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München - WWE-Legende Hulk Hogan erntet bei WrestleMania 37 laute Negativreaktionen. Dabei hatte sein Auftritt eigentlich der Image-Korrektur dienen sollen.

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In den Achtziger war er der Mann, um den WrestleMania aufgebaut war. Auch sein spätes Comeback gegen Dwayne "The Rock" Johnson wurde 2002 laut bejubelt. Doch diesen Auftritt hatte Hulk Hogan sich gewiss anders vorgestellt.

Bei WrestleMania 37 war das einstige Aushängeschild der früheren WWF an beiden Abenden als Moderator der Megashow im Einsatz - bei vielen Fans gab es diesmal aber offensichtlich keine Wiedersehensfreude: Der 67-Jährige wurde von einem großen Teil der Zuschauer im Super-Bowl-Stadion von Tampa laut ausgebuht.

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Es scheint, als ob der Rassismus-Skandal, der 2015 enthüllt worden war, ihm weiterhin nachhängt. Dabei hatte WWE den jetzigen Auftritt eigentlich recht offensichtlich als versöhnliches Signal geplant - nicht zuletzt dadurch, dass sie ihm den afroamerikanischen Wrestler Titus O'Neil zur Seite gestellt hatte, der Hogan vor drei Jahren noch scharf kritisiert hatte.

Das gemeinsame Erscheinen von O'Neil und Hogan ging jedoch nach hinten los, weil es die Fan-Reaktionen durch den Kontrast nur noch deutlicher machte: O'Neil, aus Tampa stammender Lokalmatador und auch wegen seines nimmermüden Einsatzes für wohltätige Zwecke vor Ort sehr beliebt, wurde bei den Dialogen mit Hogan bejubelt. Bei jedem Wort Hogans - selbst auch in Tampa aufgewachsen - wandte sich ein lautstarker Teil des Publikums gegen ihn.

Ist der Fiend-Charakter nach WrestleMania zerstört? Heelturn - der SPORT1 Wrestling Podcast: Die aktuelle Folge auf SPORT1, SpotifyApple PodcastsDeezer – und überall wo es Podcasts gibt!

Hulk Hogan erntet auch in Medien Kritik

Nicht nur bei den Fans vor Ort gab es wegen Hogans Auftritt Kritik: Im Daily Beast etwa erschien ein kritischer Artikel, Autor David Bixenspan wirft Hogan darin "Vernebelungen und eindeutige Lügen" bei der Aufarbeitung seiner Rassismus-Affäre vor.

Als Beispiel angeführt wurde unter anderem seine Behauptung, dass er das N-Wort auch deshalb gedankenlos benutzt hätte, weil es in seiner Nachbarschaft üblich und nicht böse gemeint gewesen sei ("Als ich in South Tampa aufgewachsen bin, in einer wirklich harten, sehr prekären Gegend, haben all meine Freunde sich mit diesem Wort gegrüßt").

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Auch in den sozialen Medien gab es viele Negativ-Reaktionen, teilweise bestärkt von WWE-Wrestlern: MVP, der als Manager von WWE-Champion Bobby Lashley auftritt (und Hogan auch selbst schon mehrfach kritisiert hatte), drückte bei mehreren Tweets, in denen Hogan als Rassist bezeichnet wurde, auf den Like-Button. Selbst Co-Moderator O'Neil sorgte für Verwunderung mit einer Like-Markierung für einen Tweet, der kritisierte, dass Hogans rassistische Kommentare als "Fehler" verharmlost würden.

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Titus O'Neil kritisierte Hogan 2018 noch

Hogan war 2015 von WWE gefeuert worden, nachdem ein heimlich aufgenommenes Tape aus dem Jahr 2006 publik wurde, auf dem er den damaligen Freund seiner Tochter Brooke rassistisch beleidigte. Er wurde auch aus der Hall of Fame entfernt, was WWE im Nachhinein als "dreijährige Suspendierung" bezeichnete.

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Nach Ablauf dieser drei Jahre verkündete die Liga das Ende dieser Suspendierung, unter Verweis auf mehrfache Entschuldigungen Hogans und sein karitatives Engagement, mit dem er anderen helfen wolle "aus seinen Fehlern zu lernen".

O'Neil und das Trio The New Day (Kofi Kingston, Xavier Woods, Big E) hatten kurz danach für Aufsehen gesorgt, indem sie längere Statements veröffentlichten, in denen sie diese Lernwilligkeit bei Hogan infrage stellten. New Day vermisste bei Hogan eine "aufrichtige Bemühung, sich zu verändern". Auch O'Neil erkannte keine "echte Reue, ein schlechtes Gewissen oder einen Willen, sich zu wandeln".

Berichten zufolge stieß auch anderen WWE-Kollegen Hogans Verhalten nach seiner Begnadigung sauer auf. Hogan hätte in einer von WWE organisierten Backstage-Begegnung mit dem damaligen Kader geklungen wie einer, der vor allem bedauerte, bei seiner Verfehlung erwischt worden zu sein - er hätte auffällig viel Fokus darauf gelegt, seine Erben zu warnen, dass alles was sie sagten heute aufgezeichnet werden und im Netz landen könnte.

Hulk Hogan bekennt: Gestörtes Verhältnis zu jüngeren Stars

Hogan bestritt das in einem Podcast-Interview - und löste mit Kritik an seinen Kritikern weitere Irritationen aus ("In dieser Situation schützen mich 75, 80, 90 Prozent der Wrestler und geben mir eine zweite Chance, wieder nach vorn zu schauen. Ein paar Wrestler verstehen diese besondere Verbindung, diese Bruderschaft im Wrestling aber offenbar nicht").

Im Zuge seines letzten WWE-Auftritts zu Beginn des Jahres ließ Hogan erneut aufhorchen, als er in einem Interview mit ESPN ausplauderte, dass sein Verhältnis zu vielen jüngeren WWE-Wrestlern weiterhin gestört sei: "Ein paar der jüngeren Typen behandeln mich wirklich kühl."

Hogan glaubt allerdings nicht, dass es am Rassismus-Skandal liegt. Er hat den Eindruck, dass die Jungstars "wohl denken, dass ich komme, um ihnen die Show zu stehlen. Aber hey, das kann ich nun wirklich nicht mehr. Ich bin doch keine Bedrohung."