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München - Tony Khan, Sohn des Milliardärs Shahid Khan, will mit der neuen Wrestling-Liga AEW das WWE-Monopol brechen. Er ist ein umtriebiger Macher und Überzeugungstäter.

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Sein Vater ist angeblich sechs Milliarden Dollar schwer.

Er selbst sitzt im Management eines Fußball-Klubs aus der Premier League und eines NFL-Teams. Nun aber will Tony Khan noch ein weiteres Geschäftsfeld erobern: die Wrestling-Welt.

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Der 36 Jahre alte Sohn des pakistanisch-amerikanischen Autoteile-Unternehmers Shahid Khan - Besitzer des FC Fulham und der Jacksonville Jaguars - hat einen Aufsehen erregenden Angriff auf das Monopol von WWE eingefädelt.

Tony Khan ist Präsident der neuen Liga AEW und will mit seinen Stars und Vize-Chefs Cody Rhodes, Nick und Matt Jackson sowie Kenny Omega die Showkampf-Landschaft neu ordnen. Eine Landschaft, mit der er seit vielen Jahren gut vertraut ist.

Tony Khan wuchs als Wrestling-Fan auf

Der bekannteste Szene-Journalist Dave Meltzer (Wrestling Observer) enthüllte schon vor der offiziellen Liga-Gründung am 1. Januar, dass Tony Khan seit rund 20 Jahren treuer Abonnent seines Newsletters ist.

Khan, der einen Uni-Abschluss in Finanzwissenschaften hat und auch Gründer einer Firma für Sportanalyse-Tools ist, kennt die Feinheiten und die Lage der Branche, auf die er sich einlässt. Wie er dem Observer am Wochenende mitteilte, verfolgte er als Jugendlicher die drei damals größten Ligen WWE, WCW und ECW ebenso wie diverse Old-School-Promotions und auch Wrestling fernab des Mainstreams, wie etwa Michinoku Pro in Japan.

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Ihm ist anzuhören, dass AEW ihm ein Herzensanliegen ist, er will nicht nur sein Vermögen vermehren, er will die (Wrestling-)Welt verbessern. Khan hat sich vorgenommen, eine "goldene Ära" einzuläuten: "Wir möchten, dass Leute, die früher Wrestling geschaut haben und jetzt nicht mehr, es wieder tun - und dass Leute, die Wrestling noch nie geschaut haben, damit anfangen."

AEW soll anders sein als WWE

Auffällig oft betont er, dass er Fans, Wrestler und das Wrestling an sich "mit Respekt" behandeln wolle. Es klingt nach einer Abgrenzung von WWE-Boss Vince McMahon, dem oft vorgeworfen wird, da andere Prioritäten zu setzen.

McMahon ist bekannt dafür, eine klar abgegrenzte Philosophie zu haben, nach der er WWE ausrichtet und der sich seine Angestellten unterzuordnen haben. Auch in den vergangenen Jahren, als WWE die Trends aus dem Independent-Wrestling verstärkt aufsog und sich globaler ausrichtete, war das weiterhin zu bemerken. Omega etwa kritisierte, dass WWE dem japanischen Topstar Shinsuke Nakamura nach dessen Verpflichtung ihre Vorstellungen überstülpte und ihn damit seiner Stärken beraubte.

Khan und seine Mitstreiter präsentieren sich als offener: Sie wollen Einflüsse aus aller Welt aufnehmen - es gibt Partnerschaften mit der mexikanischen AAA und der chinesischen OWE -, den Wrestlern selbst einen großen Anteil der kreativen Arbeit überlassen, den Fokus mehr auf eine sportlich-athletische Präsentation statt auf Entertainment legen.

100 Millionen Dollar - und wertvolle Kontakte

Khan soll fürs Erste 100 Millionen Dollar in AEW investiert haben, neben seinem Geld nutzt er auch die familiären Kontakte und Ressourcen: Beim ersten Medientermin von AEW - bei dem der langjährige WWE-Star Chris Jericho präsentiert wurde - half die Produktionscrew der Jaguars, ihn in Szene zu setzen.

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Auch seine Analyse-Tools und seine Verbindungen mit einer Künstler-Agentur, die unter anderem die legendäre Band "The Grateful Dead" managet, sollen bei Aufbau und Vermarktung von AEW helfen.

Keine Freunde von Donald Trump

Das Engagement der Khans hat auch eine politische Dimension: Während McMahon ein langjähriger Geschäftsfreund und Unterstützer von US-Präsident Donald Trump ist - Ehefrau Linda sitzt in seinem Kabinett, Trump selbst ist Mitglied der WWE Hall of Fame - hat sich Shahid Khan im Hymnenstreit in der NFL Haltung gegen Trump bezogen.

Auch AEW hat schon einige politische Statements gesetzt, etwa mit der Ankündigung, Männer und Frauen gleich zu bezahlen. Mittelfristig stellt AEW den Wrestlern auch in Aussicht, ihnen Krankenversicherungen zur Verfügung zu stellen - bei WWE sind die Kämpfer formell nicht fest angestellt und müssen als (faktisch keineswegs) "unabhängige Vertragsnehmer" ihre Versicherungs- und auch ihre Reisekosten selbst tragen.

Auch soll ein "größerer Anteil" der Einnahmen der geplanten zweiten AEW-Show in Jacksonville an die Opfer von Waffengewalt gespendet werden.

Der Herausforderer des WWE-Monopols hat nicht nur Geld und Geschäftssinn, er hat auch Überzeugungen.