Taeler Hendrix (r.) erhebt schwere Vorwürfe gegen ROH-Champion Jay Lethal
Taeler Hendrix (r.) erhebt schwere Vorwürfe gegen ROH-Champion Jay Lethal © instagram.com/thelethaljay / instagram.com/taelerhendrixroh

München - #MeToo im Wrestling? Showkämpferin Taeler Hendrix behauptet, dass Szene-Größe Jay Lethal sexuelle Gefälligkeiten von ihr verlangt hätte. Der bestreitet das.

von Martin Hoffmann

Er ist Aushängeschild einer weltweit populären US-Wrestling-Promotion - nun bringt ein Sexismus-Vorwurf ihn und seine Liga ins Zwielicht.

Jay Lethal, amtierender World Champion von Ring of Honor (ROH) wird von einer ehemaligen Weggefährtin beschuldigt, sexuelle Gefälligkeiten von ihr verlangt zu haben. #MeToo im Showkampf.

Lethal habe "mir gesagt, dass sie mich sabotiert und aus dem TV genommen hätten, weil ich nicht mit ihm geschlafen habe", behauptet US-Wrestlerin Taeler Hendrix, die den 33-Jährigen früher bei ROH zum Ring begleitet hatte.

Die Liga kündigte an, Hendrix' Vorwurf nachzugehen, Lethal bestreitet ihn.

Jay Lethal nennt Sexismus-Vorwürfe "haltlos"

Lethal (bürgerlich: Jamar Shipman) und Hendrix (Taeler Conrad-Mellen) waren bei ROH einst Teil der Gruppierung "The House of Truth".

Die 29 Jahre alte Hendrix verließ die Liga im April 2017. Damals hörte sich alles nach einer Trennung im Guten an. Via Twitter dankte sie ROH, hinterließ gute Wünsche und gab an, "ewig dankbar" zu sein.

Nun sagt sie, sie sei wegen Lethal gegangen - und weil die Liga nichts gegen sein Verhalten unternommen hätte.

Am Sonntag folgte Lethals Antwort, er nannte Hendrix' Vorwürfe "haltlos". Er sei "zuversichtlich, dass diese Vorwürfe sich in den Untersuchungen von ROH als komplett unbegründet herausstellen". Zugleich bat er darum, seine Worte nicht als Vorlage für weitere Attacken zu benutzen, egal ob gegen ihn oder Hendrix.

Niemals würde er sich jedenfalls "auf eine Art und Weise verhalten, die respektlos gegenüber diesem Geschäft und den Frauen und Männern in dieser Industrie wären".

Taeler Hendrix muss sich Schmähungen anhören

Ganz so ehrwürdig ist dieses Geschäft keineswegs immer: Die Wrestling-Industrie ist traditionell eine Männerdomäne und in ihren Strukturen ähnlich anfällig für Machtmissbrauch wie die Film- und Theaterbranche, auch für sexuellen.

Lethal - bekannt auch für seine punktgenaue Imitation von WWE-Legende "Macho Man" Randy Savage früher bei TNA - ist im Lauf seiner 16-jährigen Karriere bislang allerdings nicht durch Skandale aufgefallen, der größere Teil der Fans scheint sich in den sozialen Medien auch eher auf seine Seite zu schlagen.

Hendrix dagegen musste sich bei Twitter und auch bei einem Auftritt in San Antonio am Wochenende zahlreiche Schmähungen anhören - und immer wieder den üblichen Verdacht, dass sie um Aufmerksamkeit buhle.

ROH verspricht Aufklärung

Möglich ist das, aber für Außenstehende eben auch nicht abschließend zu beurteilen: Wie so oft scheint es keine hieb- und stichfesten Beweise zu geben, die einer Partei recht geben.

Hendrix präsentierte bei Twitter einen Screenshot einer Textnachricht von Lethal, in der aber nur zu lesen ist: "Taeler, ich bin's, Jay. Hast du Zeit?" Ein aussagekräftiger Beleg für ihre Anschuldigungen ist das offensichtlich nicht.

ROH - die Liga, die einst WWE-Stars wie Daniel Bryan, CM Punk, Seth Rollins und Samoa Joe hervorbrachte " versicherte dennoch, Hendrix' Vorwürfe "sehr ernst" zu nehmen , sie "gründlich zu untersuchen" und "angemessene Maßnahmen zu treffen".