Larry Sweeney bei einer Wrestling-Show im Jahr 2008
Larry Sweeney bei einer Wrestling-Show im Jahr 2008 © Imago
Lesedauer: 7 Minuten

München - Kettenraucher, Kirmesrufer, Kunstliebhaber: Larry Sweeney war ein Wrestling-Star wie kein anderer. Sein tragisch überschattetes Leben endete viel zu früh.

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Einer seiner berühmten Weggefährten peilt bei WWE nach WrestleMania gerade gerade den ganz großen Wurf an. Ein anderer feierte im vergangenen Jahr beim Rivalen AEW einen märchenhaften späten Durchbruch.

Das Potenzial, eine ähnliche Geschichte zu schreiben, hätte auch er gehabt. Es wäre sogar noch eine größere, noch mitreißendere Geschichte gewesen, die Stoff für einen Film oder einen Roman hergegeben hätte.

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Ein junger Mann, Sohn reicher Eltern, Kettenraucher, psychisch krank und traumatisiert von einem schweren Autounfall, mit dem er in jungen Jahren große Schuld auf sich geladen hatte, eroberte mit einer einzigartigen Begabung eine Welt, die er liebte - für die er aber eigentlich nicht geschaffen war.

Alex Whybrow - Künstlername: "Sweet and Sour" Larry Sweeney - war ein Wrestling-Phänomen, wie es nur wenige gab. Einer, der ein Star, eine denkwürdige Erscheinung bei WWE oder AEW hätte sein können, hätte er dort wie seine Kumpanen Cesaro und Eddie Kingston noch seine Chance bekommen - eine größere Chance als seinen einzigen WWE-Auftritt 2006, bei dem er Hulk Hogans Sohn spielte.

Am 11. April 2011 nahm Larry Sweeney sich das Leben, mit 30 Jahren. Sein 10. Todestag vor einer Woche stand im Schatten der Megashow WrestleMania 37 am selben Tag. Seine Geschichte verdient dennoch, erzählt zu werden.

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Larry Sweeney weckte Erinnerungen an Legenden

"Larry Sweeney ist in der Stadt - und die Scheidungsrate hier ist explodiert": Mit Sprüchen wie diesen und einem herrlich dreckigen Lachen stellte sich der am 18. Februar 1981 geborene Sweeney in der Mitte der Nuller-Jahre den Wrestling-Fans vor - und ließ ihnen mit einer Superstar-Ausstrahlung, die ihm aus allen Poren drang, keine Wahl außer fasziniert zu sein.

Bei diversen Independent-Promotions, vor allem den damals besonders stilbildenden Ligen Ring of Honor (ROH) und CHIKARA porträtierte Sweeney einen zwielichtigen, völlig von sich selbst eingenommenen Sportagenten, der versprach, alles zu Gold zu machen, was er anfasste.

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Bei CHIKARA war das junge Schweizer Ausnahmetalent Claudio Castagnoli - der spätere Cesaro - Teil seiner Gruppierung "Sweet and Sour International" und sein dicker Freund Kingston ein großer Rivale. Bei ROH dirigierte der "Super Agent" unter dem Banner von "Sweet and Sour Incorporated" unter anderem die späteren WWE-Persönlichkeiten Chris Hero (Kassius Ohno), Adam Pearce und Matt Sydal (Evan Bourne) zur Musik von Gary Glitters "Rock and Roll Part 2".

Die Superstar-Aura, die manch einer seiner Schützlinge damals noch entwickeln musste, hatte Sweeney im Überfluss: Sein Charisma, sein rhetorisches Talent und das emotionale Feuer seiner Redebeiträge brachten ihn Vergleiche mit Legenden wie Ric Flair, "Rowdy" Roddy Piper, dem "Million Dollar Man" Ted DiBiase und Bobby "The Brain" Heenan ein, ähnlich wie sie heute AEW-Supertalent MJF erntet.

Die Leser des Wrestling Observer Newsletter wählten Sweeney 2007 und 2008 zum besten "Non-Wrestler" - womit er unter anderem in die Fußstapfen von WWE-Boss Vince McMahon und Roman Reigns' Manager Paul Heyman trat, dem Rekordsieger in dieser Kategorie.

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Ein Wrestling-Künstler der alten Schule

Das athletische Talent, als Wrestler statt "nur" als Sprachrohr zum Star zu werden, fehlte dem 1,75 Meter kleinen Sweeney - was ihn nicht davon abhielt, seinen Kollegen fast immer auch im Ring die Show zu stehlen, wenn er ihn doch betrat.

