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München - Nach einem großen Knall hinter den WrestleMania-Kulissen pausierte Sasha Banks bei WWE monatelang. Für ihr Comeback hat sie sich intensiv gerüstet.

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Das Tischtuch zwischen WWE und Sasha Banks schien zerschnitten - nun scheint es wieder geflickt zu sein.

Sasha Banks, die nach einem angeblich heftigen Krach hinter den Kulissen monatelang nicht mehr im TV-Programm der Wrestling-Liga zu sehen war, hat bei der ersten RAW-Ausgabe nach dem SummerSlam 2019 ihr Comeback gefeiert - und mit einer Attacke auf Natalya und Becky Lynch einen Wandel zur Schurkin hingelegt.

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Die Cousine von Rapstar und WWE-Edelfan Snoop Dogg beendete damit die monatelangen Spekulationen um ihren Status und bestätigte die Berichte, dass ihre Differenzen mit der Chefetage beigelegt seien. Ein möglicher, von Banks zeitweise angedeuteter Wechsel zum neuen Rivalen AEW ist für den Moment vom Tisch.

WWE pochte auf Sasha Banks' Vertrag

Die 27 Jahre alte Banks und ihre Partnerin und gute Freundin Bayley verloren Anfang April bei WrestleMania ihre Tag-Team-Titel gegen die IIconics (Billie Kay und Peyton Royce), seitdem war Banks nicht mehr bei WWE zu sehen.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge krachte es, weil Banks WWE die Planspiele übelnahm, die ihr kurz vorher eröffnet worden waren. Banks und Bayley mussten nicht nur die Gürtel abgeben - nachdem sie kurz vorher in einem emotionalen Auftritt noch angekündigt hatten, die frisch eingeführten Titel mit Bedeutung aufladen zu wollen -, ihr Team wurde auch getrennt, Bayley wurde beim "Superstar Shake-up" von RAW zur Dienstagsshow SmackDown verschoben.

Banks soll stinksauer gewesen sein und um ihre Entlassung gebeten, sie aber nicht gewährt bekommen haben. Stattdessen folgte eine Auszeit und diverse kryptische Andeutungen in den sozialen Medien, in denen Banks große Unzufriedenheit über ihren Status bei WWE durchblicken ließ ("Es gibt Dinge, die machen es dir praktisch unmöglich, darauf zu vertrauen, wo du stehst, daran zu glauben, wo du stehen willst"). Es schien, als wollte sie ihren Vertrag auslaufen lassen und zu AEW wechseln.

Das Szenario hat sich nun erstmal erledigt - wobei eine Frage bleibt: Liegt der Wende eine echte Versöhnung zugrunde? Oder nur die Einsicht, dass Banks nicht aus ihrem offenbar noch eine Weile laufenden Vertrag herauskommt und auf absehbare Zeit keine Wahl hat, wo sie in den Ring steigt?

"The Boss" erlebte Karriere-Knick

Banks hatte in den vergangenen Jahren öfters durchblicken lassen, dass sie unzufrieden mit der Entwicklung ihrer einst so vielversprechend gestarteten WWE-Karriere war.

Banks war bei der Entwicklungsliga NXT durch ihre starken und umjubelten Ringleistungen eine entscheidende Antreiberin der "Women's Revolution", zusammen mit Bayley, Lynch und Charlotte Flair bildete sie dort die schon legendären "Four Horsewomen" des Wrestling.

Im Hauptkader lief es nicht in gleicher Weise rund: Banks hatte zwar eine große Fehde mit Flair und gewann viermal den RAW-Damentitel, verlor ihn aber jeweils auch schnell wieder. Vor WrestleMania spielte sie klar die zweite Geige hinter Flair, Lynch und der nun in Babypause gegangenen Ronda Rousey.

Querschüsse gegen Alexa Bliss und Ronda Rousey

Banks entging die eigene Abwärtskurve nicht und sie hielt oftmals nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg: Unter anderem erzählte sie in mehreren Interviews, dass sie sich bei NXT wohler gefühlt hätte als im Hauptkader und dass ihre kurzen Titelregentschaften sie getroffen hätten.

Anfang 2018 ließ sie mit einem schmallippigen Kommentar über das Debüt von Rousey aufhorchen ("Ich habe nichts Nettes zu sagen, also kann ich nichts dazu sagen"), im Sommer 2018 legte sie das offenherzige Bekenntnis ab, dass sie "nicht wirklich" ein Bedürfnis verspüre, noch einmal mit ihrer WWE-Kollegin Alexa Bliss zu arbeiten.

Zu Beginn des Jahres sorgte sie dann für Aufruhr, als sie den vieldeutigen Abwanderungsflirt des Tag Teams The Revival mit den Worten "Nehmt mich mit!" kommentierte.

Öffentlicher Flirt mit AEW

Dass Banks dann bei WrestleMania einen weiteren Tiefschlag einstecken musste, hatte eine zusätzlich pikante Note: Ihre Bezwingerinnen Kay und Royce haben sich bei WWE nicht als Top-Wrestlerinnen hervorgetan, leben von ihrem Talent als Comedy-Schurkinnen - dass Banks sich ihnen unterordnen musste, dürfte sie zusätzlich vergrätzt haben. Nach SPORT1-Informationen sprach eine Banks nahe stehende Person aus dem WWE-Kollegenkreis am WrestleMania-Wochenende vor Journalisten auf eine Weise über die IIconics, die sich als milde Ironie umschreiben lässt.

Banks selbst setzte nach WrestleMania einen freundlichen Instagram-Post über die IIconics ab: ein gemeinsames Bild mit einem Herzchen und dem Hashtag #WomensWrestling. Eine versöhnliche Geste? Nicht wenige Fans gehen stattdessen von Sarkasmus aus.

Banks wirkte in den Monaten ihrer Abwesenheit, als hätte sie mit WWE schon abgeschlossen, sie folgte der Liga nicht mehr auf Twitter, dafür dem Account von AEW. Bei der AEW-Debütshow Double or Nothing Ende Mai veröffentlichte sie auch mehrere lobende Tweets, was sich als weiterer Affront deuten ließ.

Bildungsreise nach Japan

Ist der Ärger nun ausgeräumt oder nur beiseite geschoben? War es ihr wirklich ernst mit dem Willen, WWE zu verlassen oder war ihr Kokettieren mit AEW auch Taktik, um die Liga unter Druck zu setzen und bei den Fans im Gespräch zu bleiben? Die Antwort auf diese viel diskutierten Fragen kennt nur Banks selbst - Fakt ist, dass sie bei WWE nun einen neuen Anlauf nimmt.

Banks scheint in jedem Fall gewillt zu sein, sich für ihre weitere Karriere noch besser zu rüsten. Kurz vor ihrem Comeback bestritt sie eine Art Bildungsreise ins Showkampf-Mekka Japan, traf sich dort mit Nippon-Star Naomichi Marufuji und bestritt ein Training bei der Liga Sendai.

Bemerkenswert: Der japanischen Zeitung Tokyo Sports zufolge war Banks aus eigenem Antrieb in Fernost, der Trip stand demnach nicht in Zusammenhang mit der Japan-Tour von WWE.