Lex Luger gewann vor 25 Jahren den Hauptkampf des WWE SummerSlam 1993
Lex Luger gewann vor 25 Jahren den Hauptkampf des WWE SummerSlam 1993 © WWE 2018 All Rights Reserved
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München - Die Wrestling-Liga WWE wollte Lex Luger zum Nachfolger von Hulk Hogan aufbauen. Es klappte nicht - und Luger sollte noch viel schlimmere Dinge erleben.

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Er hatte eine ordentliche Karriere bei der Showkampf-Liga WWE - und sie hätte sogar noch größer werden sollen.

Lex Luger war für eine Weile der Mann, den die damalige World Wrestling Federation zu ihrem absoluten Topstar machen wollte, zum Nachfolger des legendären Hulk Hogan.

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Der hatte die Promotion 1993 verlassen, auch der eigentlich zu seinem Erben erkorene Ultimate Warrior war nicht mehr da, hatte sich nach einer Doping-Affäre mit Boss Vince McMahon zerstritten. Ein neuer Publikumsliebling wurde also gesucht - und McMahons Wahl fiel auf einen ähnlich muskelbepackten Mann aus Buffalo, New York.

Funktioniert hat der Plan nicht. Und es war bei weitem nicht das Schlimmste, was Lex Luger in seinem Wrestler-Leben passieren sollte.

WWE schuf einen Helden "Made in the USA"

Der am 2. Juni 1958 geborene Lawrence Wendell Pfohl, der seinen Künstlernahmen an Superman-Gegenspieler Lex Luthor anlehnte, war schon vor seinem Wechsel zur WWF ein bekanntes Gesicht in der Szene.

Der ehemalige Football-Spieler wurde von Hogans früherem Trainer Hiro Matsuda trainiert und war Champion bei der Konkurrenzliga WCW, wo er schon auf seine langjährigen Weggefährten "Nature Boy" Ric Flair und Sting getroffen war und Mitglied der legendären Gruppierung "The Four Horsemen" war, in der Wrestling-Welt das "Stable" schlechthin.

Zu Beginn des Jahres 1993 debütierte Luger bei der WWF, zunächst als selbstverliebter Bösewicht mit dem Beinamen "The Narcissist". Nach Hogans Abgang wurde er als "Made in the USA" Lex Luger, als amerikanischer Super-Patriot neu erfunden, mit gewaltigem Aufwand.

Große Show auf einem Flugzeugträger

Am Nationalfeiertag 4. Juli inszenierte die WWF eine große Show auf dem Flugzeugträger USS Intrepid: Champion und Hogan-Bezwinger Yokozuna - dargestellt als antiamerikanischer Oberschurke - forderte Wrestler-Kollegen und auch Vertreter anderer Sportarten heraus, ihm einen Bodyslam zu verpassen.

Nach und nach scheiterten alle an dem Versuch, den 180 Kilo schweren Samoaner von den Füßen zu holen, ehe Luger mit einem Hubschrauber an Deck landete und den Gigant zu Boden warf.

Luger begann fortan, sich nur noch in den Nationalfarben zu kleiden, tourte gar mit einem Bus namens "Lex Express" durchs Land - als wäre er ein Präsidentschaftskandidat, kein Showfighter.

Bret Hart überholte Lex Luger

Den ursprünglichen Plan, Luger beim SummerSlam den Titel gewinnen zu lassen, änderte die WWF dann ab, ließ ihn nur durch Auszählen gewinnen, wollte den Gürtelgewinn bis zur wichtigsten Show WrestleMania im Jahr darauf hinauszögern.

Bis dahin aber zeigte sich, dass Luger als Fanfavorit nicht so gut ankam wie erhofft. Der weniger imposante, aber technisch versiertere Bret "The Hitman" Hart erhielt den Zuschlag, durfte an Lugers Stelle Yokozuna besiegen (der sechs Jahre später mit nur 34 Jahren an einem Lungenödem verstarb). Luger, bei der WWF zuletzt als Partner des ebenfalls früh verstorbenen British Bulldog zu sehen, verließ die Liga eineinhalb Jahre später.

Lex Luger musste Bret Hart den großen Sieg bei WrestleMania X überlassen
Lex Luger musste Bret Hart den großen Sieg bei WrestleMania X überlassen © WWE 2018 All Rights Reserved

Seine Rückkehr zu WCW - wo er eine wichtige Rolle in der großen Story um Hogans New World Order (nWo) spielte - lief erfolgreicher. Als das absolute Zugpferd, das McMahon zuvor in ihm sah, erwies er sich jedoch nie. Und nachdem die WCW im Jahr 2001 ihre Pforten schließen musste, folgten die persönlichen Dramen.

Freundin Elizabeth starb an Überdosis

Am 1. Mai 2003 starb Lugers damalige Freundin Elizabeth - Ex-Ehefrau des "Macho Man" Randy Savage und in den Achtzigern der bekannteste weibliche Star der WWF - an einer Überdosis Pillen und Alkohol.

In den beiden Wochen zuvor war Luger zweimal verhaftet worden: Einmal wegen des dringenden Verdachts häuslicher Gewalt (die Polizei hatte mehrere Gesichtsverletzungen bei Elizabeth festgestellt), einmal wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss mit Elizabeth als Beifahrerin.

Die Polizei fand nach ihrem Tod nicht weniger als 13 verschiedene illegale Drogen in ihrem gemeinsamen Haus. Luger war unter anderem als Steroidnutzer entlarvt worden, was er zuvor abgestritten hatte. Luger wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, musste später wegen eines Verstoßes gegen die Auflagen vier Monate im Gefängnis.

Wegen Elizabeths Tod macht er sich bis heute Vorwürfe: "Ihr kleines Herz und ihr Körper haben nicht ausgehalten, was ich getan habe", sagte er ESPN.

Auf einen Rollstuhl angewiesen

Über seinen Absturz fand Luger zum christlichen Glauben, der aber weiter auf die Probe gestellt werden sollte: Im Jahr 2007 erlitt er einen Nervenschaden, der schwere Lähmungserscheinungen zur Folge hatte.

Luger konnte zwischenzeitlich weder Arme noch Beine bewegen, kämpfte sich durch jahrelange Reha wieder auf die Beine, ist aber mittlerweile wieder auf einen Rollstuhl angewiesen.

Das "Total Package" weiß, dass es ihn noch schlimmer hätte erwischen können. Mehrfach hielt er fest, dass er mit Blick auf seinen früheren Lebensstil froh sein kann, nicht früh verstorben zu sein.

"Es gab da eine Leere, die ich füllen wollte", sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview: "Ich hatte nie genug Geld, nie genug Frauen, nie genug Party. Ich bin auf ziemlich dunklen Pfaden unterwegs gewesen."