Der Undertaker (oben) und Mick Foley bestritten bei WWE ein lebensgefährliches Match
Der Undertaker (oben) und Mick Foley bestritten bei WWE ein lebensgefährliches Match © WWE 2018 All Rights Reserved

München - Das WWE-Match zwischen dem Undertaker und Mick "Mankind" Foley prägte den Mythos Hell in a Cell. Foley aber bezahlte es teuer - und fast mit dem Leben.

von

Jim Ross, die legendäre, langjährige Stimme von WWE, machte den schockierenden Moment noch einmal ein Stück schockierender.

"He killed him!", schrie der Kommentator mit seiner tiefen Südstaaten-Stimme, um sein Entsetzen dann noch etwas biblischer zu auszudrücken: "As God is my witness: He is broken in half!" Gott ist mein Zeuge: Er ist in zwei Teile gebrochen.

Es war ein geplanter Ausbruch, die Dramatisierung einer nach Drehbuch gestalteten Stunt-Einlage in der Wrestling-Schlacht zwischen dem Undertaker und Mick Foley, einem Sturz Foleys vom fünf Meter hohen Stahlkäfig namens "Hell in a Cell".

Die beiden Showkampf-Legenden schufen an diesem Tag im Juni 1998 einen Mythos, von dem WWE bis heute zehrt: Hell in a Cell ist mittlerweile eine jährliche Großveranstaltung, beim Quasi-Jubiläum am Sonntag wird Foley in den Käfig zurückkehren, als Gastringrichter des Matches zwischen Roman Reigns und Braun Strowman.

Foley hat die Kreation des Mythos allerdings teuer bezahlt - und beinahe wäre der Preis noch höher geworden: Nur ein glücklicher Zufall verhinderte, dass die Todesmeldung von Jim Ross ein paar Minuten später Realität geworden wäre.

Der doppelte Käfigsturz von Mankind

Der 53 Jahre alte Foley - damals aktiv in der Rolle als Mankind - war immer bekannt dafür, im Ring alle denkbaren Schmerzen und Risiken auf sich zu nehmen.

Seinen Auftritt in dem Riesenkäfig, beim King of the Ring 1998 in Pittsburgh, verstand er folglich als besondere Herausforderung, sich eine besonders unvergessliche Einlage auszudenken.

Im Jahr zuvor hatten der bis heute aktive Undertaker und Shawn Michaels die neu erfundene Matchart eingeweiht, der Höhepunkt damals: ein Sturz von Michaels durch einen Kommentatorentisch, nachdem er zuvor mit den Händen an der höchsten Stelle der Käfigwand gehangen war.

Foleys Idee, zunächst als Scherz formuliert: Er würde sich vom Undertaker aus voller Höhe durch den Tisch werfen lassen. Und dann noch mal aufstehen, wieder nach oben klettern - und wieder nach unten geworfen werden.

---

Lesen Sie auch:

So funktioniert die Showkampf-Liga WWE
Das ABC der Wrestling-Fachbegriffe

---

Undertaker: "Willst du ernsthaft sterben?"

Der Undertaker willigte nach anfänglichem Zögern ("Mick, willst du ernsthaft sterben?") in den Plan ein, er wurde genau so durchgezogen - mit beinahe verhängnisvollem Ausgang.

Während der oben beschriebene erste Stunt noch nach Plan lief, gab es beim zweiten eine technische Panne: Das Metallgitterdach gab unter der Last der beiden Schwergewichte nicht nur nach, ein Teil löste sich komplett. Foley stürzte nach einem Chokeslam, einer Standardaktion des Undertaker durch das Dach ungebremst auf den Ringboden.

In seiner Autobiographie "Have a nice day" schrieb Foley, dass es seine Rettung war, dass die Aktion auf mehreren Ebenen missglückte. Foley legte bei dem Chokeslam eine schiefe Landung hin, die seinen Sturz bremste und Schlimmeres verhinderte. Wäre die Landung gerade und lehrbuchmäßig gewesen, er wäre bei dem Sturz (nach dem das Match übrigens immer noch weiter ging) wohl gestorben.

Mick Foley heute schwer gezeichnet

Ein unbestätigtes Gerücht, das damals kursierte, lautete allerdings, dass der Sturz durch den Käfig keineswegs eine technische Panne war (die Reibungslosigkeit, mit der die Show weiter ging, spricht durchaus für diese Theorie), sondern dass Foley das Risiko bewusst in Kauf nahm und aus privaten Gründen erst nachträglich das Gegenteil behauptete. Er habe vor seiner ohnehin fassungslosen Ehefrau nicht als völlig lebensmüde dastehen wollen.

Von Foley bestätigt ist: Foleys Gattin Collette war tatsächlich schwer verängstigt und in Tränen aufgelöst, als sie sah, welchen Risiken sich ihr Mann aussetzte. Ihr zuliebe beendete Foley zwei Jahre später seine Vollzeit-Karriere, mit einem weiteren Hell-in-a-Cell-Match gegen Triple H, bei dem der Sturz durch das Dach unter besseren Sicherheitsvorkehrungen wiederholt wurde.

Es dürfte die richtige Entscheidung gewesen sein (wobei Foley noch bis zum Jahr 2012 immer wieder Kurz-Comebacks hinlegte): Er leidet auch so schwer unter den Folgen seiner von brutalen Showfights geprägten Karriere: Er klagt über Knochen- und Nervenschäden, einen Gehfehler, Gedächtnisprobleme, ständige Schmerzen. "Ich habe aufgehört zu hoffen, dass ich noch ein normales Leben haben kann", hielt er vor vier Jahren fest. Mit einem erneuten Foley-Stunt am Sonntag braucht niemand rechnen.

WWE entschärfte Hell in a Cell

Auch bei WWE setzte sich die Erkenntnis durch, dass Foleys mythischer Hell-in-a-Cell-Auftritt auch verantwortungslos und lebensgefährlich war.

Die folgenden Kämpfe wurden nicht mehr ganz so risikoreich geführt, auch bei ihren Nostalgie-Videos zeigt WWE beim Rückblick auf das Taker-Mankind-Match meist nur den ersten der beiden Stürze, nicht den fast tödlichen zweiten.

Schon unmittelbar nach dem Kampf sagte WWE-Boss Vince McMahon nach Foleys Angaben zu ihm: "Du hast keine Vorstellung, wie sehr ich schätze, was du gerade für diese Firma getan hast. Aber ich will so etwas nie wieder sehen."