Jay White sorgte bei einer Pressekonferenz für Aufhorchen in der Wrestlingwelt
Jay White sorgte bei einer Pressekonferenz für Aufhorchen in der Wrestlingwelt © NJPW
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München - Jay White hat sich bei NJPW in Japan zu einer Ausnahmeerscheinung entwickelt, wird verglichen mit Bret Hart und Ric Flair. Wann landet er bei WWE oder AEW?

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Wrestling-Kenner vergleichen ihn mit Legenden wie Bret "The Hitman" Hart und dem "Nature Boy" Ric Flair - obwohl er erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit im Ring steht.

"Switchblade" Jay White ist das internationale Aushängeschild der zweitgrößten Wrestlingliga der Welt, ein Shooting Star, der sich immer mehr zu einer Ausnahmeerscheinung entwickelt. Und durch eine geschickte Inszenierung bei der ersten großen Show des Jahres 2021 war er nun auch bei den Fans von WWE und AEW in aller Munde.

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Die durch seine Aufsehen erregende Pressekonferenz am 5. Januar aufgeworfene Frage, ob der 28 Jahre alte Neuseeländer vor dem Aus bei der Japan-Promotion NJPW steht, ist mittlerweile beantwortet: Er feierte am Montag mit einer Attacke auf Tomohiro Ishii sein Comeback für NJPW - und dürfte dort nun endgültig auf dem Weg an die Spitze sein.

Jay White in den Fußstapfen von Topstars

Seit mehreren Jahren wird White von NJPW konsequent als Star aufgebaut, als Anführer der Gruppierung Bullet Club trat er in die Fußstapfen der WWE-Stars Finn Balor und AJ Styles sowie AEW-Champion Kenny Omega.

Bei Wrestle Kingdom 15, dem Jahreshöhepunkt der Liga im Tokyo Dome, gipfelte nun sein Aufstieg mit dem größten Kampf seiner Karriere: In einem historisch langen und vielgelobten Marathon-Spektakel unterlag er nach 48 Minuten dem IWGP Heavyweight und Intercontinental Champion Kota Ibushi.

In einer emotionalen und intensiven Ansprache an die Presse deutete er danach an, dass das Match seine Abschiedsvorstellung bei NJPW gewesen sein könnte. Die Diskussion, ob es White nun unmittelbar zu WWE oder AEW zieht, hat sich erledigt - vorerst. Das Zutrauen, dass er dort eine ebenso große Rolle wie in Japan spielen könnte, wenn er den Sprung dann doch mal vollzieht, ist allerdings deutlich gewachsen.

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Von Finn Balor entdeckt, von NJPW gefördert

Jamie White, wie der Durchstarter aus der ozeanischen Metropole Auckland eigentlich heißt, begann seine Karriere 2013 in England. Dort wurde er von Finn Balor entdeckt - und unterschrieb auf dessen Empfehlung hin einen Ausbildungsvertrag bei NJPW - der Liga, in der auch der frühere Prince Devitt sich seinen letzten Schliff geholt hatte.

White bestritt das renommierte Ausbildungsprogramm der japanischen Liga, auch die dort übliche Bildungsreise ins Ausland zur US-Partnerliga Ring of Honor und rückte seit seiner Rückkehr nach Fernost 2017 mehr und mehr ins Zentrum.

Mit seinem mittlerweile äußerst beliebten Charakter als "Switchblade" (Klappmesser) durfte sich White von Beginn an mit den größten Stars von NJPW messen: Hiroshi Tanahashi, Kenny Omega und Kazuchika Okada - die Creme de la Creme.

Mittlerweile hat White bei NJPW alle wichtigen Einzeltitel gewonnen, war im Finale des prestigeträchtigen G1-Climax-Turniers und der erste Mann in der Geschichte der Liga, der einem G1 Sieger des Recht auf ein Titelmatch abnehmen konnte.

Vergleiche mit Bret Hart und Ric Flair

Bei den Fans hatte White zunächst schweren Stand: White wurde - ganz ähnlich wie Roman Reigns bei WWE - vorgehalten, der Rolle, für die die Ligaverantwortlichen ihn auserkoren hatten, nicht gerecht zu werden. Er zeigte Schwächen am Mikrofon und in Sachen Charisma, auch seine Matchführung begeisterte nicht immer. Sein erster Kampf im Tokyo Dome 2018 gegen den eigentlich verlässlichen Performer Tanahashi wurde gar als Tiefpunkt der Veranstaltung angesehen.

In den vergangenen drei Jahren entwickelte sich White jedoch rasend schnell weiter: Im Ring provoziert er Fans zwar immer noch mit Verzögerungen und Tempoverschleppungen, doch auch frühere Kritiker sind mittlerweile verblüfft von seiner technisch-handwerklichen Präzision, die an WWE-Idol Bret Hart erinnert, der als "Excellence of Execution" in dieser Hinsicht einst das Maß der Dinge war.

Whites Match gegen Ibushi spiegelte das, was White ausmacht, exemplarisch wider: Nach verhältnismäßig unspektakulärem Beginn steigerte es sich von Minute zu Minute zu einem fesselnden Showdown von höchster Qualität, es reifte vor den Augen der Zuschauer wie eine Flasche guter Wein - kongenial begleitet von New Japans englischsprachigem Kommentator Kevin Kelly.

White hat sich als Anführer des Bullet Clubs inzwischen aber nicht nur zu einem Edeltechniker, sondern auch zu einer charismatischen Präsenz und einem großartigen Redner entwickelt. Seine Auftritte begeistern mit Emotion, Glaubwürdigkeit und Unterhaltungswert, sie erinnern an das Feuer, das in den Achtzigern Ric Flair zur Legende machte.

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Auf der Pressekonferenz nach Wrestle Kingdom zeigte White seine Meisterschaft: Die Leidenschaft und die rhetorische Kunst, mit der White in dem Neun-Minuten-Monolog seinen Frust über die verpatzte Krönung gegen Ibushi herüberbrachte, verdiente er sich einen weiteren Vergleich mit einem Kultstar - den mit CM Punk und seiner berühmten "Pipe Bomb".  

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AEW zeigte bereits Interesse an Jay White

White hatte in der Vergangenheit mehrmals betont, dass es stets sein Ziel war, langfristig erfolgreich bei NJPW zu sein und WWE nicht auf seinem Radar zu haben. Und dem Wrestling Observer zufolge hatte AEW White schon bei der Ligagründung 2018/19 auf dem Zettel - er hätte jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass er erst kürzlich einen Sieben-Jahres-Vertrag bei NJPW unterschrieben hätte.

Der Wirbel um White erinnerte an den, den Omega Anfang 2017 mit der Andeutung auslöste, NJPW zu verlassen und andere Wege zu gehen. Der anschließende Trubel war nicht zu seinem Schaden - entpuppte sich damals aber als kalkuliert: Omega blieb bei NJPW und stieg dort zum unumstrittenen Topstar auf, ehe er schließlich doch in den USA bei AEW durchstartete.

White könnte einen ähnlichen Weg gehen.