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München - Die zweite Nacht von WrestleMania 36 endet mit zwei denkwürdigen Duellen zwischen alter und neuer WWE-Generation. Drew McIntyre und The Fiend triumphieren.

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Die Folgen der Corona-Pandemie zwangen WWE zu einer Geister-WrestleMania ohne Zuschauer - es ist der Wrestling-Liga aber durchaus gelungen, einiges aus der Not herauszuholen.

Nachdem Tag 1 des erstmals zweitägigen Jahreshöhepunkts mit einem unorthodoxen, aber sehenswerten Mini-Actionfilm um den Undertaker schloss, inszenierte die Promotion auch an Tag 2 denkwürdige Momente.

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Während aber der ersten Abend mit einem Sieg des Undertaker im "Boneyard Match" gegen AJ Styles endete, wurden am zweiten zwei ältere Stars, die die vergangenen Jahrzehnte entscheidend prägten, auf denkwürdige Weise bezwungen.

Drew McIntyre entthront Brock Lesnar

Im Hauptkampf verlor Brock Lesnar - der erste WrestleMania-Bezwinger des Taker 2014 - seinen WWE-Titel an den aufstrebenden Drew McIntyre, der damit seinen Aufstieg in die Showkampf-Elite krönte.

McIntyre steckte in einem kurzen, aber effektvollen Main Event dreimal den F5, die Standardaktion Lesnars ein. Er befreite sich jedoch auch dreimal,  beim ersten Mal sogar schon, als der Ringrichter nur bis 1 gezählt hatte.

Als Lesnar und sein Manager Paul Heyman McIntyre dann drohten, die ganze Nacht so weitermachen zu können, konterte der "Scottish Psychopath" den Ansatz zum vierten F5 aus, schickte Lesnar in die Seile und empfing ihn mit seinem eigenen Standard-Manöver, dem Claymore Kick - den er selbst dann noch zweimal nachlegte und Lesnar damit schließlich abfertigte.

McIntyre, der einst als "Chosen One" von WWE-Bosse Vince McMahon inszeniert, dann aber abstürzte, zwischenzeitlich gefeuert wurde, 2017 aber als verbessertes Komplettpaket zurückgekommen war, hat damit seinen ersten ganz großen Titel bei WWE errungen.

The Fiend schlägt John Cena vernichtend

Mindestens genauso denkwürdig der Co-Main-Event: In einem ähnlich wie das Undertaker-Styles-Duell, aber noch surrealer inszenierten "Firefly Funhouse Match" verlor Superstar John Cena gegen seinen alten Rivalen Bray Wyatt beziehungsweise dessen Alter Ego The Fiend.

Der clever und voller Anspielungen inszenierte Horror-Trip führte Cena in die von Wyatt gesteuerte Funhouse-Welt, die die schizophrene Gedankenwelt Wyatts widerspiegeln soll: Cena wurde dabei wider Willen in eine Rückschau auf seine eigene Karriere transportiert, in der er sich auch plötzlich in seinen eigenen alten Charakteren als Jungstar und als rappender "Doctor of Thuganomics" wiederfand - und auch als Wiedergänger von Hulk Hogan in den achtziger und neunziger Jahren.

Auch Wyatt schlüpft zwischenzeitlich nochmal in seine alte Rolle als Kultführer der Wyatt Family (in der er von Cena bei WrestleMania 30 besiegt worden war) und dann schließlich in die des Fiend, der den durch Wyatts Kopfspielchen zermürbten Cena mit dem Aufgabegriff Mandible Claw niederstreckte und scheinbar "auslöschte". Das Match endete damit, dass der besiegte Cena von einem Moment auf den anderen aus dem Ring geschnitten wurde, als wäre er wegteleportiert worden (Lesen Sie hier die unglaubliche Geschichte, wie ein realer Mordfall den Fiend-Finisher inspirierte).

Fünf Wochen nach seiner umstrittenen Niederlage gegen den am ersten Tag von WrestleMania von Braun Strowman bezwungenen Bill Goldberg hat der Fiend sich mit Macht zurückgemeldet (John Cena vs. "The Fiend" Bray Wyatt bei WWE WrestleMania 36 - das steckte hinter den versteckten Anspielungen).

Rob Gronkowski wird Champion

Schlagzeilenträchtig außerdem noch: Der ehemalige NFL-Kultstar Rob Gronkowski gewann seinen ersten Titel bei WWE. Der eigentlich als Moderator der Show  angekündigte Gronk pinnte seinen Kumpel Mojo Rawley, der ihm den immer auf dem Spiel stehenden 24/7 Title am Vorabend noch vor der Nase weggeschnappt hatte.

Gronk sprang zuvor mit einer Art Stage Dive in eine Traube sich um den Gürtel prügelnder Wrestler - von der man nur hoffen kann, dass niemand von ihnen den Coronavirus eingeschleppt hatte.

