abstand zur Spitze jedoch beachtlich: Zur Weltjahresbestzeit des US-Amerikaners Christian Coleman (9,82) fehlten Bolt in Tschechien gleich 24 Hundertstel.

Röhler und Dutkiewicz siegen

Anders als Bolt holten sich in Ostrau aus dem deutschen Lager Speer-Olympiasieger Thomas Röhler (Jena) und die Hallen-EM-Dritte Pamela Dutkiewicz (Wattenscheid) im Hürdensprint Rückenwind für die WM. Röhler setzte sich bei einem Doppelsieg für die deutschen Speerwerfer mit 91,53 m vor dem Offenburger Johannes Vetter (87,88 m) durch. Dutkiewicz siegte im 100-m-Hürden-Rennen in 12,72 Sekunden souverän vor der Südafrikanerin Rikenette Steenkamp (12,99).

International unterstrichen in Ostrau mehrere WM-Titelanwärter schon eine ansprechende Verfassung. 400-m-Olympiasieger Wayde Van Niekerk (Südafrika), der in London auch über 200 m starten will, stellte eine Weltbestzeit auf der selten gelaufenen 300-m-Distanz auf. Der 24-Jährige verbesserte in 30,81 Sekunden die über 17 Jahre alte Bestzeit des US-Amkerikaners Michael Johnson um vier Hundertstel. Im 5000-m-Rennen wurde auch der britische Olympiasieger Mo Farah in der Siegerzeit von 27:12,09 Minuten seiner Favoritenstellung gerecht.

Einen Dämpfer musste der kenianische 800-m-Olympiasieger David Rudisha über 1000 m verkraften: In 2:19,43 Minuten blieb dem Afrikaner beim Sieg seines Landsmannes Nicholas Kiplangat Kipkoech (2:18,51) nur Rang vier.