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München - WWE-Topstar AJ Styles spricht vor seinem Titelmatch bei TLC mit SPORT1 über seine späte Karriere-Blüte und seinen oft umstrittenen Boss. Hier das Interview.

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Als einer von nur acht Wrestlern, die länger als ein Jahr WWE-Champion waren, trat er in die Fußstapfen von Bruno Sammartino, Hulk Hogan, "Macho Man" Randy Savage und CM Punk.

Er bestritt eine große und vielgelobte Matchserie mit Superstar John Cena, war bei WrestleMania 36 in diesem Jahr der wohl letzte Gegner des Undertaker.

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AJ Styles, 2016 mit schon 37 Jahren spät zu WWE gekommen, hat sich dort auf erstaunliche Weise als absoluter Topstar etabliert. Zuletzt bekam der schon vorher in der Szene hoch anerkannte Ausnahmeathlet bei der TV-Show RAW einen neuen Schub mit seinem 2,20-Meter-Bodyguard Omos, in der Nacht zum Montag fordert er bei der Großveranstaltung TLC (Tables, Ladders & Chairs) den amtierenden Champ Drew McIntyre heraus.

Im SPORT1-Interview spricht Styles (bürgerlich: Allen Jones) über seine späte Karriere-Blüte bei WWE, warum er keine Lust auf den Konkurrenten AEW hatte, das jüngste Quotentief bei WWE - und warum er zu seinem viel umstrittenen Chef Vince McMahon eine ganz andere Meinung hat als manche Fans und Kollegen.

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SPORT1: AJ Styles, bei TLC am Sonntag forderten Sie WWE-Champion Drew McIntyre heraus, ihr erstes Match um den Titel seit einer Weile. Wie wichtig ist sind Ihnen Titel an diesem Punkt Ihrer Karriere noch?

AJ Styles: Was mir persönlich am wichtigsten ist: Momente zu erschaffen. Momente sind der Schlüssel, das, woran die Menschen sich erinnern. Weiß man noch, welcher Wrestler wann wie viele Titel gewonnen hat? Weniger - es sind andere Dinge, die zählen. Ich bin auch nicht der Typ, dem sein persönliches "Vermächtnis" groß wichtig ist, mir ist wichtig, von meinen Kollegen respektiert zu werden, dabei helfen sie besser zu machen und Momente zu kreieren.

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SPORT1: Zu Beginn Ihrer Karriere lehnten Sie aus privaten Gründen ein WWE-Angebot ab, im vergangenen Jahr haben Sie einen Rentenvertrag dort unterschrieben und die Möglichkeit eines Engagements bei der neuen Liga AEW vorbeiziehen lassen. Sind Sie mit dieser Wahl immer noch zufrieden?

Styles: Ja. Schauen Sie: Jeder weiß gern, woran er ist. Ich war schon einmal Teil einer neuen Liga, aber ich wollte es nicht nochmal sein. Ich bin an einem Punkt, an dem mir Stabilität wichtiger ist. An dem ich zu schätzen weiß, dass ich weiß, was ich erwarten kann und was von mir erwartet wird. Und ehrlich gesagt: Ich mag Vince McMahon. Ich verstehe ihn, ich verstehe, was ihn antreibt, er ist ein Geschäftsmann, ich auf meine Art auch. Ich mag, wie er die Dinge regelt und dass ich mich an ihn wenden kann, wenn es ein Problem gibt. Ich weiß, es wird viel Negatives über Vince erzählt - von mir werden Sie aber kein böses Wort über ihn hören.

SPORT1: Welche negativen Dinge, die über Vince McMahon erzählt werden, stimmen denn nicht?

Styles: Ich habe jetzt nicht den vollen Überblick, was alles über ihn gesagt wird (lacht), aber ich für meinen Teil kann sagen: Ich kann mit ihm immer reden, wenn etwas ist, von Mann zu Mann. Und wenn ich mit ihm rede, ist da nichts Großes dabei, ich kann mich mit ihm so unterhalten, wie wir uns grad unterhalten. Und es ist angenehm, dem Mann, der der Lenker der Show ist - und das in jedem Sinne - so gegenübertreten zu können. Er hat mich immer mit großem Respekt behandelt und meinen hat er ebenso, definitiv.

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SPORT1: Sie waren in der Wrestling-Szene schon eine Größe, lange bevor sie recht spät bei WWE unterschrieben haben. Es gibt aber doch recht viele, die Wrestling außerhalb von WWE nicht wahrnehmen. Haben Sie das bemerkt, als sie den Schritt gemacht haben?

