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München - WWE-Boss Vince McMahon soll "wütend" über die Ringleistungen mehrerer Performer sein und verordnet Nachhilfestunden. Auch Keith Lee und Otis sind betroffen.

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Diese Nachricht ist eine bittere Pille für zwei Männern, denen zuletzt eigentlich Hoffnungen auf einen großen Durchbruch bei WWE gemacht worden waren.

Laut übereinstimmenden Medienberichten ist Ligachef Vince McMahon verärgert über die Ringleistungen diverser, teils prominenter Wrestler - und hat sie zu Nachhilfetraining im Performance Center seiner Promotion verdonnert.

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Wie der Pro Wrestling Insider berichtet, sind darunter auch zwei Kämpfer, die in diesem Jahr besonders im Blickpunkt standen: Zum einen Otis, der Gewinner des Money-in-the-Bank-Matches, der auch durch seine kuriose Paarung mit Mandy Rose Aufmerksamkeit auf sich zog. Zum anderen der ursprünglich groß im Hauptkader eingeführte "Limitless" Keith Lee.

Die beiden Big Men müssten nun zweimal wöchentlich in Orlando vorstellig werden und an der „Verfeinerung und Verbesserung“ ihrer Fähigkeiten arbeiten. Ebenfalls betroffen sein sollen AJ Styles' 2,20-Meter-Bodyguard Omos, Mace (Dio Maddin) von der Gruppierung Retribution, der frühere Dresdner GFL-Footballer Dabba Kato sowie der Ex-Ringer Arturo Ruas.

Während die Entscheidung, diesen Neulingen mehr Training zu verordnen, wenig Aufreger-Potenzial hat, liegt die Lage bei Otis und speziell bei Lee anders.

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Keith Lee und Otis erleben Karriere-Knick bei WWE

Die beiden waren eigentlich große Aufsteiger des WWE-Jahres: Der charismatische Otis wuchs 2020 über seine bisherige Rolle als Teil des Tag Teams Heavy Machinery weit hinaus, im Zuge der erfolgreichen Liebes-Story mit Rose gewann er sogar den Money-in-the-Bank-Koffer, der in der Regel für kommende World Champions reserviert ist.

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Auch Lee, früherer Champion des Entwicklungskaders NXT, hatte einen steilen Aufstieg hinter sich: Als Teil der NXT-Invasion wurde er im vergangenen Herbst 2019 bei den Survivor Series ebenso prominent präsentiert wie zum Jahresbeginn beim Royal Rumble. Der schon im Independent-Bereich sehr erfolgreiche und populäre Lee wurde als aufgehender Stern inszeniert, der auch die Superstars Roman Reigns und Brock Lesnar in Bedrängnis brachte, auf seine Berufung in den RAW-Kader folgte ein Sieg über den 14-maligen World Champ Randy Orton.

Sowohl der Push von Otis als auch der von Lee wurden zuletzt jedoch spürbar abgebremst: Otis verlor seinen MITB-Koffer an The Miz und wurde auch von Rose getrennt, seit kurzem ist er bei SmackDown wieder Tag-Team-Wrestler mit dem neuen Partner Chad Gable (der bisheriger Partner Tucker hatte ihn verraten und den Koffer gekostet). Lees Auftaktcoup wurde durch diverse Niederlagen wieder relativiert, zuletzt war er sogar bei der B-Show Main Event zu sehen, in der Regel ein schlechtes Zeichen, was sein Standing angeht.

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Vince McMahon soll "Wutanfall" bekommen haben

Tatsächlich scheint der ewige Wrestling-Mogul McMahon unzufrieden mit beiden zu sein. Der Wrestling Observer meldete in seinem aktuellen Newsletter, dass der 75-Jährige zuletzt einen "Wutanfall bekommen hätte wegen der Ringfähigkeiten bestimmter Leute im Hauptkader".

Die vom Observer nicht genannten Namen enthüllte der konkurrierende Insider. Dass Lee darunter ist, sorgt bei Fans und professionellen Beobachtern seitdem für besonders viel Verwunderung und Kritik.

Und tatsächlich drängt sich im Fall des 36 Jahre alten WWE-Spätstarters in besonderem Maße die Frage auf, ob der Fehler wirklich bei ihm liegt.

Lee änderte seinen Wrestling-Stil - zu sehr?

Der Schüler des in diesem Jahr verstorbenen "Killer" Tim Brooks genießt eigentlich einen hervorragenden Ruf, in den vergangenen Jahren entwickelte er sich im Independent-Bereich zu einem Phänomen, das die Fans mit seinen für sein Gewicht enorm spektakulären Aktionen begeisterte.

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Bei WWE änderte Lee seinen Stil etwas, fuhr die Schlagzahl seiner Flugmanöver herunter - nicht unfreiwillig, wie er im Sommer im SPORT1-Interview erklärte: "Wenn ich es zu oft mache, es überstrapaziere, wird es irgendwann nicht mehr honoriert. Darum beschränke ich mich bei bestimmten Aktionen mittlerweile auf besondere Momente, in denen es auch passt."

Seit Lee jedoch von NXT zu RAW aufgestiegen ist, mehrte sich die Kritik, dass WWE bei ihm mittlerweile das Kind mit dem Bad ausgeschüttet hätte. Sein Stil sei mittlerweile so konventionell, dass genau das verloren gegangen sei, das ihn von der Masse abgehoben hätte.

Es ist nicht das erste Mal, dass die WWE-Führung dem Vorwurf ausgesetzt ist, dass sie Wrestlerinnen und Wrestler in ein Schema F presst und damit ihrer individuellen Stärken beraubt. Ähnliche Diskussionen gab es auch bei Shinsuke Nakamura, der bei WWE den Zauber vermissen lässt, der ihn in Japan zum Star gemacht hatte – und zum Teil auch bei der früheren UFC-Queen Ronda Rousey, deren Aura vor allem in TV-Matches öfters verloren ging.

Seltsame Kluft zwischen NXT sowie RAW und SmackDown

Die ins Stocken gekommene Karriere von Lee wirkt auch symptomatisch für eine oft beobachtete Kluft zwischen NXT und den Hauptshows RAW und SmackDown: Schon eine Reihe von Begabungen, die bei dem mehr auf das Geschehen im Ring fokussierte NXT wie kommende Megastars wirkten, gingen nach ihrer Beförderung teils völlig unter. Ausnahme-Athlet Ricochet gilt als Musterbeispiel, auch der ähnlich hoch veranlagte Matt Riddle wirkt bereits auf einem schiefen Pfad, obwohl auch McMahon eigentlich viel von ihm halten soll.

Dass er Lee nun dagegen als Fall für Nachhilfestunden sieht, verwundert umso mehr, wenn man bedenkt, wer ihn bei NXT gehegt und gepflegt hat: Die dort verantwortlichen Köpfe sind Hall of Famer Shawn Michaels und McMahon-Schweigersohn Paul Levesque alias Triple H, deren Kompetenz beim Erkennen fähiger Wrestler mit Star-Potenzial eigentlich nicht in Frage stehen kann.

Die Trainer, die Lee, Otis und Co. nun "verfeinern" sollen, sind Ex-Wrestler Adam Pearce und der frühere Cruiserweight-Champion Drew Gulak.