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München - Das Debüt von All Elite Wrestling (AEW) naht. Cody Rhodes, Kenny Omega, Chris Jericho und Co. haben Großes vor, ein großer TV-Deal bahnt sich an.

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Zu Beginn des Jahres wurde sie offiziell gegründet, nun naht ihr Debüt: All Elite Wrestling (AEW), eine neuen Konkurrenzliga für den Marktführer WWE, legt los.

Die Gruppierung "The Elite" um den früheren WWE-Wrestler Cody Rhodes sowie die Young Bucks Nick und Matt Jackson verkündete die Formation der Promotion in der Nacht von Silvester auf Neujahr via YouTube. Am 25. Mai nimmt die Promotion mit der Veranstaltung "Double or Nothing" in der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas ihren Betrieb auf.

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Topstar der Liga dürfte Kenny Omega werden, der sich in den vergangenen Jahren bei der japanischen Liga NJPW als einer der besten Wrestler der Welt hervorgetan hat. Das langjährige WWE-Ass Chris Jericho ist bereits an Bord - und kassiert anscheinend ein Millionen-Gehalt.

Milliardär Shahid Khan (geschätztes Vermögen: 6 Milliarden Euro) finanziert die Liga als Investor, sein Sohn Tony Khan wird ihr Chef sein, wie die Familie am 8. Januar bestätigte. Rhodes, Omega und die Jacksons werden als ausführende Vize-Präsidenten agieren, Codys Ehefrau Brandi Rhodes wird Chief Brand Officer, die Rolle, die bei WWE Stephanie McMahon hat. Den zu Triple H analogen Posten als Head of Talent Relations übernimmt der Independent-Veteran Christopher Daniels. Legende Jim Ross ist als Kommentator und Chefberater an Bord.

WWE-Legende Chris Jericho trat bei NJPW Wrestling Dontaku als maskierter Angreifer auf
Chris Jericho legte auch bei All In einen Auftritt ein © NJPW

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Diese Wrestler bilden das Roster von AEW:

Cody, The Young Bucks, Chris Jericho, Hangman Page, Pac (Neville bei WWE), SoCal Uncensored (Christopher Daniels, Frankie Kazarian und Scorpio Sky), Joey Janela, Penelope Ford, Maxwell Jacob Friedman, Britt Baker, Jungle Boy (Sohn des verstorbenen Schauspielers Luke Perry), Jimmy Havoc, The Best Friends (Trent Beretta & Chuck Taylor), Sonny Kiss, Sammy Guevara, Aja Kong, Yuka Sakazaki, Kylie Rae, Nyla Rose, Brandon Cutler, Kip Sabien, Bea Priestly, Michael Nakazawa, Ace Romero, Sadie Gibbs, Allie, Darby Allin, CIMA, Hikaru Shida, Dustin, Leva Bates, Peter Avalon, Private Party (Marq Quen & Isiah Kassidy), Angelico, Jack Evans, Brandon Cutler.

Rey Fenix und Pentagon Jr. (Penta El Zero) sind ebenfalls an Bord, aber auch noch an ihren Hauptarbeitgeber gebunden, die vor ungewisser Zukunft stehende Liga Lucha Underground. Auch beim mit WWE zerstrittenen Ex-Topstar CM Punk soll AEW angefragt, aber einen Korb bekommen haben.

Interesse an Jon Moxley alias Dean Ambrose, der WWE nach WrestleMania 35 verlassen hat, besteht ebenfalls.

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Milliardärs-Familie schiebt AEW an

Den Grundstein für die neue Liga legten Cody - Sohn der 2015 verstorbenen Legende Dusty Rhodes - und die Bucks mit dem Erfolg der Veranstaltung All In am 1. September: Erstmals seit dem Ende von WCW gelang es einer US-Liga außer WWE, mehr als 10.000 Zuschauer zu einer Wrestling-Show zu locken.

Im November wurde dann die Mutterfirma All Elite Wrestling, LLC gegründet. Sie hat ihren Sitz in Jacksonville, wo die Khan-Familie operiert: Der Autoteile-Unternehmer Shahid Khan ist Besitzer des NFL-Teams Jacksonville Jaguars, sein Sohn Shahid ist dort im Management aktiv, wie auch beim Premier-League-Fußballklub FC Fulham, der ebenfalls zum Portfolio seines Vaters gehört. Der 36 Jahre alte Sohn Tony ist Wrestling-Fan - und hat sich deshalb für das Projekt von Cody und den Jacksons begeistern lassen.

Das erklärte Ziel Tony Khans lautet, dabei zu helfen "eine wahrhaft goldene Ära des Wrestling einzuläuten, diese Zeit zur besten Zeit zu machen, um ein Wrestling-Fan zu sein".

Das Konzept der Liga wird etwas anders sein als das von WWE: weniger Fokus auf Entertainment-Einlagen, mehr auf eine sportlich-athletische Präsentation. Rhodes kündigte an: "Siege und Niederlagen werden bei uns mehr gelten, als sie je im Wrestling gegolten haben." Auch will er kein großes Autorenteam einstellen und stattdessen den Wrestlern mehr kreative Freiheiten geben. Rhodes grenzte sich auch von der von vielen WWE-Fans nostalgisch zurückgesehnten "Attitude Era" klar ab.

Auch politische Statements hat AEW bereits gesetzt, unter anderem mit der Ankündigung, dass die weiblichen Wrestler auf demselben Niveau bezahlt werden sollen wie die männlichen.

TV-Deal fix

Noch in diesem Jahr wird eine wöchentliche Live-Show auf dem US-Sender TNT starten, wo früher auch WCW Monday Nitro lief. AEW scheint eine Dienstagabendshow zu planen, sie hat sich "Tuesday Night Dynamite" als Trademark eintragen lassen. SmackDown Live, die Dienstagsshow von WWE, zieht im kommenden Herbst auf einen Freitagssendeplatz um. Ob AEW aber auch wirklich einen Dienstagssendeplatz bekommt, ist noch nicht gesichert.

AEW strebt eine Kooperation mit der japanischen Liga NJPW an, momentan ist NJPW aber verpartnert mit Codys bisherigem Co-Arbeitgeber Ring of Honor, der nun auch seinen Platz in der umgepflügten Wrestling-Landschaft finden muss. Bei All In traten noch viele ROH-Stars an, nun allerdings ist die neue Liga ein Konkurrent.

Schon fix sind Kooperationsvereinbarungen von AEW mit der chinesischen Liga OWE und der mexikanischen AAA.

WWE wollte AEW verhindern

Die Formation von AEW verändert die Wrestling-Landschaft nachhaltig, talentierte Wrestler haben nun einen zweiten attraktiven Arbeitgeber in den USA, der ihnen den Lebensunterhalt sichern kann.

Das ändert die Machtverhältnisse zwischen WWE und ihren Wrestlern, speziell denen mit auslaufenden Verträgen, die nun eine Alternative und damit auch einen neuen Verhandlungshebel haben, der WWE zu vielen Lohnerhöhungen zwingen wird.

Nicht verwunderlich, dass schnell Berichte durchsickerten, dass WWE die Gründung von AEW mit einem Mega-Angebot für Rhodes und die Bucks gern verhindert hätte.