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München - WWE-Rivale WCW feuerte vor 25 Jahren Steve Austin, auch weil Hulk Hogan ihm keine große Karriere zutraute - eine Fehleinschätzung mit massiven Konsequenzen.

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Die Wut und Verbitterung war ihm anzumerken, bei seinem ersten Auftritt nach dem größten Rückschlag einer hoffnungsvollen Karriere. Und die Zielscheibe war offensichtlich: Hulk Hogan.

Gekleidet und gestikulierend wie der größte Wrestling-Star der Welt kam Steve Austin - damals noch mit langen Haaren - bei der Liga ECW (Extreme Championship Wrestling) an.

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Auf die Frage, was das denn solle, er sei doch Steve Austin, antwortete der falsche Hulkster sarkastisch: Völlig falsch. Steve Austin, der sei unter seinem Niveau. Das sei ein Midcard-Mitläufer, einer, "der es nicht gebacken kriegt".

Steve Austin parodierte bei ECW seinen Kritiker Hulk Hogan
Steve Austin parodierte bei ECW seinen Kritiker Hulk Hogan © WWE Network

Was hinter dieser Anspielung steckte? Für Fans war es leicht zu entschlüsseln. Austin war kurz zuvor von der größeren, nach der Marktführerschaft strebenden Promotion WCW (World Championship Wrestlin) gefeuert worden - angeblich auch deshalb, weil Hogan ihm hinter den Kulissen das Potenzial für höhere Aufgaben abgesprochen haben soll.

Ein folgenschwerer Irrtum: Nachdem der damals 30-Jährige am Ende des Jahres zu WWE wechselte, entwickelte er als "Stone Cold" Steve Austin sich zum Megastar - und zur Schlüsselfigur im "Monday Night War", an dessen Ende sein alter Arbeitgeber WCW zerstört war.

Hulk Hogan soll Steve Austin nicht viel zugetraut haben

Dass das genau so abzusehen war, als der damalige WCW-Boss Eric Bischoff Austin vor die Tür setzte, wäre eine vermessene Behauptung.

Aber für Verwunderung sorgte es damals schon, dass Bischoff glaubte, auf Austins Dienste verzichten zu können. Als "Stunning" Steve Austin hatte sich die spätere "Texas Rattlesnake" schon damals als einer der spannendsten Wrestler der jüngeren Generation hervorgetan.

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Der am 18. Dezember 1964 in Victoria geborene Austin (bürgerlich: Steve Anderson, später Williams, heute auch offiziell Austin) war ein exzellenter Ringhandwerker, der als potenzieller Erbe des großen Ric Flair gesehen wurde - und dass er auch zu unterhalten wusste, bewies er unter anderem als Teil des vielgelobten Tag Teams "The Hollywood Blonds" mit dem tragisch früh verstorbenen Weggefährten Brian Pillman.

Warum er dennoch gehen musste? Der gut vernetzte Wrestling Observer Newsletter erklärte es damals so: Austin sei "nicht gerade schweigsam gewesen, was seine Unzufriedenheit über die Art und Weise anging, wie er eingesetzt wurde".

Und: "Als das Hogan-Camp an die Macht kam, hat es Austin als zu gut bezahlten Wrestler abgetan: ein guter Worker, aber kein Charisma." Keiner also, mit dem sich viel Geld verdienen lassen würde.

Ein Trugschluss, wie sich zeigen sollte.

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Als "Stone Cold" Schlüsselfigur der Attitude Era

Zwar hatte Austin auch bei der damaligen WWF Anlaufschwierigkeiten, sein erster Charakter als "Ringmaster" mit dem legendären "Million Dollar Man" Ted DiBiase als Manager floppte.

Die Neuerfindung als glatzköpfiger "Stone Cold" (Inspiration war Bruce Willis' Look in "Pulp Fiction") war der Wendepunkt: Austin wurde zum Mann der Stunde, als er das King-of-the-Ring-Turnier 1996 gewann und danach eine wegweisende Promo-Ansprache hielt, in der er sich über den Gottesglauben des unterlegenen Finalisten Jake "The Snake" Roberts lustig machte ("Talk about your Psalms, talk about John 3:16... Austin 3:16 says I just whipped your ass!").

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Um das fluchende Großmaul mit der faszinierenden Mischung aus Aggression und Coolness entwickelte sich ein Kult, den WWE mehr und mehr ins Zentrum ihres Programms rückte.

