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München - Die wichtigste ligenübergreifende Fan-Abstimmung im Wrestling gerät zu einem großen Denkzettel für WWE. Rivale AEW staubt fast alle wichtigen Awards ab.

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Zahlreiche klare Siege für den jungen Konkurrenten AEW, diverse wenig schmeichelhafte "Preise" für den Marktführer: Das bekannteste ligenübergreifende Fan-Voting der Wrestling-Welt ist zur großen Abrechnung mit WWE geraten.

Beste Liga, beste TV-Show (Dynamite), beste Großveranstaltung (Revolution), bestes Match (Kenny Omega & Hangman Page vs. The Young Bucks ebendort): Bei den Wrestling Observer Newsletter Awards 2020 musste WWE dem Rivalen All Elite Wrestling fast alle wichtigen Preise überlassen - und kassierte teils heftige Denkzettel.

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Die Leser des von Wrestling-Journalist Dave Meltzer geführten Insider-Mediums sind zwar nicht die breite Masse, aber seit mehr als drei Jahrzehnten repräsentieren sie einen wesentlichen Kern der eingefleischten Fanbase - und es muss für die Liga von Vince McMahon ein Alarmsignal sein, wie umfassend AEW diese für sich eingenommen hat.

Bezeichnend ist auch, wer auf individueller Ebene großer Gewinner der Wahl ist: Jon Moxley, der in großem Frust über die kreative Ausrichtung von WWE geschiedene Ex-Champion, der dort Dean Ambrose war.

AEW-Star Jon Moxley gewinnt den Hauptpreis

Moxley, der bei AEW 2020 lange Zeit World Champion und Aushängeschild der Liga, gewann den Hauptpreis der Abstimmung, den Lou Thesz / Ric Flair Award als bester Wrestler. Gewürdigt wurde er außerdem als bester Vertreter des prügellastingen Brawling-Stils, für die beste Fehde (gegen Eddie Kingston) und als Nordamerika-MVP.

Auch zahlreiche Kollegen Moxleys punkteten: Der Rivale und amtierende Champ Kenny Omega bekam den auf die reinen Ringleistungen fokussierten Award als "Most Outstanding Wrestler", die Young Bucks wurden zum besten Tag Team gekürt, Eddie Kingston als bester Redner, Top-Talent MJF als charismatischer Wrestler, Rey Fenix als bester High Flyer und Mexiko-MVP, Manager Taz als bester Nicht-Wrestler, Excalibur als bester Kommentator, Britt Baker als "Most Improved", der Star, dürfen größten Sprung gemacht hat.

Ligaboss Tony Khan bekam die Preise als bester Promoter und "Best Booker", als kreatives Mastermind.

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Bitterer Absturz für The Fiend

Bei den Negativ-Preisen ist derweil fast überall WWE vorn: Schlechteste Liga, schlechteste TV-Show (RAW), schlechtestes Match (Braun Strowman - Bray Wyatt bei Extreme Rules), schlechteste Veranstaltung (Super Show Down in Saudi-Arabien) - und die WWE-Entlassungswelle trotz Rekordumsatz in der Corona-Pandemie als "Most disgusting promotional tactic", als ärgerlichster geschäftlicher Schachzug.

Einen bitteren Absturz in der Gunst der Fans erlebte zudem WWE-Topstar Bray Wyatt: Er wurde als "Most Overrated", als am meisten überbewertet, gebrandmarkt. Und sein Horror-Alter-Ego The Fiend, 2019 noch als "Best Gimmick", als bester Charakter ausgezeichnet, würde diesmal zum schlechtesten Gimmick gewählt (als bestes triumphierte Orange Cassidy von AEW).

Selbst manch positive Auszeichnung hat für WWE eine Schlagseite: Die Kür von Ricochet als "Most Underrated" ist zugleich Kritik, dass WWE sein Talent nicht ausschöpft.

Österreicher WALTER ein Lichtblick bei WWE

Lichtblicke aus WWE-Sicht: Bayley als wertvollste Wrestlerin, Ex-NFL-Star Pat McAfee als Rookie des Jahres, der Österreicher WALTER - Champion des Europa-Kaders NXT UK - als bester Europäer. Bemerkenswert auch: WALTERs Match gegen den Deutschrussen Ilja Dragunov hing als fünftbestes Match des Jahres alle anderen WWE-Duelle ab (WALTER im SPORT1-Interview: Darum will er nicht nach Amerika).

Generell wurde die von Triple H und Shawn Michaels verantwortete NXT-Welt von WWE von der Fanwut verschont, als zweitbeliebteste TV-Show fand NXT bei der Observer-Zielgruppe zuletzt deutlich größeren Anklang als die Hauptshow RAW und SmackDown - aus denen immerhin noch die Aushängeschilder etwas Bestätigung für ihre Leistungen erfuhren: Drew McIntyre (5.) und Roman Reigns (8.) waren neben Bayley (6.) die einzigen WWE-Stars in den Top 10 der Hauptkategorie.