Bei AEW Dynamite debütierte Sting (l.), Don Callis (M.) verhalf Kenny Omega zum Titel
Bei AEW Dynamite debütierte Sting (l.), Don Callis (M.) verhalf Kenny Omega zum Titel © All Elite Wrestling
Lesedauer: 8 Minuten

WWE-Rivale AEW zieht mit Legende Sting und der neuen Partnerliga Impact zwei Asse aus dem Ärmel - und verspricht eine "Machtverschiebung". Mit Recht?

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"Die Machtverhältnisse im Wrestling werden sich verschieben."

Mit dieser vollmundigen Ankündigung ließ Tony Khan, Chef der WWE-Konkurrenzliga AEW im vergangenen Monat aufhorchen. Inzwischen ist deutlicher damals geworden, was der Sohn des Milliardärs und NFL-Klubbesitzers Shahid Khan damit gemeint hat.

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Die Verpflichtung von Legende Sting zu einem "mehrjährigen Vollzeitvertrag", der Beginn einer Aufsehen erregende Kooperation mit der Promotion Impact Wrestling, unter dem früheren Namen TNA für eine Weile selbst der größte WWE-Rivale - verbunden mit der Kür von Kenny Omega als World Champion und Nachfolger von Jon Moxley, ehemals Dean Ambrose.

Eine ganze Reihe der überraschenden "Asse im Ärmel", die Khan versprochen hatte, wurden bei der dieswöchigen Ausgabe der TV-Show Dynamite ausgespielt - mit Erfolg: Die Show sorgte in den USA für eine der besten Einschaltquoten des Jahres (913.000), in der werberelevanten Zielgruppe sogar für den Bestwert 2020 (Rating: 0.42). Nicht ohne Grund sprach Khan schon vor der Mottoshow "Winter is coming" von der "größten Dynamite-Episode bislang" (AEW Dynamite vs. WWE NXT: Die Ratings im Vergleich).

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Wie sehr aber verändert der heiße Winter die Machtverhältnisse im Wrestling wirklich, was können sich Showkampf-Fans von dem Beben erwarten?

Sting von WWE zu AEW - was plant die Liga?

Wrestlerisch wird Sting AEW kaum mehr groß bereichern können, er ist inzwischen 61 Jahre alt und gesundheitlich gebeutelt von einer schweren Nackenverletzung, wegen der er 2016 bei seiner Aufnahme in die WWE Hall of Fame seine Karriere eigentlich beendet hatte.

Mit dem von AEW verkörperten Anspruch, eine WWE-Alternative mit neuen Stars zu bieten, ist die Ankunft des Oldies aber nur auf den ersten Blick unvereinbar.

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"Ich will keine Nostalgie um der Nostalgie willen, Legenden nicht zurückbringen, weil ich keine neuen Ideen habe": Was Cody Rhodes, Star und Co-Geschäftsführer von AEW im vergangenen Jahr im SPORT1-Interview über die Vision hinter der Liga sagte, gilt noch immer.

Jeder bekannte Altstar, den AEW bislang verpflichtet hat, dient über kurz oder lang der Etablierung der neuen Generation - in Manager- und Mentoren-Rollen oder als Gegenspieler jüngerer Hoffnungsträger, auf die ihre Bekanntheit abfärben soll. Chris Jericho etwa verlor jüngst eine Fehde gegen den aufstrebenden Orange Cassidy, aktuell profitiert der als Supertalent geltende MJF vom Zusammenspiel mit dem 50-Jährigen.

Mit dem ebenfalls hoch gehandelten Darby Allin, dessen Charakter einige Parallelen zu Sting aufweist, lieferte sich "The Icon" bei der Premiere am Mittwoch gleich einen auffällig langen Blickwechsel.

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"The Icon" steht für das Vermächtnis von WCW

Was die Verpflichtung Stings besonders wertvoll macht: AEW beruft sich ausdrücklich auf das Vermächtnis der guten Jahre der 2001 untergegangenen Liga WCW und deren Vorgängerpromotion Jim Crockett Promotions, für das Sting wie kaum ein Zweiter steht.

Obwohl Stings Hochzeit lange vorbei ist, wirkt seine Star-Aura noch immer, wie sein effektvolles Debüt eindrucksvoll bewies. Zudem bringt er rhetorische Qualitäten mit und vor allem auch das Potenzial für die Erzählung vieler Geschichten, die an sein reiches Erbe anknüpfen.

Für Cody Rhodes selbst etwa war Sting der erklärte Kindheitsheld, zudem verbindet diesen auch eine gemeinsame Historie mit Codys verstorbenem Vater Dusty Rhodes, dem einstigen Mastermind von WCW, auf dessen Wirken AEW in vielerlei Hinsicht aufbaut - zum Beispiel auch durch die On-Air-Präsenz der Legenden Arn Anderson und Tully Blanchard, einst Partner des unerreichten Ric Flair in dessen "Four Horsemen" und Rivalen von Sting und Rhodes senior.