In einer großen Fehde mit Bret "The Hitman" Hart - mit dem wohl besten WWE-Match aller Zeiten bei WrestleMania 13 - wurde Austin vom Bösewicht zum Publikumsliebling. Im Jahr darauf besiegte er mit Hilfe von Gastringrichter Mike Tyson Shawn Michaels und wurde erstmals WWF-Champion. Seine große, wendungsreiche Fehde mit Ligaboss Vince McMahon wurde dann zur großen Gelddruckmaschine der "Attitude Era" - in der Austin auch in seinen großen Fehden gegen Dwayne "The Rock" Johnson, den Undertaker und Triple H glänzte.

Austin brach bei WWE alle kommerziellen Rekorde

Austins Popularität entfesselte einen neuen Wrestling-Boom, hob die Quoten der TV-Show Monday Night RAW und die Pay-Per-View-Verkäufe in ungeahnte Höhen, er trieb als Zugpferd der Liga WCW aus dem Geschäft und brach alle denkbaren Box-Office-Rekorde - auch die von Hogan, wie nicht nur McMahon vielfach betonte.

Der Erfolg Stone Colds war beispiellos und die Frage, ob er bei WWE der GOAT, der Größte aller Zeiten vor Hogan, Bruno Sammartino, Rock und John Cena war, wird wohl nur noch deshalb diskutiert, weil die Ära Austin von einer schweren Verletzung unfreiwillig verkürzt wurde.

Schon während seines WWE-Aufstiegs schleppte Austin schwere Nackenprobleme mit sich herum, die durch eine Horror-Landung im Match gegen den später tödlich verunglückten Owen Hart beim SummerSlam 1997 verschlimmert worden waren.

Im Jahr 2003 war Austin so lädiert, dass er im für einen Wrestler vergleichsweise jungen Alter von 38 Jahren Schluss machte – nach einem letzten großen Match gegen den großen Rivalen The Rock bei WrestleMania XIX.

Skandale um häusliche Gewalt als dunkler Schatten

Die Popularität des Phänomens Austin bei WWE-Fans ist ungebrochen: Seine regelmäßigen Nostalgie-Auftritte, in denen er wie ehedem Bier trinkt, Sprüche klopft und Stone Cold Stunner verteilt, sorgen bis heute für Jubelstürme und Quotenschübe.

Dass die Beziehung zwischen Austin und WWE auch ihre Tiefen hatte - 2002 etwa verließ er die Liga zwischenzeitlich, als er sich weigerte, zum damaligen Zeitpunkt gegen den jungen Brock Lesnar zu verlieren - ist vergessen.

Unbeirrt sind die meisten Fans auch von den dunklen Seiten Austins, die sich offenbart hatten: Zwei Ex-Partnerinnen warfen ihm häusliche Gewalt vor, unter anderem seine frühere Ehefrau und WWE-Managerin Debra Marshall. In ihrem Fall kam es 2002 zu einer Verurteilung, Austin kassierte eine einjährige Bewährungsstrafe. Brisant außerdem: Marshall warf WWE vor, einen Gewaltakt gegen sie vertuscht zu haben und brachte ihn in Verbindung mit "Roid Rage" - Missbrauch von Steroiden hätte Austin demnach psychisch aus dem Gleichgewicht gebracht.

Nach der aktiven Karriere: Filme, Serien, ein Podcast

Seit mehr als 15 Jahren ist es nun aber ruhig geworden um das persönliche Leben von Austin, der seit 2009 in vierter Ehe mit Frau Kristin zusammenlebt und eine Ranch in Nevada sein eigen nennt.

Austin tauchte in diversen Action-Filmen (unter anderem "The Expendables"), Serien ("Nash Bridges", "Celebrity Deathmatch") und TV-Shows auf, er moderiert auch die "Broken Skull Sessions", eine regelmäßige Interview-Show auf dem WWE Network und einen Podcast.

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Auch Hogan war dort schon zu Gast, Austin und er haben ihren Frieden gemacht und ihn bei der Supershow WrestleMania 30 2014 (ein Jahr, bevor Hogans Rassismus-Skandal ihn in Verruf brachte) demonstrativ bei einem gemeinsamen Bier mit The Rock begossen.

Dass Austin mittlerweile auf einer Stufe mit seinem einstigen Kritiker steht, daran bestand aber schon vorher längst kein Zweifel mehr.