Die junge Becky Lynch (2.v.r.) mit den Wrestler-Kolleginnen Nikita (Katie Lea), Natalya und Sarah Stock (v.l.)
Die junge Becky Lynch (2.v.r.) mit den Wrestler-Kolleginnen Nikita (Katie Lea), Natalya und Sarah Stock (v.l.) © instagram.com/beckylynchwwe
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München - Becky Lynch ist 2018 bei WWE zum absoluten Kultstar avanciert. Dabei hätte ein Ringunfall in Dortmund die WWE-Karriere der Irin fast verhindert.

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Jeder WWE-Fan kennt die Geschichte von Daniel Bryan. Seinen Wrestling-Rücktritt wegen einer schweren Kopf- und Nackenverletzung, sein unerwartetes Comeback nach drei Jahren Pause.

Oder die von Paige: Karriere-Ende mit 25 und nur vage Aussichten auf ein Comeback.

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Weniger bekannt ist, dass ein anderer WWE-Liebling eine ähnliche Leidensgeschichte hinter sich hat.

Royal-Rumble-Siegerin Becky Lynch, der bei WrestleMania 35 der erste Frauen-Hauptkampf bei der größten Wrestling-Show der Welt winkt, hatte den Traum von einer großen Wrestling-Karriere eigentlich schon begraben - nach einem blutigen Unfall in Deutschland, der beängstigende Folgen für die 1987 geborene Irin hatte.

Kampfunfall in Deutschland änderte ihr Leben

Es war das Jahr 2006, Lynch (eigentlich: Rebecca Quin) war ein junges, enorm viel versprechendes Talent in der europäischen Szene. Eine Meisterschülerin ihres Landsmanns Fergal Devitt, der nun als Finn Balor zu WWE-Ruhm gekommen ist.

Die 19 Jahre alte Lynch - damaliger Kampfname: Rebecca Knox - wollte sich auch den deutschen Fans präsentieren, war gebucht für einen Fight im Revierpark Wischlingen in Dortmund.

Bei der Liga GSW (German Stampede Wrestling) trat sie gegen eine finnische Kontrahentin namens Kisu an. Dabei bekam sie einen ungeplanten Schlag gegen den Kopf ab. Ein kleiner, blutiger Ringunfall, wie sie täglich vorkommen im Gewerbe, so schien es.

Stattdessen warf er ihr Leben aus der Bahn.

Ein schleichender Horror

Knox wurde in den Tagen nach dem Kampf von einem schleichenden Horror überkommen: Sie klagte über heftige Kopfschmerzen, sah auf dem linken Auge nur noch verschwommen, hörte nicht mehr richtig.

Ein gefährlicher Nervenschaden wurde diagnostiziert, totales Sportverbot erteilt. Ein Comeback-Anlauf zwei Jahre später endete unter rätselhaften Umständen.

Knox erschien nicht zu einer Show, für die sie gebucht war, tauchte ab, ließ später übermitteln: Wrestling sei jetzt das Letzte, woran sie denken könne. Ihre Karriere schien vorbei, vier weitere Jahre lang stieg sie nicht mehr in den Ring.

Becky Lynch: "Bin in Depression abgeglitten"

Wer Lynch später begegnet, trifft eine spürbar herzliche und aufgeräumt Persönlichkeit an - die damals aber schwer gelitten hat unter dem scheinbar zerplatzen Lebenstraum. "Ich bin in eine Depression abgeglitten", sagte sie bei einem Medientermin in Deutschland 2018: "Ich hatte meine Identität verloren. Ich war Rebecca, die Wrestlerin. Dann war ich keine Wrestlerin mehr. Wer war also dann Rebecca?"

Becky Lynch bei dem Medientermin in München
Becky Lynch bei dem Medientermin in München © SPORT1

Daniel Bryan hatte von ähnlichen Problemen berichtet, Lynch wundert es nicht, zu groß sei der Phantomschwerz eines Wrestlers, der das Wrestling verliere: "Es gibt nichts Vergleichbares. Dieses Live-Adrenalin, die Reaktion der Fans: Du bekommst das in der Form nirgendwo sonst."

Und Lynch hat vieles andere versucht: Sie versuchte sich nach ihrer Verletzung als Theaterschauspielerin, als Kampfsportlerin, als Stuntfrau, als Stewardess. Sie probierte vieles aus, das ihr helfen sollte, das Wrestling hinter sich zu lassen.

Becky Lynch arbeitete zwischenzeitlich als Stewardess
Becky Lynch arbeitete zwischenzeitlich als Stewardess © YouTube.com/WWE

Unverhoffter WWE-Durchbruch

Im Jahr 2013 fügte sich dann doch alles: Ein Besuch in einer Wrestling-Schule - um ihre Stunt-Fähigkeiten zu schulen - endete damit, dass ihr Leben wieder umwarf.

Lynch hatte sich erholt von der Verletzung, glaubte aber, dass es zu spät war für ein Comeback, nach sieben Jahren ohne regelmäßiges Training und Matchpraxis. Ihr Trainer aber merkte, dass sie nichts verlernt hatte, vermittelte sie an WWE, wo es ebenfalls noch Leute gab, die sich an das vergessene Talent erinnerten.

Der Rest ist Geschichte: Lynch begeisterte die Fans, schrieb als Pionierin der "Women's Revolution" WWE-Geschichte, bestritt ein großes WrestleMania-Match gegen Charlotte Flair und Sasha Banks, krönte sich zum ersten SmackDown-Damenchampion - und erlebt seit Sommer 2018 das größte Hoch ihrer Karriere.

Denkwürdiger Blut-Auftritt nach Hieb von Nia Jax

Nach dem SummerSlam 2018, als sie sich gegen Flair wandte, bekam sie mit einer neuen, aggressiven Einstellung und dem augenzwinkernden Spitznamen "The Man" einen gewaltigen Popularitätsschub - und ein erneuter, ganz ähnlicher Ringunfall war ihr ironischerweise diesmal eine Hilfe.

Im November 2018, als Rousey eine Invasion der SmackDown-Wrestlerinnen bei RAW anführte, brach ihr Nia Jax bei einem missglückt platzierten Fausthieb die Nase und fügte ihr eine heftig blutende Wunde und eine Gehirnerschütterung zu.

Die lässige Souveränität, mit der die blutüberströmte Lynch weitermachte und sich hinterher von den Fans feiern ließ, war eine der denkwürdigsten WWE-Szenen der vergangenen Jahre.

Becky Lynch wurde 2018 bei WWE von Nia Jax blutig geschlagen
Becky Lynch wurde 2018 bei WWE von Nia Jax blutig geschlagen © WWE Network

Auf die schwere Zeit, die sie zuvor erlebt hat, auf die blickt Lynch mittlerweile mit anderen Augen. Sie verbucht die anderen Jobs als ebenso wertvolle Lebenserfahrung wie ihren Kampf mit den Depressionen: "Es hilft, wenn man es schafft, sich aus diesem dunklen Loch zu befreien. Man lernt etwas über sich selbst. Ich habe gelernt, wie es ohne das Wrestling ging. Nun weiß ich es umso mehr zu schätzen."