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München - Edge, Christian und die Hardy Boyz machten sich vor 20 Jahren mit einem Leiter-Spektakel zu Stars. Ihr Risiko-Stil hatte aber nicht nur angenehme Folgen.

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Man müsse diesen Kampf gesehen haben, notierte der damals wie heute bekannteste Kritiker der Wrestling-Welt.

"Wenn nämlich irgendeiner von diesen Jungs es an die Spitze schafft", schrieb Dave Meltzer in seinen Wrestling Observer Newsletter, "dann wird es als ihr erstes großes Match in Erinnerung bleiben."

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Über 20 Jahre ist es mittlerweile her, das wegweisende "Ladder Match" zwischen Matt und Jeff Hardy sowie Edge und Christian bei der WWF-Show No Mercy am 17. Oktober 1999.

Und was soll man sagen? Alle vier dieser Jungs haben es an die Spitze geschafft. Und ihr Leiterkampf ist als ihr erstes großes Match in Erinnerung geblieben.

WWE-Jungstars stahlen The Rock und Co. die Show

Was die vier Jungstars von damals an diesem Abend auf die Bühne brachten, war eine Performance, wie es die WWE-Fans so noch nicht gesehen hatten, eine kreative und halsbrecherische Athletik-Schau, die die Standards für diese Art von Match bei der heutigen WWE neu definierte.

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Auf dem Höhepunkt der sagenumwobenen "Attitude Era" stahlen die Jungtalente von damals den etablierten Topstars um Stone Cold Steve Austin und The Rock die Show. Edge, Christian und die Hardys - damals alle Mitte 20, hungrig und auf ihrem athletischen Höhepunkt - brachten ihre Karrieren an diesem Abend zum explodieren.

Die Art und Weise, wie sie es taten, hatte langfristig aber nicht nur angenehme Folgen.

Matt und Jeff Hardy suchten nach dem "Klick"

Ein Blick zurück auf die Situation, in der sich beiden Duos damals befanden: Die Hardys, gemeinsam als Farmerskinder in North Carolina aufgewachsen, hatten über eine selbst aufgezogene Hinterhof-Liga den Weg zur WWF gefunden. Bereits als Teenager waren sie dort aktiv, erst als "Jobber", die jedes Match verloren, seit 1998 unter festem Vertrag.

Matt (l.) und Jeff Hardy zu Beginn ihrer WWF-Karriere 1998
Matt (l.) und Jeff Hardy zu Beginn ihrer WWF-Karriere 1998 © WWE

Tag Team Champions waren sie früh, mit dem legendären "Freebird" Michael Hayes als Manager, einst Rivale der von Tragik umwehten Von-Erich-Familie. Richtig klick machte es aber nicht bei den Fans, als Konsequenz versuchte es WWE mit einem "Heel Turn", in dem die Hardys sich gegen Hayes wandten und den Goth-Vampircharakter Gangrel als neuen Begleiter rekrutierten.

Dieser war zuvor in der ersten Version von "The Brood" mit Edge und Christian verbunden, auch kurz als Handlanger des Undertaker in dessen düsterer Gruppierung "Ministry of Darkness".

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Edge (Adam Copeland) und Christian (Jay Reso) waren zwei Begabungen, die in ihrer Heimat Kanada den als Trainings-Folterkammer berüchtigten, von Brets Vater Stu Hart errichteten "Dungeon" durchliefen.

Sie erschienen ebenfalls 1998 bei der WWF auf der Bildfläche und kämpften in wechselnden Konstellationen gegen- und miteinander. Sie wurden von der WWF als Brüder inszeniert, sind in Wahrheit aber nur gute Freunde (die später auch gemeinsam eine Webshow und einen Podcast aufzogen).

Edge und Christians Werk, Russos Beitrag

Edge und Christian traten 1999 mit einer Idee an den allmächtigen Ligachef Vince McMahon heran: Sie hielten es für sinnvoll, eine längere Matchserie gegen ein anderes Duo zu bestreiten, in der sie ihr athletisches Talent besser zur Schau stellen wollten.

McMahon willigte ein und entschied sich für die Hardys als Gegner - er und sein damaliger Chefschreiber Vince Russo trauten der Idee, dass sich die vier allein durch gutes Wrestling etablieren könnten, aber doch nicht so ganz über den Weg.

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Russo ergänzte die Matchserie um den Zusatz, dass die beiden Duos um die Gunst der leicht bekleideten Terri Runnels (Ex-Ehefrau von "Goldust" Dustin Rhodes) kämpfen sollten. Er nannte die fünfteilige Matchserie "Terri Invitational Tournament", abgekürzt "T.I.T.", Terri hatte ja Brüste.

Die Geschichte endete damit, dass Gangrel bei der TV-Show RAW nach dem "T.I.T."-Finale mit Terri zum Ring kam und darauf hinwies, dass sie sich diese für eine heiße Nacht im Hotel geschnappt hätte, nachdem sich alle anderen ja im Ring zu sehr ausgepowert hätten. Edge, Christian und die Hardys verprügelten Gangrel dann gemeinsam. Man ahnt im Nachhinein, warum der Stern von Russo sank, als er wenig später zur Konkurrenzliga WCW wechselte und dort mit seinen Ideen zu ihrem Untergang beitrug.

