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München - Eine englische Hilfsorganisation reagiert auf die Verwunderung über das schnelle Comeback des an Krebs erkrankten Roman Reigns. Auch ein WWE-Fan klärt auf.

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Im Oktober schockierte er die WWE-Fans mit der Nachricht, dass er Blutkrebs hat. Anfang der Woche hat Roman Reigns nun nach nur vier Monaten seine Rückkehr verkündet und eingeleitet. Seine Leukämie-Therapie läuft erfolgreich, er ist nicht vollständig geheilt, der Krebs aber auf dem Rückzug.

Eine zu schöne Geschichte, um wahr zu sein? Nein. Dennoch haben sich in den sozialen Medien auch Zweifler zu Wort gemeldet, die teils sogar böswillig unterstellen, es handle sich um einen "Work", einen PR-Fake der Wrestling-Liga, um ihren zuvor bei Fans umstrittenen Star in besserem Licht erscheinen zu lassen.

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Es sind Spekulationen ohne Grundlage - gegen die sich nach Reigns' Comeback bei der TV-Show Monday Night RAW auch eine britische Krebshilfe-Organisation gestellt hat.

Leukaemia Care, eine wohltätige Stiftung, die sich um das Wohl von Blutkrebs-Patienten kümmert, hat sich via Twitter an die Skeptiker gewandt und bemüht sich um Aufklärung. Vor allem auf drei häufig gestellte Fragen geht die Organisation ein: "Warum hat er noch Haare? Warum hat er kein Gewicht verloren? Warum sieht er nicht aus wie ein Krebs-Patient?"

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Roman Reigns erholte sich zum zweiten Mal schnell

Als Antwort weist die Stiftung zunächst dass Blutkrebs nicht gleich Blutkrebs ist: "Akute Leukämie ist aggressiv und muss aggressiv behandelt werden. Chronische Leukämie ist unheilbar, aber behandelbar."

Weder Reigns noch WWE haben je Details zu der genauen Form seiner Erkrankung gemacht, dass der 34-Jährige Glück im Unglück hatte, ist aber offensichtlich: Schon mit Anfang 20, als er noch eine Football-Karriere anstrebte, war er an Blutkrebs erkrankt, was er der Öffentlichkeit verheimlicht hatte. Der Wrestling Observer berichtet, dass er auch damals nach wenigen Monaten wieder Leistungssport betrieben hatte.

Dass er auch jetzt wieder schnell auf den Weg der Besserung gekommen ist, legt nahe, dass er seine Erkrankung zu den weniger aggressiven Formen zählt (wobei dennoch weder Lebensgefahr noch ein Rückfall ausgeschlossen werden kann).

Vor diesem Hintergrund hält die Leukämie-Hilfe fest: "Keiner von uns ist in der Position, seine Behandlung und sein Aussehen zu beurteilen." Reigns' noch immer volles Haar? "Leukämie-Behandlung kann zum Ausfall der Haare führen, zum Ausdünnen, aber auch zu keinerlei Haarausfall." Sein Fitnesszustand? "Leukämie kann zu Gewichtsverlust führen. Leukämie kann aber auch zu Gewichtszunahme führen. Es gibt keine festgelegte Art und Weise, wie Leukämie auszusehen hat."

Die Video-Highlights von WWE im SPORT1-Mediencenter - hier klicken

Auch ein WWE-Fan räumt mit Vorurteilen an

Die Organisation verweist auch auf den Blog des WWE-Fans Kris Griffin, der selbst seit 11 Jahren am Blutkrebs-Typ CML (Chronische myeloische Leukämie) leidet und festhält: "Ich habe nie meine Haare verloren und nie eine traditionelle Chemotherapie gemacht."

Er wird medikamentös behandelt mit einem so genannten Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), der im Jahr 2001 zugelassen wurde und als medizinische Revolution gilt, die die Lebensqualität von CML-Patienten stark verbessert hat. Griffin berichtet, dass seine Gesundheit natürlich trotzdem beeinträchtigt sei, dass er aber dennoch normal seinem Arbeitsleben nachgehe.

Etwas Kritik an Reigns äußert er daran, dass dieser selbst seine Geschichte nicht detaillierter erzählt, was zur Aufklärung beitragen würde. Reigns könnte damit "einen noch größeren Unterschied machen".

Vor allem aber wirft der 43-Jährige die Frage auf, ob es den Zweiflern lieber wäre, wenn Reigns "am Tropf hängen und im Rollstuhl sitzen würde", nur weil das eher ihren zum Teil überholten Vorstellungen eines Krebspatienten entspreche, die den medizinischen Fortschritt nicht berücksichtige: "Können wir es nicht feiern, dass Roman toll und glücklich aussieht?"