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München - Die Wrestling-Landschaft steht vor dem nächsten Umbruch: WWE beendet den direkten Konkurrenzkampf von NXT mit AEW Dynamite - ein folgenschwerer Schritt.

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Die Wrestling-Landschaft in den USA steht vor ihrer nächsten großen Neuordnung - mit umfassenden Folgen sowohl für WWE als auch für den aufstrebenden Rivalen AEW.

Der "Wednesday Night War" zwischen AEW Dynamite und der WWE-Mittwochsshow NXT endet: Ab dem 13. April - in der Woche nach WrestleMania 37 - zieht NXT auf einen Dienstagssendeplatz um, AEW wird das Feld am Mittwoch überlassen. WWE und der TV-Partner NBC Universal bestätigten damit übereinstimmende Medienberichte, die bereits Anfang März die Runde gemacht hatten.

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Eine Kapitulation des mächtigen Marktführers vor dem Konkurrenten? WWE stellt es natürlich nicht so dar, aber gedacht war das alles in jedem Fall einst anders.

Nun allerdings gibt es mehrere Gründe für den Wechsel, ein wesentlicher hat mit einem anderen, größeren TV-Beben abseits der Wrestling-Welt zu tun - SPORT1 erklärt die Gemengelage.

Aus für NBC-Sportsender ändert die Lage für WWE

Spekulationen, dass NXT vor einem Umzug stehen würde, gab es schon seit längerem - Auslöser dafür war ein Schachzug von NBC: Dieser gab die Einstellung des Spartensenders NBC Sports Network bekannt und eine Verschiebung der dort beheimateten NHL-Übertragungen in das USA Network, wo auch die WWE-Shows RAW und NXT laufen.

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Weil die NHL einen Mittwochssendeplatz hat, der mit dem von NXT kollidiert, schien daher das Aus für NXT in dem bisherigen Timeslot absehbar.

WWE-Präsident Nick Khan (nicht verwandt oder verschwägert mit AEW-Boss Tony Khan) behauptete in der Investorenkonferenz des Unternehmens im Februar dennoch, dass die WWE-Sendungen nicht betroffen von dem Schritt sein würden - schon damals eine Notlüge, um einer für WWE unangenehmen Diskussion nicht noch mehr Raum zu geben?

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AEW gewann den Kampf mit NXT klar

Der Sendeplatzwechsel ist verbunden mit einer Ankündigung einer "mehrjährigen" Vertragsverlängerung für NXT und dem Verweis darauf, dass WWE sich von dem Dienstags-Slot höhere Quoten erwartet, auch wegen der größeren zeitlichen Nähe zu RAW.

Trotzdem geht die Promotion den Schritt aus einer Position der Stärke: Das seit Ende 2019 laufende Quotenduell mit Dynamite ging fast immer an die zu Beginn desselben Jahres gegründete Liga AEW, in der werberelevanten Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen war der Sieg noch klarer.

Obwohl sich der Trend früh abzeichnete - und auch, dass die NXT-Quote immer stieg, wenn das direkte Duell aufgrund von einmaligen Verschiebungen ausfiel - hatte WWE nicht von sich aus auf einen Sendeplatzwechsel hingearbeitet.

Der aus Sicht von Experten klare Grund: WWE war es wichtiger, der AEW-Quote zu schaden als der NXT-Quote zu helfen. Trotz der öffentliche Ansage von WWE-Boss Vince McMahon, NXT zu einer so großen Marke wie RAW und SmackDown machen zu wollen, hat der Nimbus der beiden anderen Sendungen nach wie vor Priorität.

Dynamite wird auch für RAW gefährlich

Es ist wahrscheinlich, dass AEW durch das Ende des "Wednesday Night War" nun einen Quotenschub bekommen wird: Im Sommer 2020 hatte Dynamite an einem Abend, an dem NXT einmalig wechseln musste, die Millionen-Zuschauer-Marke überschritten, an der sie sonst im vergangenen Jahr nur gekratzt hatte.

Die Stärkung von AEW, die WWE nun wohl in Kauf nehmen muss, ist für den Marktführer nicht ungefährlich, denn das Szenario, dass AEW mit Dynamite irgendwann auch RAW und SmackDown angreifen kann, ist keinesfalls auszuschließen: Schon im vergangenen Jahr lag Dynamite in der werberelevanten Zielgruppe gelegentlich in Schlagdistanz zu RAW, das seit Jahren gegen einen konstanten Abwärtstrend kämpft.

Zwar ist das einstige Flaggschiff RAW mit einem aktuellen Pegel von rund 1,9 Millionen Zuschauern noch immer klar vor Dynamite, eine umfassende Analyse der Ratings beider Shows hat aber ergeben, dass vor allem die bemerkenswerte Stärke Dynamites bei der jungen Zielgruppe mittelfristig zur Gefahr für RAW wird.

Einen direkten Angriff von Dynamite auf RAW wie ihn seinerzeit WCW mit Monday Nitro verübte, wird es übrigens womöglich nie geben: Tony Khan betonte erst kürzlich im Wrestling Observer Radio, dass das nicht in seinem Interesse sei. AEW würde damit auch in Konkurrenz zur NFL gehen - und als Mitglied der Eigentümerfamilie der Jacksonville Jaguars schnitte er sich damit ins eigene Fleisch.

Hält WWE sein Engagement für NXT aufrecht?

Auch andere mittelfristige Konsequenzen des Sendeplatzwechsels von WWE werden spannend zu beobachten sein: Der Versuch, das von McMahon-Schweigersohn Paul Levesque (Triple H) verantwortete NXT zur Speerspitze im Kampf mit AEW zu machen, hatte die Personal-Logik bei WWE spürbar verändert.

Das vorher über allem stehende Ziel, die NXT-Wrestlerinnen und -Wrestler auf eine Karriere bei in den Hauptshows vorzubereiten, relativierte sich. Es gab im Lauf der vergangenen beiden Jahre deutlich weniger Wechsel von NXT zu RAW oder SmackDown, sogar vorher undenkbare Transfers größerer etablierter Stars wie Finn Balor zurück zu NXT.

Wird NXT unter den neuen Voraussetzungen nun wieder eher zur Durchgangsstation? Oder bleibt WWE mit dem selben Engagement wie bisher bei der Entwicklung von NXT als Eigenmarke, vielleicht sogar mit größerem, weil der Druck des "Wednesday Night War" weg ist? Die Wrestling-Welt steht vor einem spannenden Umbruch.