Marty Scurll wird von ROH offenbar nicht mehr eingesetzt
Marty Scurll bindet sich an ROH statt an WWE oder AEW © NJPW
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München - Der von WWE und AEW begehrte Marty Scurll hat sich gegen beide Ligen entschieden - und wird stattdessen mit einem historischen Deal starker Mann bei ROH.

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Er war der vielleicht begehrteste Free Agent des Wrestling-Winters - und hat nun eine zumindest für Außenstehende überraschende Entscheidung getroffen.

Der britische Top-Showkämpfer Marty Scurll, Weggefährte des AEW-Führungsteams um Cody Rhodes, geht nach übereinstimmenden Medienberichten weder zu AEW noch zu WWE, sondern zu Ring of Honor (ROH).

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Der 31-Jährige hat sich laut Pro Wrestling Insider und Wrestling Observer längerfristig an seinen bisherigen Hauptarbeitgeber, wo einst WWE-Topstars wie CM Punk, Daniel Bryan und Seth Rollins ihren Durchbruch gefeiert hatten.

Scurll wird auch Teil des Kreativteams - wenngleich offenbar doch nicht als Chefbooker, wie ursprünglich berichtet.

Scurll bestimmt jetzt also die kreativen Prozesse der zuletzt kriselnden Liga mit, zusammen mit Hunter Johnston (Delirious). Dem Observer zufolge hat Scurll den "lukrativsten Vertrag in der Geschichte des Unternehmens" unterzeichnet, er werde bezahlt wie ein RAW- oder SmackDown-Star, ohne annäherend so viele Matches bestreiten zu müssen.

Marty Scurll war begehrt bei WWE und AEW

Der 31 Jahre alte Scurll - Markenzeichen: Regenschirm und Vogelmaske - war Mitglied der Gruppierung "The Bullet Club", in der die AEW-Begründer und -Vizepräsidenten Rhodes, Nick und Matt Jackson (The Young Bucks) sowie Kenny Omega bei NJPW in Japan und der US-Partnerliga ROH zusammenfanden. Er blieb auch im Bunde, als daraus "The Elite" hervorging, die Kerntruppe von AEW.

Marty Scurll und Will Ospreay sind ins Zwielicht gerückt
Marty Scurll zeigt bei NJPW gegen Will Ospreay seinen Finisher, den Chicken Wing Crossface © NJPW

Scurll hatte alle denkbaren Karriere-Optionen auf dem Tisch, unter anderem ist Interesse von WWE verbrieft. Der Marktführer hätte Scurll allein schon deshalb gern gehabt, um den AEW-Gründern zumindest einen ihrer Weggefährten wegzuschnappen. Der gesamte AEW-Kern hatten im vergangenen Jahr lukrative Angebote von WWE ausgeschlagen, mit denen der Marktführer die Ligagründung verhindern wollte.

Scurll hat sich in Europa, Amerika und Japan als Top-Wrestler und charismatische Erscheinung hervorgetan, seine Popularität bemerkte WWE auch am WrestleMania-Wochenende in diesem Jahr: Bei der Hall-of-Fame-Aufnahme der D-Generation X wurde WWE-Vorstand Triple H dort von zahlreichen Fans mit dem Ruf "Too Sweet Woop Woop" traktiert. Das "Too Sweet" hatte der Bullet Club Triple Hs früherem Wrestler-Freundeskreis "The Kliq" entliehen, das Vogelgeräusch "Woop Woop" ist das Erkennungssignal von Scurll.

Bei ROH bildete Scurll nach dem Abgang seiner Kollegen die Gruppierung "Villain Enterprises" mit Brody King und Altstar-Phänomen PCO.

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ROH-Deal lässt Tür für andere Projekte offen

Im November hatte AEW in seiner YouTube-Show "Being The Elite" beiläufig ein Foto in Szene gesetzt, auf dem Scurll mit seinen alten Kollegen zu sehen war, als Teil einer Story um dessen früheren Elite-Kollegen Hangman Page - was wie ein Indiz für eine Verpflichtung schien.

Stattdessen spielt Scurll nun eine tragende Rolle bei einer Liga, die ihren Platz in der neu geordneten Wrestling-Landschaft noch sucht. Im vergangenen Jahr hatte ROH zusammen mit NJPW zwar die größte Show ihrer Geschichte im New Yorker Madison Square Garden auf die Beine gestellt, danach aber stand die Liga zunehmend im Schatten von AEW, auch geschäftlich soll es seitdem nicht so gut gelaufen sein.

Der Deal mit ROH lässt Scurll die Tür für andere Projekte offen: Er kann weiter bei NJPW antreten und auch bei NWA, wo er eine Fehde mit Champion Nick Aldis begonnen hat, die an diesem Wochenende auch zu ROH übergeschwappt ist.

Bei WWE ist die Tür nun zu für Scurll, AEW sieht ROH Stand jetzt auch als Konkurrenten. Zwar erlaubt AEW seinen Stars Ausflüge in andere Ligen, in größere jedoch nur außerhalb Nordamerikas.

Dem Observer zufolge hofft Scurll allerdings auf eine Annäherung, um auch bei AEW antreten zu können.