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München - Als Chef der Wrestling-Liga WCW stieß Eric Bischoff WWE in den Neunzigern zwischenzeitlich vom Thron. Danach aber hatte er ein weniger glückliches Händchen.

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Er hat geschafft, was vor ihm undenkbar schien und auch nach ihm noch niemandem gelungen ist.

Eric Bischoff forderte das Wrestling-Imperium WWE heraus - und stürzte die Promotion von Vince McMahon vom Thron.

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Als Chef der Liga World Championship Wrestling (WCW) machte Bischoff das Projekt von Milliardär Ted Turner in den Neunzigern zum Marktführer. Mit aggressiver Personalpolitik warb er Hulk Hogan und andere Topstars wie "Macho Man" Randy Savage., Lex Luger, Kevin Nash und Scott Hall ab. Mit mutiger Programmplanung stellte er die Sendung Monday Nitro in direkte Konkurrenz zum WWE-Flaggschiff Monday Night RAW und wurde tatsächlich zum Seriensieger im Quotenduell.

Der zwischenzeitliche Triumph in den "Monday Night Wars" aber war nicht von Dauer. Die damalige WWF schlug zurück, Bischoff verlor er seinen Job und auch andere Projekte von "Easy E", der heute 65 Jahre alt wird, wurden zum Flop. Zuletzt mündete ein vollmundig angekündigter Versuch, hinter den Kulissen von WWE an die goldenen Zeiten anzuknüpfen, in einem völligen Fiasko.

1994: Eric Bischoff fordert mit WCW WWE heraus

Bischoff, geboren am 27. Mai 1955 in Detroit, war schon vor seiner Wrestling-Karriere ein umtriebiger Geschäftsmann, besaß Firmen für Landschaftsbau und Fleischlieferungen. Bei WCW heuerte er 1991 (nach einer vergeblichen Bewerbung bei WWE) als Kommentator, ein Job, in den er bei seinem vorherigen Arbeitgeber zufällig hineingerutscht war. Eigentlich hatte Bischoff bei der kurz zuvor von der Bildfläche verschwundenen Liga AWA im Vertrieb gearbeitet.

Bei WCW arbeitete sich Bischoff hinter den Kulissen Schritt für Schritt hoch und wurde 1994 zum "Executive Vice President" und starken Mann der Liga gemacht.

Bischoff galt nie als Kreativ-Genie, aber er setzte richtungweisende Prozesse in Gang, kämpfte bei Ligabesitzer Turner für eine bessere finanzielle Ausstattung der Liga, verordnete ihr, in großen Kategorien zu denken und zu handeln.

Eric Bischoff (r.) bei der legendären Invasion der WCW durch Scott Hall
Eric Bischoff (r.) bei der legendären Invasion der WCW durch Scott Hall © WWE

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Bischoff unterstrich seine Ambitionen, indem er diverse WWF-Topstars mit fürstlich dotierten Deals lockte, Hulk Hogan allen voran. Und er forderte die wichtigste WWF-Show RAW mit seiner eigenen, parallel laufenden Montagabend-Livesendung Nitro heraus. Den Konkurrenzkampf führte er mit harten Bandagen, reizte McMahon etwa auch mit Provokationen wie der des früheren Damenchampions Madusa (Alundra Blayze), die bei Nitro ihren früheren WWF-Titelgürtel demonstrativ in eine Mülltonne warf.

Erfolgsgeschichte nWo - Absturz 1999

Der entscheidende kreative Schachzug, der im Jahr darauf folgte: der Formation der Kult-Gruppierung New World Order (nWo) um Nash, Hall und den als Bösewicht neu erfundenen Hogan. Die nWo - der sich Bischoff auch selbst anschloss - wurde zum Mega-Erfolg und half auch, Publikumslieblinge wie Diamond Dallas PageSting und dem aufstrebenden Bill Goldberg als Gegenpole zu etablieren.

