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München - WWE-Star Alexa Bliss besucht SPORT1, redet über ihre Inspirationen, ihre Ring-Pause und darüber, wie der Fiend im wahren Leben ist. Hier das Interview.

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Als Kind wurde sie in eher ärmliche Verhältnisse geboren, im jugendlichen Alter überwand sie eine lebensbedrohliche Essstörung, bei WWE erlebte sie einen Aufstieg, der ähnlich märchenhaft wie in den von ihr bewunderten Disney-Filmen ist.

Alexa Bliss ist fünfmaliger Damenchampion bei der weltgrößten Wrestling-Liga, ist einer der populärsten weiblichen Showkämpferinnen überhaupt, allein auf Instagram folgen ihr über vier Millionen Anhänger.

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In dieser Woche schaute sie bei einer Promo-Tour durch Deutschland auch in der SPORT1-Redaktion in Ismaning bei München vorbei. Im Interview spricht die 28-Jährige über Inspirationen im wahren Leben, eine Verletzung, die ihre Fans im vergangenen Jahr in Angst versetzte, Partnerin Nikki Cross und wie Bray Wyatt, der Mann hinter der unheimlichen Horror-Gestalt The Fiend, im wahren Leben ist.

SPORT1: Alexa Bliss, in einem vergangenen Interview haben Sie uns schon von den Einflüssen auf Ihren Wrestling-Charakter erzählt: WWE-Legende Trish Stratus, die Schurkinnen aus der Disney-Welt. Haben Sie inzwischen neue Inspirationen eingearbeitet?

Alexa Bliss: Ich bekomme viel Inspiration von den Menschen um mich herum. Ich beobachte die Leute und wenn jemand etwas tut, was mich nervt, klaue ich das. Was mich nervt, dürfte ja auch andere nerven - und als Böse ist das ja mein Job.

SPORT1: Sie mussten Ende 2018/Anfang 2019 eine längere Ringpause einlegen, was man zu hören bekam, klang dramatisch. Was war passiert?

Bliss: Ich habe bei Hell in a Cell im Match gegen Ronda Rousey eine Gehirnerschütterung erlitten und es hat sich im Nachhinein gezeigt, dass ich wohl zu früh wieder in den Ring zurückgekehrt war. Ich habe noch eine Gehirnerschütterung erlitten, die mich dann lange außer Gefecht gesetzt hat. Jetzt ist aber alles wieder in Ordnung, ich bin bei WWE in den Händen der bestmöglichen Ärzte, Neurologen und Neuropsychologen und fühle mich wieder in Topform.

SPORT1: Ist das Wrestling bei WWE gefährlicher geworden als in früheren Zeiten? In den Matches von heute steckt viel mehr Tempo als früher, das dürfte das Verletzungsrisiko erhöhen.

Bliss: Generell konnte und kann im Ring immer etwas schief gehen. Für diese Fälle hat WWE aber ein großartiges medizinisches Personal. Das Risiko mag heute größer sein, aber ich glaube, das, was unser ärztlicher Stab leistet, gleicht das aus.

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SPORT1: Sie haben bei WWE alle wichtigen Titel gewonnen, die es für Sie zu gewinnen gibt. Welche Ziele bleiben?

Bliss: Nicht schlecht wäre zum Beispiel, bei SmackDown nochmal Damenchampion zu werden: Da war ich nur zweimal Champion, bei RAW dreimal, das will ich noch ausgleichen.

SPORT1: Beim historischen ersten Frauen-Hauptkampf bei WrestleMania zwischen Becky Lynch, Ronda Rousey und Charlotte Flair waren Sie nicht dabei. Ist es Ihr Ziel, beim nächsten Match in dieser Dimension mitzumischen?

Bliss: Natürlich, einen WrestleMania-Hauptkampf zu bestreiten, das wäre toll. Aber ich sehe es so: Das Match war nicht nur ein Ritterschlag für Becky und ihre Gegnerinnen, es war ein Ritterschlag für alle, die dazu beigetragen haben, das Frauenwrestling bei WWE so weit zu bringen, bei NXT, in der Women's Revolution, bei der ersten Frauenshow Evolution. Wir alle haben unseren Beitrag geleistet.