Seine comedylastigen Kämpfe um den "ICW/ICWA Tex-Arkana Television Title", einen selbst erfundenen Fantasiegürtel, waren ein Phänomen für sich, als großer Liebhaber des Old-School-Wrestling wusste Sweeney, wie die Fans auch ohne spektakuläre Moves zu packen waren: Er beschimpfte und reizte sie, beherrschte alle psychologischen Tricks und war deshalb auch ein gefragter Performer bei kleineren Shows.

Sweeney hatte sein Handwerk bei den Ex-Showkämpfern "Playboy" Buddy Rose und Ed "Colonel DeBeers" Wiskowski gelernt, die damals schon Stars aus fernen Zeiten waren, für die Sweeney aber ein Faible hatte. Wenn er selbst auf gealterte Legenden von einst traf, blühte er durch das spezielle Zusammenspiel noch einmal besonders auf, schuf wunderbare Momente.

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Autounfall hatte schwere psychische Folgen

Wie tragisch die Geschichte des jungen Nostalgikers schon damals war, wussten zu dieser Zeit nur wenige: Der aus Chicago stammende Sweeney litt infolge einer bipolaren Störung unter schweren Depressionen, die seine Gesundheit in einer Weise beeinträchtigten, die für Außenstehende kaum vorstellbar war.

Als wesentliche Ursache für seine Probleme nannte Sweeney die psychischen und wohl auch körperlichen Folgen eines Autounfalls, den er als 16 Jahre alter Fahranfänger verursachte hatte und in dem ein mit befreundeter Mitfahrer schwer verletzt worden war.

Sweeney litt unter seiner Schuld, sein Spaß am Wrestling war einer seiner Versuche, Seelenheil zu finden. Auch andere Subkulturen faszinierten den hochintelligenten Sweeney, der auch einen Sommer als Schausteller und Kirmesrufer auf Rummelplätzen verbrachte.

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Sweeney war auch Literatur-Liebhaber, in einem seiner letzten Online-Einträge zitierte er den berühmten Schlusssatz von F. Scott Fitzgeralds "Great Gatsby": "So rudern wir weiter gegen den Strom, unaufhörlich der Vergangenheit entgegen." So wie es über Fitzgerald und andere große Romanciers hieß, dass sie "um ihr Leben geschrieben" haben, hat Sweeney wohl um sein Leben geredet und gewrestlet.

Bipolare Störung geriet außer Kontrolle

Das Leben des alten Jungen Larry Sweeney geriet aus der Bahn, als er sich 2009 durch erratisches Verhalten hinter den Kulissen bei ROH und anderen Promotions unmöglich machte. In Internet-Foren sprach sich herum, dass Sweeney "verrückt geworden" sei und bizarr anmutende Vorfälle verursacht hätte. Vertraute berichteten, dass Sweeney in Eigenregie seine Antidepressiva abgesetzt hatte - und dass der daraus resultierende Kontrollverlust verheerend gewesen wäre.

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Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich selbst von Depressionen und Suizidgedanken betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in zahlreichen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

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"In einer Welt, in der viel zu viele Menschen Pillen nehmen, war Sweeney ein Mann, dessen Beispiel gezeigt hat, dass Medikamente für manche Menschen lebenswichtig ist", zitierte der Nachruf von Figure 4 Weekly Sweeneys Freund und Wrestler-Kollegen Hunter Johnston (Delirious): "Ich habe niemanden gesehen, dessen Persönlichkeit sich in so kurzer Zeit so verändern konnte."

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Auftritt bei WWE als falscher Sohn von Hulk Hogan

Sweeney verlor den Kampf gegen seine psychische Krankheit, sein Suizid 2011 erschütterte die Szene, auch hinter der Bühne hatte der Mann, der als kreativer Geist und großer Geschichtenerzähler bekannt war, viele Kolleginnen und Kollegen für sich eingenommen.

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Bei WWE hatte Sweeney einen einzigen Auftritt: Vor dem letzten WWE-Match der Legende Hulk Hogan gegen Randy Orton beim SummerSlam 2006 parodierte er in dem Segment "Orton knows best" bei der TV-Show Monday Night RAW Hogans Sohn Nick und bekam von Orton schließlich einen Tritt in die Weichteile.

Larry Sweeney (l.) als falscher Nick Hogan mit Randy Orton bei WWE RAW
Larry Sweeney (l.) als falscher Nick Hogan mit Randy Orton bei WWE RAW © WWE

Dass Sweeney seine wahren Fähigkeiten nie auf größerer Bühne zeigen konnte, ist bekümmerliche Fußnote einer großen menschlichen Tragödie.