Cody Rhodes setzt sich auch in den sozialen Medien gekonnt in Szene
Cody Rhodes setzt sich auch in den sozialen Medien gekonnt in Szene © twitter.com/CodyRhodes
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München - Cody Rhodes stieg bei WWE aus, frustriert über ein "kaputtes, unkenntliches System". Nun greift er es mit der neuen Konkurrenzliga All Elite Wrestling an.

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Er wäre gern der "Quarterback" von WWE geworden, stattdessen verändert er nun mit einer eigenen Liga die Wrestling-Landschaft.

Cody Rhodes ist das Gesicht der neuen Showkampf-Liga AEW (All Elite Wrestling), als erster Wrestler, der bei dem von ihm selbst angeschobenen Projekt unter Vertrag steht - und als "Executive Vice President" hinter den Kulissen, wie er nun via Twitter bestätigt hat.

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Der 33-Jährige spricht von einem "Traumjob", den er übernehmen werde. Zweieinhalb Jahre, nachdem der "American Nightmare" seinen Job bei WWE frustriert aufgegeben hatte.

Cody Rhodes verließ WWE im Frust

Von 2006 bis 2016 stand der Sohn der 2015 verstorbenen Wrestling-Legende Dusty Rhodes (und Bruder von Dustin Rhodes alias Goldust) unter WWE-Vertrag. Er galt als Top-Talent, war mehrfach Intercontinental und Tag Team Champion - der ganz große Durchbruch blieb dem 100-Kilo-Mann aus Georgia jedoch verwehrt.

Cody Rhodes bildete bei WWE zusammen mit Ted DiBiase (l.) und Randy Orton die Gruppierung "Legacy"
Cody Rhodes bildete bei WWE zusammen mit Ted DiBiase (l.) und Randy Orton die Gruppierung "Legacy" © Getty Images

Rhodes entschloss sich daher, um seine Entlassung zu bitten. Er habe die Liga "ein Jahrzehnt lang zu überzeugen versucht, dass ich ihr Starspieler, ihr Quarterback werden kann", hielt er damals fest: "Aber es sieht so aus, als ob wir an den Punkt gekommen wären, an dem niemand das in mir sieht." Verärgert war Rhodes weniger über WWE-Boss Vince McMahon, sondern über dessen Kreativteam. Er kritisierte das "kaputte, unkenntliche System“, von dem er am Ende schlicht ignoriert worden wäre.

Tim Wiese: Verrückte Promi-Auftritte bei WWE
Tim Wiese: Verrückte Promi-Auftritte bei WWE © Getty Images

Das Problem, vor dem Rhodes stand: Es gab seit dem Ende von World Championship Wrestling (WCW) kein anderes, das für den Marktführer WWE eine ernsthafte Konkurrenz gewesen war.

In den vergangenen Jahren ist in Rhodes das Selbstvertrauen gewachsen, selbst ein neues System zu schaffen - zusammen mit den Young Bucks Nick und Matt Jackson, einem Independent-Tag-Team, mit dem er in den vergangenen Jahren eine gute Freund- und erfolgreiche Business-Partnerschaft geschlossen hat.

Die Jacksons werden AEW ebenfalls als Vize-Präsidenten mitsteuern, auch zwei Frauen bekommen Schlüsselpositionen: Rhodes' Ehefrau Brandi wird "Chief Brand Officer", Dana Massie verantwortet das Merchandising - das sie schon für die Young Bucks mit großem Erfolg organisiert hat.

All In legte Grundstein für All Elite Wrestling (AEW)

Als Rhodes WWE 2016 verließ, tat er zunächst das, was die meisten anderen Abtrünnigen auch taten: Er trat in verschiedenen Independent-Ligen an, bei ROH und Impact (TNA) in den USA, bei NJPW in Japan, auch bei wXw in Deutschland.

Die meisten, die diesen Weg gegangen sind, gingen ihn mit dem Endziel wieder bei WWE zu landen und (wie jüngst Drew McIntyre) neu durchzustarten.

Bei Rhodes entwickelten sich die Dinge anders: Im Mai 2017 wettete er mit dem Wrestling-Journalisten Dave Meltzer, eine Show mit über 10.000 Zuschauern auf die Beine stellen zu können - was bis dahin seit dem Ende von WCW keiner US-Liga außer WWE gelungen war.

Daraus entstand die Idee zu All In im September, aus deren durchschlagendem Erfolg entwickelte sich dann wiederum AEW, das Rhodes, die Jacksons und Milliardärssohn Tony Khan gemeinsam auf die Beine stellten.

Auch WWE-Fans hoffen auf belebende Konkurrenz

Es hat sich gezeigt, dass Cody Rhodes nicht nur das Ringtalent vom Vater geerbt hat: Papa Dusty galt als absolutes "Wrestling Mind", als jemand, der das Geschäft in all seinen Facetten so gut verstand wie kaum ein anderer - und deswegen auch hinter den Kulissen verschiedener Ligen prägende Rollen spielte.

Der Sohn hat vom Sachverstand des Vaters viel aufgesogen: All In dirigierte er bereits als ausführender Producer, auch ansonsten fällt er als geschickter Vermarkter in den sozialen Medien auf - seiner selbst, seiner Gruppierung "The Elite" und seines Privatlebens mit Ehefrau Brandi Rhodes und Hund Pharaoh.

Der junge Rhodes ist smart genug zu wissen, dass es Jahre dauern wird, bis AEW die Marktführerschaft des Milliarden-Imperiums WWE ernsthaft angreifen könnte. Er positioniert die Liga stattdessen als Antwort auf die immer mehr gewachsene Sehnsucht nach einer Alternative.

Die Voraussetzungen für das Startup sind günstig, die Wrestler-Szene strotzt vor Talenten und eine zweite große Bühne, auf der sie sich präsentieren können, kann ihr nur gut tun. Unterschrieben haben neben Cody und den Bucks bislang ihr "The-Elite"-Weggefährte Adam "Hangman" Page sowie die Independent-Wrestlerin Britt Baker.

Neustart? Rhodes hält Vince McMahon den Spiegel vor

Selbst viele WWE-Fans, die mit der Ausrichtung der McMahon-Liga akut oder chronisch unzufrieden sind, verbinden mit WWE die Hoffnung auf kreative Belebung. Am Ende seines Twitter-Statements, das eine Art Gründungsmanifest von AEW ist, greift Rhodes auch diese Hoffnung auf.

"Was alt ist, ist alt. Was neu ist, ist neu", hält Rhodes fest, in einer gut lesbaren Anspielung auf den "Neustart", den WWE vor kurzem inmitten seiner aktuellen Quotenkrise ausgerufen hat. Und Rhodes widerspricht dann auch noch einem der Lieblingssätze von Vince McMahon: "Wahrnehmung ist nicht Realität. Realität ist Realität."

Sein abschließendes Versprechen an das Publikum: "Fans first."