WWE band diverse Altstars - Sting nicht

Wie sehr Sting einer Liga helfen kann, bewies sein Engagement für TNA zwischen 2003 und 2014: Obwohl er wrestlerisch schon damals über dem Zenit war, war er der wohl wichtigste Entwicklungshelfer für die Liga und deren damalige Jungstars AJ Styles und Samoa Joe. Die damaligen Ligaverantwortlichen betonten seinerzeit, dass Stings Prominenz ihnen nicht nur einen Zuschauerschub bescherte, sondern auch neue Türen bei Geschäftspartnern und Sponsoren öffnete.

Nicht umsonst setzte WWE seit der Gründung von AEW 2019 alles daran, bekannte Altstars, die für den Startup eine ähnliche Rolle hätten spielen können, vom Markt zu nehmen: Unter anderem bekamen der Undertaker und Flair de facto Lebenszeitverträge, auch das bei vielen WWE-Fans so umstrittene zweite Comeback von Bill Goldberg hatte den Hintergrund, dass er nicht bei AEW landen sollte.

Bei Sting ist das dem Marktführer nicht gelungen, offensichtlich reizt ihn die herausgehobene Rolle, die er für die aufstrebende Liga spielen kann - während WWE für ihn zuletzt keine größeren Pläne mehr für ihn zu haben schien.

AEW und Impact: Kenny Omega und Don Callis als Türöffner

Dass Stings Debüt zusammenfällt damit, dass seine Ex-Liga Impact nun mit AEW kooperiert, ist eine weitere bemerkenswerte Entwicklung.

Türöffner dafür war ist die Freundschaft des neuen Champs Omega - hinter den Kulissen auch Co-Geschäftsführer mit Rhodes und den Young Bucks Nick und Matt Jackson - mit Don Callis, der dieselbe Rolle im Impact-Management hat.

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Callis, in der kanadischen Wrestling-Szene einst von Omegas Onkel, dem Golden Sheik, zum Ring begleitet, war bereits der Ideengeber eines anderen folgenreichen Bebens: Er hatte das Match zwischen Omega und Jericho bei NJPW in Japan Anfang 2018 eingefädelt - den Kampf, mit dem sich Jericho von WWE emanzipierte und der seinem Engagement bei AEW den Weg bereitete.

Callis (einst als Jackyl und Cyrus auch bei WWE und ECW aktiv) scheint nun bei AEW zum Manager und Sprachrohr den nun als bösen "Heel" auftretenden Omega zu werden. Eine Liaison, die den Wrestling Observer an die von Managerlegende Bobby "The Brain" Heenan und dem frühen Hulk-Hogan-Rivalen Nick Bockwinkel erinnert, die als Vorbilder der beiden gelten.

Viele Talente beim früheren TNA

Die Zusammenarbeit von AEW und Impact, wo Callis und Omega am kommenden Dienstag gemeinsam auftreten werden, birgt noch viel weiteres Potenzial. Die Young Bucks kündigten in einem Podcast bereits "große Überraschungen" an, die sich daraus ergeben würden.

Wie groß diese wirklich sein können, ist Auslegungssache: Nach einer jahrelangen Krise ist Impact weit von der einstigen Popularität und Starpower entfernt. Der Neuaufbau, an dem Callis in den vergangenen Jahren beteiligt war, hat aber zumindest die eingefleischten Fans wieder überzeugt.

Impact bekam zuletzt regelmäßig gute Kritiken als Bühne für gute Wrestler und Wrestlerinnen, die anderswo ihre Nische nicht gefunden haben - wie etwa Rich Swann, Eddie Edwards, Sami Callihan, Rosemary, Deonna Purrazzo, Jordynne Grace oder auch Tenille Dashwood (Emma).

Der Deal mit Impact eröffnet AEW den Zugriff auf diesen Talentpool, der viele spannende Crossover-Fehden ermöglicht und vor allem auch der Frauen- und Tag-Team-Szene von AEW mehr Tiefe verleiht.

Den Bucks bieten sich als AEW Tag Team Champions nun zum Beispiel auch das Duo The North oder die Motor City Machine Guns (Alex Shelley und Chris Sabin) als Rivalen an, oder auch die von WWE unter pikanten Umständen entlassenen Karl Anderson und Luke Gallows, die amtierenden Impact-Titelträger, mit denen AEW schon im vergangenen Jahr weit gediehene Verhandlungen hatte.

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AEW hat schon bemerkenswerte Erfolge erzielt

Realistisch betrachtet dürften zwar weder Sting noch die Impact-Crosspromo dazu führen, dass die Quoten von Dynamite explodieren und in absehbarer Zeit die noch immer deutlich besseren Ratings der WWE-Hauptshows RAW und SmackDown angreifen können - zumal auch Champ Omega seine Qualität und kommerzielles Zugpferd erst noch beweisen muss.

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Dennoch festigen die Coups von AEW eine Entwicklung, die WWE nicht schmeckt: Trotz aggressiver Gegenschaltung der WWE-Drittshow NXT als direktem Konkurrenzprodukt hat sich der Angreifer etabliert, eine stabile Fanbasis aufgebaut und gerade bei jüngeren Zuschauern schon teils sensationelle Quotenerfolge über WWE errungen.

Während die TV-Zuschauerzahlen dort seit Jahren rückläufig sind, ist das Entwicklungspotenzial von AEW noch lange nicht ausgeschöpft. Und wo die Grenzen des Wachstums liegen, ist keinesfalls abzusehen.