Die Gruppierung The New Day (r.) übt nach der WWE-Rückkehr von Hulk Hogan Kritik
Die Gruppierung The New Day (r.) übt nach der WWE-Rückkehr von Hulk Hogan Kritik © Getty Images

München - Hulk Hogan findet nach dem Rassimus-Skandal Gnade bei WWE. The New Day und Titus O'Neil zeigen sich mittlerweile ernüchtert: Hogan habe nichts verstanden.

von Martin Hoffmann

Es sollte der große Schlussstrich unter den Rassismus-Skandal um Hulk Hogan werden - drei Jahre, nachdem die weltgrößte Wrestling-Liga WWE ihren ehemals größten Star verstieß.

Wenige Tage nach Hogans Wiederaufnahme in die Hall of Fame hat die Inszenierung nun aber kräftige Risse bekommen. Vier afroamerikanische Stars der Promotion haben in bemerkenswerter Deutlichkeit klargestellt, dass sie sich weiterhin von Hogan distanzieren.

Tenor der öffentlichen Statements der Gruppierung The New Day (Kofi Kingston, Xavier Woods, Big E) und Titus O'Neil: Es sei zwar berechtigt, dass WWE den 64-Jährigen wieder in ihre Ruhmeshalle aufgenommen habe. Seine angebliche Läuterung kaufen sie ihm jedoch nicht ab.

New Day vermisst bei Hogan eine "aufrichtige Bemühung, sich zu verändern". Auch O'Neil erkennt keine "echte Reue, ein schlechtes Gewissen oder einen Willen, sich zu wandeln".

Hulk Hogan hielt Ansprache vor Wrestlern

Hogan war 2015 von WWE gefeuert worden, nachdem ein heimlich aufgenommenes Tape aus dem Jahr 2006 publik wurde, auf dem er den damaligen Freund seiner Tochter Brooke rassistisch beleidigte. Er wurde auch aus der Hall of Fame entfernt, was WWE nun im Nachhinein als "dreijährige Suspendierung" bezeichnet.

Am Sonntag verkündete die Liga das Ende dieser Suspendierung, unter Verweis auf mehrfache Entschuldigungen Hogans und sein karitatives Engagement, mit dem er anderen helfen wolle "aus seinen Fehlern zu lernen".

Am selben Tag, vor Beginn der WWE-Großveranstaltung Extreme Rules, berief die Liga auch ein Meeting aller Wrestler ein. WWE-Talentchef Paul Levesque (Triple H) und Hogan sprachen dort zu ihnen. Hogan beteuerte ein weiteres Mal seine Reue - und warnte, dass jeder heutzutage in jedem Moment aufpassen sollte, was er sage. Es könne immer eine Kamera mitlaufen und alles Gesagte im Netz landen.

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WWE ließ Kamera mitlaufen

Wie der Wrestling Observer berichtet, waren New Day und O'Neil bei weitem nicht die einzigen, bei denen Hogans Ansprache (von WWE für spätere Sendungen aufgezeichnet) einen schalen Beigeschmack hinterließ.

Hogans Aussage, immer und überall aufzupassen, was man sage, sei von der Mehrzahl der Wrestler, auch der weißen, als deplatziert wahrgenommen worden. Hogan hätte um den eigentlichen Punkt herumgeredet: Dass er Dinge gesagt hat, die er vor oder abseits der Kamera nicht hätte sagen sollen.

Dass Hogan nicht gewusst hätte, dass ein Tape mitlief, sei keine Entschuldigung "für die hasserfüllten und brutalen Aussagen, die er getätigt hat", fand O'Neil.

Auch WWE-Star Titus O'Neil vermisst bei Hulk Hogan echte Reue
Auch WWE-Star Titus O'Neil vermisst bei Hulk Hogan echte Reue © Getty Images

Hat Hogan nichts verstanden?

Hogan muss sich nicht zum ersten Mal den Vorwurf gefallen lassen, dass er trotz seiner diversen Entschuldigungen im Kern uneinsichtig geblieben ist.

Ein Indiz dafür: Auf dem Höhepunkt der Affäre, teilte er bei Twitter allen Ernstes einen Beitrag, in dem als unfair bezeichnet wurde, dass Hogan wegen seines Gebrauchs des N-Worts viel mehr Ärger bekommen habe als der damalige US-Präsident Barack Obama, der das Wort auch benutzt hätte.

Obama benutzte das Wort aber natürlich, um Rassismus zu kritisieren - während Hogan damit Beleidigungen aussprach.

The New Day: "Schwierig zu vergessen" 

Trotzdem bemühen sich sowohl New Day als auch O'Neil merklich um Ausgewogenheit, betonen Hogans Bedeutung für das Wrestling, seinen Heldenstatus.

Sie fänden es dennoch "schwierig, einfach zu vergessen, egal wie lange es her ist und wie die Situation war", heißt es im Statement von New Day: "Wir wollen aber nicht mit noch mehr Hass antworten. Wir suchen einfach nicht die Gesellschaft von Menschen, die eine so negative und verletzende Denkweise fördern oder gefördert haben. Wir werden es in diesem Fall nicht anders machen."

Ob sie ihre Meinung über Hogan wirklich noch einmal ändern, hänge davon ab, ob sie irgendwann doch noch tatsächlichen Willen zur Veränderung bei ihm feststellen: "Die Zeit wird es zeigen."