Brie Bella kehrte 2018 nach einer Baby-Pause in den WWE-Ring zurück
Brie Bella kehrte 2018 nach einer Baby-Pause in den WWE-Ring zurück © WWE 2018 All Rights Reserved

München - WWE-Wrestlerin Brie Bella erntet nach ihrem K.o.-Tritt gegen Liv Morgan einen Kritiksturm - bei dem viele Fans das Maß verlieren. Kollegen verteidigen sie.

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Brie Bella ist in den USA ein Name, der nicht nur WWE-Fans wohlbekannt ist.

Die 34-Jährige und ihre Zwillingsschwester Nikki Bella sind nicht nur Wrestlerinnen, sie sind auch Stars ihrer eigenen Reality-Show "Total Bellas", haben ein Multi-Millionen-Publikum auf Twitter, Facebook und Instagram.

Genau dort, in den sozialen Medien, bündelte sich in dieser Woche auch die Empörung über Brie Bella.

"Du bist eine rücksichtslose Wrestlerin und eine offensichtliche Gefahr für alle, mit denen du im Ring stehst. Bitte bleib beim Reality-Fernsehen", schrieb ihr am Dienstag ein Fan bei Twitter. Tausende weitere drückten den Like-Button.

Eine Welle der Kritik ergießt sich, seit Brie Bella am Montag bei der TV-Show Monday Night RAW ihrer Showkampf-Gegnerin Liv Morgan einen realen K.o. zufügte. Kritik, die zumindest in diesem Ausmaß nicht berechtigt ist.

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Brie Bella trat Liv Morgan mit "Yes Kick" k.o.

Bella hatte die 24 Jahre Morgan mit zwei so genannten Yes Kicks ungeschützt am Kopf erwischt, Morgan wurde bewusstlos, erlitt eine Gehirnerschütterung - und wurde in weitere Gefahr gebracht, weil der Ringrichter das Match weder stoppte noch dafür sorgte, dass Morgan aus dem Match genommen wurde.

Diese grobe Fahrlässigkeit ist bei vielen Fans aber weniger das Thema. Der Ärger zielt vor allem auf Bella - obwohl ihr Fehler schlicht ein Unfall war.

Mit dem Verweis darauf dringen viele Bella-Fans allerdings kaum durch: Ihre Kritiker verweisen auf andere "Botches", die Bella in letzter Zeit passiert seien. Eine verpatzte Flugaktion, bei der sich Bella selbst fast schwer verletzt hätte und ein brutaler Kniestoß nach einem Match gegen Zelina Vega, mit dem sie ihre Gegnerin auch fast ausgeknockt hätte.

Bella, die ihre Karriere 2016 eigentlich schon beendet hatte, um mit Ehemann Daniel Bryan eine Familie zu gründen, wäre besser nicht in den Ring zurückgekehrt, so der häufige Tenor.

Dave Meltzer klärt Irrtum auf

Mittlerweile haben sich aber auch diverse Kollegen und Experten zu Wort gemeldet, die Bella in Schutz nehmen.

Der Verweis auf den Kniestoß gegen Vega etwa sei Unsinn, stellt Dave Meltzer, profiliertester Journalist der Szene, in seinem aktuellen Wrestling Observer Newsletter fest: Die Aktion sei nach Plan verlaufen, habe hart ausgesehen, ohne Vega aber tatsächlich härter zu treffen als gewollt - also genau so, wie es im Wrestling sein sollte.

Entgegen der derzeit populären Meinung sei Brie eigentlich als sichere "Workerin" bekannt, die Yes Kicks seien ihr zum ersten Mal in dieser Weise misslungen.

WWE-Kommentator kritisiert "smarte" Fans

"Unfälle passieren", twitterte auch WWE-Kommentator Corey Graves, der seine eigene aktive Karriere wegen einer Gehirnerschütterung infolge eines Ringunfalls beenden musste.

Wrestling sei "kein Ballett", ergänzte Graves (in Verkennung der Tatsache, dass auch Ballett keineswegs ein harmloser Sport ist): "Pfeif auf alle, die glauben, es besser zu wissen. Ich wünschte, die so genannten 'smarten' Fans wären wirklich smart."

Ähnlich äußerte sich WWE-Hall-of-Famer Bubba Ray Dudley (Bully Ray). Er lenkte außerdem den Blick darauf, dass bei einem Ringunfall meistens sowohl der Ausführende als auch der Einsteckende ihren Anteil haben: "Was ich gesehen habe, waren ein bisschen Ringrost und ein bisschen Unerfahrenheit, die in diesem einen Moment zusammengekommen sind."

Schieflage der Debatte

Die gefühlte Wahrheit bei vielen Fans ist dennoch eine andere. Und Meltzer diagnostiziert da eine gehörige Schieflage.

Auch Gegner von Samoa Joe (Tyson Kidd), Seth Rollins (Sting) und AJ Styles (Yoshitatsu und Lionheart) hätten sich bei missglückten Aktionen schwer verletzt - ohne dass es eine vergleichbare Fan-Entrüstung über Joe, Rollins und Styles gegeben hätte.

Meltzer erinnerte auch daran, dass der Undertaker in seinem berühmten WrestleMania-Match gegen Brock Lesnar eine Gehirnerschütterung erlitten hat, ohne dass es auch nur im Ansatz eine Diskussion wie über Brie gegeben hätte.

"Würde sie das Geschäft kennen, würden sie verstehen"

Das Gefälle wird damit zusammenhängen, dass Joe, Rollins und Styles als Ausnahmekönner im Ring geschätzt werden - und Fans bei ihnen eher bereit sind zu erkennen, dass ihre Aktionen weit öfter gelingen als schief laufen.

Die Matches von Brie dagegen erhielten zuletzt eher schlechte Kritiken, da bestätigt sich nun für viele ihre tendenziell negative Meinung.

Graves, Meltzer und Ray stellen sich dagegen und fordern Fairness für Brie. "Wenn all die Fans, die glauben unser Geschäft zu kennen, es wirklich kennen würden, würden sie es verstehen", schreibt Graves: "Dann würden sie weniger schnell mit Steinen werfen."