Styles: Absolut! Ich habe es so oft erlebt, dass ich für TNA, NJPW oder andere Ligen ins Ausland gereist bin. Jedesmal, wenn ich bei der Einreisekontrolle gefragt wurde, was ich dort getan habe und ich "Wrestling" geantwortet habe, war die Reaktion: "Ah, für WWE, oder?" Ich habe der Einfachheit halber immer "Ja" gesagt (lacht). Wie riesig WWE ist, habe ich trotzdem erst gemerkt, als ich hier angekommen bin. Als ich noch bei TNA war, war ich der Meinung, dass wir eine Konkurrenz für WWE waren, aber im Nachhinein muss ich sagen: Das war nicht so, niemals und in keiner Hinsicht. Wie groß hier alles ist, was für eine gut geölte Maschinerie hier läuft und wie viele Leute ihren Beitrag leisten, sie am Laufen zu halten: Das merkt man erst, wenn man hier gearbeitet hat.

SPORT1: Dieses Jahr war allerdings ein schwieriges für WWE: Wegen der Corona-Pandemie musste die Liga die Fans aussperren, auch die TV-Einschaltquoten in den USA sind nicht erst seitdem rückläufig, erst am Montag verzeichnete RAW ein Rekordminus. Wie sehr beschäftigt Sie das als Performer?

Styles: Das muss mich beschäftigen! Wenn Fans nicht zuschauen, fällt das auf mich als Performer zurück, genauso wie es auch auf die Kreativautoren und auf Vince McMahon als Chef zurückfällt. Wir alle haben Verantwortung, keiner hat Ausreden, wir müssen hinterfragen, woran es liegt und schauen, was wir besser machen können, bei TLC, bei RAW, bei SmackDown, überall. Diese verrückten Zeiten gerade machen es natürlich nicht einfacher, ich hoffe sehr, dass die Fans bald zurück in unsere Arenen können. Wir alle werden dann wieder mehr Spaß haben.

SPORT1: Wie viel kreativen Einfluss haben Sie auf das Programm und Ihren Charakter und wie nutzen Sie ihn?

Styles: Veteranen wie ich finden sicher etwas eher Gehör als Neulinge, aber es kommt drauf an. Hat man wirklich eine gute Idee? Ich hatte gute Ideen, die ich einbringen konnte, aber ich hatte auch schon schlechte, das gebe ich auch ehrlich zu. Aber am Ende ist alles, was wir machen, Teamarbeit. Jeder versucht Vorschläge zu machen und das Beste zu erreichen.

SPORT1: Es heißt, dass WWE gar keine so großen Pläne mit Ihnen hatte, als Sie Anfang 2016 verpflichtet wurden. Ist das wahr?

Styles: Sagen wir es so: Wurde ich als absoluter Topstar wahrgenommen, als ich hier angekommen bin? Absolut nicht! Eine Idee, was mit mir passieren sollte, gab es damals nicht. Ich musste mich beweisen, mir meinen Platz verdienen. Aber ich habe meine Gelegenheit bekommen und angegriffen. Die Fans haben mit ihren Reaktionen ihren Teil dazu beigetragen, so wie auch die Karrieren von Stone Cold Steve Austin und The Rock ohne die Fans nicht denkbar gewesen wären. Die Fans sind es, die Stars machen.

AJ Styles im Gespräch mit SPORT1
AJ Styles im Gespräch mit SPORT1 © SPORT1

SPORT1: In welchem WWE-Wrestler - oder welche Wrestlerin -, den grad nicht jeder auf dem Zettel hat, sehen Sie denn jetzt das größte unausgeschöpfte Star-Potenzial?

Styles: Das ist eine Frage, die sich nicht so leicht beantworten lässt. Wer der nächste große Star ist, der sich noch nicht gezeigt hat, weiß man, wenn er es zeigt. War ich 2016 auf dem Radar aller Leute? Nein, aber ich habe dafür gesorgt, dass sich das geändert hat. Oder denken wir an Becky Lynch, konnte man ihren steilen Aufstieg voraussehen? Auch nicht unbedingt. Aber dieser Moment, in dem ihr vor laufender Kamera die Nase blutig gebrochen wurde und was sie daraus gemacht hat: Das war es! Das war ihr Moment, den sie geschaffen hat, mit dem sie sich als Topstar erschaffen hat. Der nächste Topstar ist der- oder diejenige Person, die einen solchen Volltreffer landet, wenn sie den Ball bekommt.