SPORT1: Der WWE-Charakter, über den gerade alle reden: The Fiend. Jagt er Ihnen Bray Wyatts Horror-Alter-Ego auch ein bisschen Angst ein?

Bliss: Bray Wyatt hat da auf jeden Fall eine sehr unheimliche Seite seiner selbst entdeckt. Ich finde brillant, was er macht und bin sehr gespannt, wo das hinführen wird.

SPORT1: Sie erleben Wyatt ja auch hinter den Kulissen. Wie ist er im echten Leben?

Bliss: Er ist toll. Es macht ihn aus, dass er scheinbar unerschöpfliche Inspiration aus allen möglichen Dingen zieht, das merkt man ihm an. Wenn ich mit ihm zu tun habe, geht es meistens darum, dass er mir Gruselfilme empfiehlt. Das wird auch Teil seines Erfolgsrezepts sein (lacht).

SPORT1: Im Oktober verändert sich die Wrestling-Landschaft, nicht nur bei WWE. Wie sehen Sie die neue Konkurrenz durch AEW?

Bliss: Ich finde, Konkurrenz ist immer gut. Es ist eine gesunde Sache, dass es Wettbewerb gibt, dass wir herausgefordert werden und uns auch mit anderen messen können.

SPORT1: Ihre Partnerin Nikki Cross ist relativ neu im Hauptkader, noch ist nicht jeder Fan mit ihr vertraut. Was erwarten Sie von ihr?

Bliss: Viel, sie ist unglaublich. Sie hat jede Menge Energie, ist eine Art menschliche Zündkerze. Ich habe versucht, sie auf entkoffeinierten Kaffee umzustellen, aber das hat nicht geklappt (lacht). Ich liebe es, ihre Partnerin zu sein und dass ich die Tag-Team-Titel mit ihr halten kann. Sie ist in kurzer Zeit weit gekommen und ich bin gespannt, wie es sich für sie entwickelt.

Alexa Bliss und Nikki Cross regieren die Frauen-Division von WWE als Tag-Team-Champions
Alexa Bliss und Nikki Cross regieren die Frauen-Division von WWE als Tag-Team-Champions © WWE

SPORT1: Es sah zu Beginn so aus, als ob Nikki Cross Ihnen nicht ganz trauen könnte, zuletzt aber ist es harmonischer geworden. Wo führt diese Story hin?

Bliss (grinst): Alle denken irgendwie, dass man mir nicht trauen kann, weil meine vergangenen Freundschaften mit Mickie James und Nia Jax nicht so gut ausgegangen sind. Da habe ich wohl nicht die richtigen Freundinnen ausgewählt, jetzt aber schon. Die Vergangenheit ist Vergangenheit, wir sind beide nicht nachtragend, wir haben ja auch ihre etwas irre Seite, die sie bei NXT gezeigt hat, unter den Teppich gekehrt.

SPORT1: Cross war bei NXT Teil der SanitY-Gruppierung mit der deutschen Hoffnung Alexander Wolfe. Jetzt gibt es bei NXT / NXT UK sogar eine deutschsprachige Gruppierung, das "Imperium" um WALTER aus Österreich. Auch Jazzy Gabert aus Deutschland hat bei den Frauen von NXT UK schon Eindruck gemacht - auch bei Ihnen?

Bliss: Ja, man sieht, dass sie es bei NXT UK schon mächtig krachen lassen. Ich glaube, da ist viel Potenzial da, dass sie sich zu Top-Leuten entwickeln. Ich bin gespannt, wo ihre Karrieren hinführen.

SPORT1: Im November werden Sie wieder in Deutschland sein, es geht nach Erfurt, Mannheim, Regensburg und Düsseldorf. Was erwarten Sie sich?

Bliss: Ich freue mich vor allem auf die deutschen Fans, die gehören zu unseren besten und lautesten - und auch darauf, dass ich an den vier Tagen vielleicht auch mal Zeit habe, etwas mehr von Deutschland zu erleben, das war mir wegen des Tourstresses bisher noch nicht so richtig möglich. Diese Woche gibt es aber auch schon mal einen Höhepunkt: Ich gehe aufs Oktoberfest.