Hochkarätige Promi-Gastspiele, etwa ein Match mit den NBA-Superstars Dennis Rodman und Karl Malone verschafften WCW zusätzliche Publicity. Nitro fuhr in den USA 84 Wochen lang bessere Quoten als RAW ein, WCW war auf dem Gipfel - hielt sich dort jedoch nicht.

Als die WWF ab 1998 mit dem Erfolgsprojekt "Attitude Era" und neuen Stars wie Stone Cold Steve Austin und The Rock zurückschlug, fand Bischoff keine Antwort.

Der Versuch, den nachlassenden nWo-Hype mit dem berüchtigten "Fingerpoke of Doom" wieder anzuheizen, ging ebenso nach hinten los. WCW fiel in ein Loch - kreativ, quotentechnisch und finanziell. Im Herbst 1999 musste Bischoff unter dem Eindruck sinkender Ratings und finanzieller Verluste gehen.

Überraschender Wechsel zu WWE 2002

Weil es ohne Bischoff nicht besser wurde, wurde er im Jahr darauf nochmal zurückgerufen, aber auch der gemeinsame Wiederaufbau-Versuch mit dem  Vince Russo scheiterte. Der instinktlose PR-Schachzug, Schauspieler David Arquette zum World Champion zu machen, verprellte weitere Fans. Bischoff ging schließlich im Streit, als Russo öffentlich und real mit seinem Kumpel Hogan abrechnete und ihn rauswarf.

Als WCW 2001 vor der Pleite stand, versuchte Bischoff sie mit der Firma Fusient Media aufzukaufen - zog jedoch zurück, als klar wurde, dass die Liga ihre Sendeplätze bei Turners TV-Sendern verlor.

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Völlig überraschend ging Bischoff nach dem WCW-Aus zu WWE, wo er zwischen 2002 und 2005 bei WWE die Rolle des General Manager von RAW spielte - und unter anderem als Gegenspieler des aufstrebenden John Cena inszeniert wurde. Bischoff verkörperte den Schurken-Charakter glänzend, es war jedoch auch zu merken, dass McMahon ihn vor allem auch deshalb verpflichtete, weil er es genoss, dass sein ehemaliger Erzfeind nun sein Untergebener war. Bischoffs Zeit bei RAW endete mit einer inszenierten Entlassung, bei der McMahon Bischoff am Schluss eines Comedy-Schauprozess in einen Mülltransporter warf.

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TV-Shows, Podcast, Projekte mit Hulk Hogan

In den vergangenen Jahren war Bischoff hauptsächlich in anderen Gebieten aktiv, er produzierte diverse Reality-Shows und Videospiele, moderiert einen Podcast. Sein langjähriger Freund und Weggefährte Hogan stand im Zentrum mehrerer Projekte, etwa der Reality-Show "Hulk Hogan's Celebrity Championship Wrestling", bei der sich Promis im Wrestling-Ring versuchten.

Mehrere Comebacks in der Wrestling-Branche scheiterten, sein Intermezzo bei TNA (heute Impact) zusammen mit Hogan zwischen 2010 und 2014 blieb ebenso als Fehlschlag in Erinnerung wie seine überraschende WWE-Berufung 2019.

Eric Bischoff (l., mit Eve Torres und Mike Kanellis) trat im Juli 2019 kurz bei RAW auf
Eric Bischoff (l., mit Eve Torres und Mike Kanellis) trat im Juli 2019 kurz bei RAW auf © WWE

In einem schlagzeilenträchtigen Personalcoup engagierte McMahon seine alten Rivalen Bischoff und Paul Heyman (ECW) als neue Verantwortliche für die TV-Shows SmackDown und RAW. Bischoff wurde jedoch schnell wieder gefeuert, er hinterließ den Eindruck, beim Thema Wrestling schlicht nicht mehr auf dem Laufenden zu sein - weswegen auch ein Engagement beim neuen Rivalen AEW als unwahrscheinlich gilt.