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München - WWE nutzt eine pikante Klausel, um den Vertrag des abwanderungswilligen Luke Harper gegen dessen Willen auszudehnen. Auch Sasha Banks droht ein Machtspiel.

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Die Wrestling-Landschaft ist in großer Bewegung, ein neuer, großer Konkurrenzkampf wirft seine Schatten voraus. Und schon jetzt ist klar, dass der Marktführer WWE ihn mit harten Bandagen führen wird - nicht nur wegen der unnachgiebigen Art und Weise, mit der sie soeben den legendären Undertaker vom Markt nahm.

In rund einem Monat geht die neue Liga AEW mit ihrer Debütshow "Double or Nothing" an den Start, nicht wenigen WWE-Stars wird Wechsel-Interesse nachgesagt. Doch das Showkampf-Imperium von Vince McMahon - durch einen Einbruch der Geschäftszahlen gerade zusätzlich aufgeschreckt - will eine Abwanderungswelle unbedingt vermeiden.

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Und dort, wo sie Einfluss darauf hat, scheint sie diesen Willen gnadenlos zu vollstrecken.

Es zeigt sich gerade anschaulich bei der Personalie Luke Harper, der bei WWE ein eher kleines Rädchen in der Maschinerie ist. Und es könnte prominentere Wechselkandidaten wie die schwer vergrätzte Sasha Banks noch härter treffen.

Luke Harper will weg - WWE lässt ihn nicht

Harper (bürgerlich: Jonathan Huber) sorgte vergangene Woche für Schlagzeilen, indem er WWE öffentlich um die vorzeitige Entlassung aus seinem Vertrag bat (der ohnehin nur noch bis November laufen soll).

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Dass das langjährige Mitglied der Wyatt Family mit Bray Wyatt und Erick Rowan einen Neuanfang möchte, ist ein nachvollziehbarer Gedanke: Er ist 39 und bei WWE als zuverlässiger Arbeiter anerkannt, kann aber eher nicht erwarten, dort noch einen großen Karrieresprung zu machen.

Ein Wechsel ist seine womöglich letzte Gelegenheit, in neuer Umgebung einen Schub zu erleben. Ob er überhaupt zu AEW will, ist dabei gar nicht klar, aber nahe liegend: Er war einst als Brodie Lee ein bekannter Kopf der Independent-Szene und soll aus dieser Zeit noch gute Kontakte in die Kreise haben, die AEW nun aufgebaut haben.

Harper, den sein ehemaliger Partner Braun Strowman als große Hilfe bei seinem WWE-Durchbruch herausgestrichen hat, wäre ein routinierter Veteran, der seine Erfahrung an den jungen AEW-Kader weitergeben kann. Doch WWE hat offensichtlich etwas gegen dieses Szenario.

Vertrag unfrewillig verlängert

Wie der Wrestling Observer berichtet, verweigert WWE Harper die Freigabe. Und mehr noch: Die Liga soll seinen auslaufenden Vertrag sogar noch gegen Harpers Willen verlängern.

Diese Option hat die Promotion, weil die komplexen Arbeitspapiere von WWE (jüngst erst wieder durch den viel gesehenen Beitrag von John Oliver in die Kritik geraten) eine pikante Option vorsehen: WWE kann sie auch nach Ablauf so lange ausdehnen, wie ein Wrestler während seiner Vertragslaufzeit verletzt oder aus anderen Gründen gefehlt hatte.

Harper musste zwischen Anfang Oktober 2018 und Anfang März 2019 wegen einer Handgelenks-Verletzung eine Zwangspause einlegen. Diese Zeit kann WWE bei Harper nun draufschlagen - ähnlich wie sie es vor Rey Mysterios Abgang 2015 gemacht hatte oder beim zwischenzeitlich abwanderungswilligen Daniel Bryan, als der mehrere Jahre wegen einer schweren Kopfverletzung fehlte.

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Streit auch um zu AEW gewechselten Dustin Rhodes

Der Zweck der Übung ist offensichtlich: WWE will der neuen Konkurrenz kein Personal "schenken", von dem sie glaubt, dass sie davon profitieren könnte. Und offensichtlich will die Chefetage auch Nachahmer abschrecken, sie mit öffentlichen Entlassungsbitten unter Druck zu setzen.

Das Seltsame dabei: Erst kürzlich hatte Tye Dillinger (im WWE-Nachwuchsbereich einst Partner von AEW-Mitgründer Cody Rhodes) auf genau diesem Weg seine Entlassung erreicht. Hat er unter der Hand zugesichert, nicht zu AEW zu gehen oder hält ihn WWE schlicht für nicht wichtig? Unklar.

Bemerkenswert: Selbst um die Entlassungsbitte von Codys 50 Jahre alten Bruder Dustin Rhodes gab es dem Observer zufolge interne Diskussionen. WWE-Boss McMahon hätte ihn nicht zu AEW ziehen lassen wollen, obwohl er von dem früheren Goldust realistischerweise kaum noch viel zu erwarten gehabt hätte.

McMahons Schwiegersohn und Vorstandskollege Triple H (Paul Levesque) hätte McMahon in seiner Funktion als Talentchef der Liga jedoch umgestimmt.

Dustin Rhodes - ehemals Goldust - trifft bei der AEW-Debütshow auf Bruider Cody
Dustin Rhodes - ehemals Goldust - trifft bei der AEW-Debütshow auf Bruider Cody © AEW

Sasha Banks zum Abgang entschlossen

Das Vorgehen von WWE im Fall Harper ist jedoch nun ein schlechtes Omen für die seit WrestleMania abgetauchte Sasha Banks, die dem Observer zufolge unverändert zum Abgang entschlossen ist.

WWE würde die angeblich schon länger unzufriedene Banks - die nach der unfreiwilligen Auflösung ihres Teams mit Bayley endgültig weg will - weiter gern zum Bleiben überreden. Für den Fall, dass das nicht gelingt, soll das Unternehmen aber bereit sein, sie so lange schmoren zu lassen wie möglich.

Wie lange das ist? Unklar. Banks' Vertragslaufzeit ist nicht bekannt, so nahe wie bei Harper soll deren Ende aber nicht liegen. Und was sich für Banks in jedem Fall nicht empfiehlt: der Versuch, den Deal auszusitzen.

Sollte Banks sich weigern, weiter für WWE anzutreten - wie es der mittlerweile bei AEW angeheuerte Pac (Neville) nach seinem Zerwürfnis mit der Liga gemacht hatte - kann WWE den Deal aufgrund der oben beschriebenen Klausel bis ins Unendliche verlängern.