Brooklyn - Vor dem SummerSlam 2018 kritisiert Hulk Hogan die WWE-Wrestler, die ihm seinen Rassismus-Skandal nicht verziehen haben. Er findet: Das gehört sich nicht.

von Martin Hoffmann

Kurz vor dem WWE SummerSlam 2018 hat Hulk Hogan erstmals ausführlich über seine Rückkehr drei Jahre nach dem Rassismus-Skandal gesprochen - und dabei auch seine Kritiker innerhalb der WWE-Umkleide attackiert.

Er sei "überrascht" gewesen, dass sein Auftritt hinter den Kulissen der Veranstaltung Extreme Rules im Juli als unaufrichtig angekommen sei, sagte der 65-Jährige in einem Podcast mit den Wrestling-Journalisten Bill Apter und Josh Shernoff.

"Viele haben meine Entschuldigung akzeptiert, viele haben gehört, was sie hören wollen", sagte er über seine Ansprache an die versammelten WWE-Performer. Er wundere sich, "dass einige Leute es so interpretiert haben, dass es mir nur leid tue, dass ich von einer Kamera erwischt wurde oder was auch immer sie da herausgelesen haben. Das habe ich nie gesagt."

Die afromamerikanischen WWE-Stars The New Day (Big E, Kofi Kingston, Xavier Woods) und Titus O'Neil hatten Hogan in öffentlichen Statements einen Mangel an Aufrichtigkeit attestiert und erklärt, dass Hogan zwar zu Recht wieder in der Hall of Fame sei, sie sich als Person aber weiter von ihm distanzieren würden. Ohne sie beim Namen zu nennen, warf Hogan seinen Kritikern wiederum einen Mangel an Solidarität vor.

Hulk Hogan findet seine Kritiker in der WWE-Umkleidekabine nicht "brüderlich"
Hulk Hogan findet seine Kritiker in der WWE-Umkleidekabine nicht "brüderlich" © Getty Images

Hulk Hogan: "Man sollte seine Brüder schützen"

Hogan führte aus, dass er das Wrestling früher als "Bruderschaft" empfunden habe: "Wenn man zusammen im Ring ist und sich gegenseitig Bodyslams und Piledriver verpasst, beschützt man dabei seinen Bruder, sorgt dafür, dass er physisch in Sicherheit ist." Auch außerhalb des Rings "sollte man seine Brüder schützen".

SPORT1-Redakteur Martin Hoffmann ist beim SummerSlam in Brooklyn vor Ort © SPORT1-Grafik: Getty Images

Auch in seinem Fall sieht Hogan die Wrestler-Kollegen nun ausdrücklich in der Pflicht: "In dieser Situation schützen mich 75, 80, 90 Prozent der Wrestler und geben mir eine zweite Chance, wieder nach vorn zu schauen. Ein paar Wrestler verstehen diese besondere Verbindung, diese Bruderschaft im Wrestling aber offenbar nicht. Wenn jemand einen Fehler macht, muss man ihm verzeihen und ihm die Chance geben, sein Bedauern unter Beweis zu stellen."

Dass Hogan so redet und von seinen Kritikern eine Solidaritäts- und Vergebungspflicht erwartet, wird kaum dazu beitragen, die Differenzen auszuräumen.

Schon vor dem Interview hatte der Wrestling Observer berichtet, dass genau diese Einstellung Hogans bei Extreme Rules schon durchgeschienen sei und vor allem bei jüngeren Wrestlern auf Unverständnis gestoßen wäre. Dem Bericht zufolge waren es auch eher mindestens 50 statt 25 Prozent der Umkleide, die von Hogans Ansprache eher irritiert gewesen wären.

The New Day (Kofi Kingston, Big E und Xavier Woods, v.l.) äußerten sich kritisch über Hulk Hogan
The New Day (Kofi Kingston, Big E und Xavier Woods, v.l.) äußerten sich kritisch über Hulk Hogan © Getty Images

WWE-Legende hofft auf weitere Gespräche

Hogan sagte nun noch, dass er mit seinen Kritikern gern Einzelgespräche führen würde. Vor versammelter Mannschaft hätte nur Mark Henry die Gelegenheit genutzt, ihm weitere Fragen zu stellen.

Tatsächlich hatten New Day und O'Neil ihre Kritik erst mehrere Tage nach Hogans (von den WWE-Kameras für spätere Shows aufgezeichnete) Ansprache geäußert - als Reaktion auf zahlreiche Fan-Anfragen in den sozialen Medien.

Vor drei Jahren war der größte Wrestling-Star der achtziger und früheren neunziger Jahren von WWE gefeuert und bis Juli 2018 aus der Hall of Fame suspendiert worden. Damals wurde ein heimlich aufgenommenes Tape öffentlich, in dem er den damaligen Freund seiner Tochter Brooke rassistisch beleidigte und sich selbst als "Rassisten bis zu einem gewissen Punkt" bezeichnete.

Hogan bekräftigte noch einmal, dass er "an einem dunklen Ort und in einem Stadium der Wut" gewesen sei, als er diese Äußerungen tätigte. Sie seien "unangemessen, verletzend und inakzeptabel" gewesen.