Der Gürtel ist zwar mehr ein Running Gag als eine ernstzunehmende Trophäe, dennoch hat sich der ehemalige Teamkollege von Tom Brady bei den New England Patriots nun schon mal bei seinem neuen Arbeitgeber verewigt.

Die weiteren Highlights:

- Im Eröffnungskampf gab es ein weiteres Duell der Generationen: Top-Talent Rhea Ripley, Damenchampion des NXT-Kaders, traf auf die vieldekorierte Charlotte Flair. In einem rund 20-minütigen Schlagabtausch verlangte Ripley der Tochter des "Nature Boy" Ric Flair alles ab, die aber behielt mit dem Figure-Eight letztlich die Oberhand und scheint damit nun vorerst von RAW zur Mittwochsshow zu wechseln.

- Der Niederländer Aleister Black, als Tommy End einst auch eine Stütze der deutschen Wrestling-Szene, triumphierte in seinem ersten WrestleMania-Einzelmatch mit dem Black Mass Kick gegen Bobby Lashley - und scheint damit bei WWE weiter auf dem Weg nach oben zu sein. Einen unfreiwilligen Beitrag leistete aber auch Lashleys (Story-)Ehefrau Lana, die Lashley von außen anwies, den schon besiegt wirkenden Black mit einem Spear endgültig abzufertigen - der dann von Black ausgekontert wurde.

- Nachdem bei der SmackDown-Ausgabe vor WrestleMania enthüllt wurde, dass die ungleiche Romanze zwischen Mandy Rose und Otis von Heavy Machinery von Roses Freundin Sonya Deville sabotiert wurde, tat Rose im Mania-Duell zwischen Otis und ihrem zweiten Verehrer Dolph Ziggler nun, was sie tun musste: Sie half Otis - nachdem zuerst Devill sich einzumischen versuchte - mit einem Tiefschlag gegen den mit Deville verschworenen Ziggler. Otis pinnte ihn dann mit dem Caterpillar Elbow und feierte mit Rose.

- Hall of Famer Edge krönte sein beim Royal Rumble eingeleitetes Comeback aus der Sportinvalidität und besiegte Ex-Partner Randy Orton in einem über 30 Minuten langen (nach Meinung vieler Fans auch zu langem) Last Man Standing Match. Orton stand nicht mehr auf, als Edge ihm auf einem Produktionstruck das Conchairto verpasste, einen Stuhlschlag auf den Kopf, bei dem ein anderer Stuhl unter dem Kopf klemmte. Es war die Rache dafür, dass Edge die Aktion in der Fehde selbst einstecken musste und dafür, dass Orton auch Edges Ehefrau Beth Phoenix attackiert hatte. Auch in dem Match provozierte Orton mit dem Versuch eines Kopftritts eine ebenso heftige Reaktion.

- Die Street Profits verteidigten ihre RAW-Tag-Team-Titel gegen das Nachwuchs-Duo Angel Garza und Austin Theory. Als deren Managerin Zelina Vega hinterher zu einer weiteren Attacke dirigierte, kam den Profits Bianca Belair aus dem NXT-Kader zu Hilfe, die sich den Street Profits nun angeschlossen zu haben scheint (Lesen Sie hier die reale und traurige Vorgeschichte von WWE-Star Zelina Vega). Belair ist die Ehefrau von Street-Profits-Mitglied Montez Ford.

- SmackDown-Damenchampion Bayley verteidigte ihren Titel in einem Elimination Match gegen vier Herausforderinnen, unter anderem gegen ihre eigene Partnerin Sasha Banks. Banks war von Lacey Evans eliminiert worden und es fiel auf, dass Bayley das zuließ, statt "The Boss" zu helfen. Banks schien das nicht mitbekommen zu haben und half ihrerseits Bayley mit einem unfairen Eingriff, Evans auszuschalten. Bayley und Banks feierten dann gemeinsam, wobei Bayley sichtbar auf der Hut vor einem potenziellen Verrat war - alles deutet darauf hin, dass ein Bruch und ein Match des Duos in Planung ist.

Die Ergebnisse von WWE WrestleMania 36 - Tag 2:

NXT Women's Title Match: Charlotte Flair besiegt Rhea Ripley (c) - TITELWECHSEL!
Aleister Black besiegt Bobby Lashley
Otis besiegt Dolph Ziggler
Last Man Standing Match: Edge besiegt Randy Orton
RAW Tag Team Title Match: The Street Profits besiegen Angel Garza & Austin Theory
SmackDown Women's Title Elimination Match: Bayley (c) besiegt Lacey Evans, Naomi, Sasha Banks, Tamina
Firefly Funhouse Match: Bray Wyatt / The Fiend besiegt John Cena
WWE Title Match: Drew McIntyre besiegt Brock Lesnar (c) - TITELWECHSEL!