Auch WWE-Legende Stone Cold Steve Austin (r.) hat WALTER für gut befunden
Auch WWE-Legende Stone Cold Steve Austin (r.) hat WALTER für gut befunden © twitter.com/steveaustinBSR

München - Er ist populär bei Wrestling-Fans weltweit, trainierte Tim Wiese, nun geht WALTER selbst zu WWE - zu Bedingungen, die bis vor kurzem undenkbar schienen.

von Martin Hoffmann

Zwei Deutsche, ein Schweizer und ein Südtiroler stehen bereits bei WWE unter Vertrag – nun schließt sich auch ein Österreicher der größten Wrestling-Liga an.

Nach übereinstimmenden Medienberichten (Pro Wrestling Insider und Wrestling Observer) hat die Showkampf-Promotion Walter Hahn verpflichtet, besser bekannt als: WALTER.

Der 31 Jahre alte Wiener trägt die Großbuchstaben in seinem Kampfnamen nicht zu Unrecht, er sticht mit angeblich 140 Kilo Kampfgewicht nicht nur körperlich, sondern auch wrestlerisch hervor: In den vergangenen Jahren hat er sich nicht nur in der europäischen, sondern auch in der US-amerikanischen und der japanischen Independent-Szene einen immer größeren Namen gemacht.

Dass er nun seinen Weg zu WWE findet, ist einerseits keine Überraschung - und andererseits doch eine bemerkenswerte Entwicklung. Hahn wollte eigentlich nie als Vollzeit-Wrestler zu WWE, weil er seinen Lebensmittelpunkt in Europa behalten möchte. Inzwischen geht beides, was eine folgenschwere Zeitenwende im Wrestling bedeutet.

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WALTER-Deal markiert Zeitenwende bei WWE

Hahn, der in seiner Jugend Fußball-Torwart war, ist seit 2007 als Wrestler aktiv, er begann seine Karriere bei der größten deutschen Liga wXw (Westside Xtreme Wrestling) und entwickelte sich dort über die Jahre zu einem Pfeiler vor und hinter den Kulissen.

Bei der Essener Promotion, eine Partnerliga von WWE, ist er auch Cheftrainer der Talente-Akademie und war als Coach auch am Wrestling-Training von Tim Wiese beteiligt.

Parallel dazu nahm auch seine internationale Karriere immer mehr Fahrt auf. Der für seinen physischen, aber zugleich athletischen Stil bekannte Hahn - ehemals genannt: Big Van Walter, nach der im Juni verstorbenen Legende Big Van Vader -, begeisterte auch das Publikum in England, Japan und den USA. Bis vor kurzem war er Champion der populären Indy-Liga PWG (Pro Wrestling Guerilla) aus Kalifornien.

Über einen WWE-Deal wurde deshalb schon länger spekuliert, allerdings hakte er an einem entscheidenden Punkt. "Amerika ist nicht meins", verriet Hahn im Oktober in einem Podcast mit WWE-Legende Stone Cold Steve Austin: "Ich mag die deutsch-österreichische Lebensart, Deutschland wird immer meine Heimatbasis sein."

Gibt es bald ein NXT Germany?

Bis vor kurzem war ein WWE-Deal unter diesen Bedingungen undenkbar (auch Tim Wiese wollte für WWE nicht in die USA ziehen), mittlerweile aber hat sich die Lage geändert.

Seit 2016 gibt es eine England-Division von WWE, die vor kurzem den Namen NXT UK bekommen und den nächsten Schritt gemacht hat: Es gibt eine wöchentliche TV-Show und regelmäßige Großveranstaltungen, WALTER soll nun ein Star der neuen Division werden.

Mittelfristig soll die globale Expansion weitergehen, Firmenvorstand und NXT-Pate Paul Levesque (Triple H) schilderte Journalisten vor kurzem seine Vision, dass es bald WWE-Ableger in der ganzen Welt geben soll. Auch Deutschland nannte er explizit als mögliches Ziel. Erst Anfang November hielt WWE ein großes Probetraining in Köln ab.

Ein NXT Germany wäre auch eine Anlaufstelle für WALTER und die anderen deutschsprachigen Talente Alexander Wolfe, Marcel Barthel und Fabian Aichner, womöglich auch für den seit Jahren im Hauptkader etablierten Schweizer Cesaro, zumindest für Gastauftritte.

Umwälzungen bei NXT UK

Für den Rest der europäischen Szene bleibt die WWE-Globalisierung nicht ohne Konsequenzen: Eben erst berichtete das Portal WrestleTalk, dass WWE begonnen hat, ihren England-Wrestlern neue Verträge mit folgenschweren Klauseln anzubieten.

Bislang sind die NXT-UK-Wrestler noch nicht in Vollzeit bei WWE aktiv, sondern dürfen auch in anderen Ligen antreten, um sich ein Zubrot zu verdienen. In den neuen Deals soll sich WWE nun mehr Exklusivität ausbedungen.

Im Gegenzug für eine Gehaltserhöhung wird den Wrestlern abverlangt, nur noch in den WWE-Partnerligen aufzutreten, und auch dort nicht mehr in fürs TV oder Streams aufgezeichneten Matches und nicht mehr gegen Stars größerer Konkurrenz-Promotions wie NJPW, Impact und ROH.

Auslöser für den Schritt scheinen schwache Zuschauer-Zahlen bei den jüngsten England-Terminen von WWE gewesen zu sein. Die WWE-Bosse scheinen als Problem ausgemacht zu haben, dass der Anreiz für englische Fans geringer ist, sich bei WWE die Wrestler anzusehen, die es auch in kleineren Ligen zu sehen gibt (zu günstigeren Ticket-Preisen).

Der neue Kurs widerspricht bisherigen Aussagen von WWE sich in England nicht "wie der große böse Wolf" verhalten zu wollen (WWE-Chefscout William Regal). Wer die WWE-Historie kennt, konnte da schon ahnen, dass es naiv gewesen wäre, sich allzu sehr auf diese Zusicherung zu verlassen.