Stehender Applaus der Fans bei No Mercy 1999

Russos Story-Popanz und Schulhofhumor waren schnell vergessen, in Erinnerung blieb das, was die jungen Duos selbst anlieferten: Sie bekamen für den krönenden Abschluss ihrer Matchserie rund 15 Minuten Kampfzeit und die Freiheit, den Kampf selbst durchzuplanen.

Sie entschieden sich, in diesem begrenzten Rahmen nicht mit einem dramaturgischen Aufbau aufzuhalten, wie ihn zuvor die stilbildenden Leitermatches zwischen Shawn Michaels und Razor Ramon 1994/95 ausgezeichnet hatten. Sie zündeten ein "Spotfest" mit neuen Stunts und Stürzen im Sekundentakt. Bumm Bumm Bumm - nichts dazwischen.

Die anfangs nur höflich interessierten Fans waren minütlich begeisterter und spendeten am Ende stehende Ovationen, nachdem Jeff Hardy die Leiter erklomm und die fiktive Zusatzprämie von 100.000 Dollar aus der Luft pflückte, um das Match zu gewinnen. Auch den Hauptkampf des Tages zwischen WWF-Champion Triple H und Megastar Austin stellte das Spektakel in den Schatten.

TLC mit den Dudley Boyz als nächste Stufe

Was folgte, ist jedem WWE-Fan, der länger dabei ist, grob bekannt: Die Hardys und "E&C" bauten das Erfolgsprojekt nach einem zwischenzeitlichen Friedensschluss zu einer großen Rivalität aus. Später schalteten sich in diese noch die aus der auf ähnliche Matches spezialisierten Liga ECW bekannten Dudley Boyz ein.

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Die beiden gefeierten Matches der drei Duos beim SummerSlam 2000 und bei WrestleMania X-7 2001 waren der Höhepunkt. Unter dem Motto TLC (Tables, Ladders & Chairs) kamen neben Leitern dort auch Tische und Stühle zum Einsatz. An der Seite der Hardys mischte am Ende auch die ähnlich populäre Lita (Amy Dumas) mit.

Eine reale Fehde gab's später auch noch: Besagte Lita war privat mehrere Jahre mit Matt Hardy liiert - und dann auf einmal mit Edge (der anschließende Rosenkrieg fand dann auch noch seinen Weg in die Storywelt von WWE).

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Edge machte die größte Karriere

Nachdem die große Tag-Team auserzählt war, schafften Edge, Christian und die Hardys auch als Einzelwrestler den Durchbruch.

Komplettpaket Edge stieg zum elfmaligen WWE- und World Champion, größten Gegenspieler von Superstar John Cena und zum Hall of Famer auf, auch Partner Christian und der besonders waghalsige Jeff Hardy hielten die bedeutendsten Titel der Liga.

Matt Hardy war der einzige, der es nicht ganz so weit brachte, aber auch er hatte eine veritable Einzelkarriere, die mit seiner späten Neuerfindung als skurriler Superschurke "Broken/Woken Matt" und der Kult-Inszenierung "The Final Deletion" nochmal ungeahnte Höhen erreichte.

Hardy Boyz noch immer aktiv - lädiert sind alle

Der Ruhm, den sich die beiden Duos erarbeiteten, hatte aber seinen Preis: Mit denselben Mitteln, mit denen sie sich den Durchbruch erarbeiteten, betrieben sie auch schweren Raubbau an ihren Körpern.

Edge (l., mit Ex-Frau Alannah) und Jeff Hardy hinter den Kulissen von WWF No Mercy 1999
Edge (l., mit Ex-Frau Alannah) und Jeff Hardy hinter den Kulissen von WWF No Mercy 1999 © WWE

Edge hatte früh in seiner Karriere schwere Nackenprobleme, die viel mit seinen frühen Stunt-Festivals zu tun hatten. 2011 zwang ihn die Schäden zum frühen Rücktritt, als er Lähmungserscheinungen bekam und eine Fortsetzung der Karriere lebensgefährlich geworden wäre - wobei er 2020 ein spätes und überraschendes Comeback mit 46 feierte.

Während sich auch Christian 2014 nach einer schweren Kopfverletzung aus dem Ring zurückzog, sind Matt und Jeff mit jeweils über 40 Jahren immer noch aktiv, erklärtermaßen sind aber sowohl Matt als auch Jeff körperlich ebenfalls schwer geschunden. Matt - mittlerweile bei der Liga AEW aktiv - durchlitt zwischenzeitlich auch schwere Suchtprobleme, auch Hardy stand wegen Alkohol- und Drogeneskapaden immer wieder in den Negativ-Schlagzeilen.

Mit ihrem Leitermatch und dem, was folgte, haben Edge, Christian und die Hardys einen neuen Standard gesetzt und die Erwartungen der Fans an diese Art von Kämpfen weit in die Höhe geschraubt. Jeder, der ihnen nacheifert, muss sich des Risikos bewusst sein, das sie damit eingehen.